Welt 06.03.2026
11:28 Uhr

Prien fordert Ende des Ehegattensplittings – und kritisiert Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“


Familienministerin Karin Prien befürwortet eine Weiterentwicklung des Ehegattensplittings. Mit einer konkreten Idee glaubt sie, das Arbeiten für Frauen attraktiver machen zu können.

Prien fordert Ende des Ehegattensplittings – und kritisiert Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“

In der Teilzeit-Debatte hat sich Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) für ein Ende des Steuervorteils für Ehepaare (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/ehegattensplitting-und-steuersplitting/) ausgesprochen. „Ehegattensplitting ist für meine Partei traditionell ein wichtiges Thema“, sagte Prien den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Aber auch in der CDU gibt es viele, die eine Weiterentwicklung zum Familiensplitting befürworten. Dazu gehöre ich.“ Es wäre viel gewonnen, wenn man die Steuerklassen drei und fünf abschaffen würde. „Das macht es für Frauen attraktiver, mehr zu arbeiten“, betonte die Ministerin. Prien kritisierte in dem Zusammenhang die vom Wirtschaftsflügel der Union ausgelöste Diskussion um „Lifestyle-Teilzeit“. „Der Sound dieser Debatte war nicht zielführend“, sagte sie. Bei dem Thema Teilzeit gehe es auch um eine gleichberechtigte Verteilung von Familien- und Sorgearbeit. „Warum ist es in Deutschland immer noch so, dass sich viele Männer daran nicht ausreichend beteiligen? Ich finde, man muss in Schulen und in unserer Gesellschaft mehr darüber reden, wie man das Zusammenleben in Partnerschaften aushandelt“, betonte die CDU-Politikerin. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf forderte sie von Unternehmen mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. „So könnten deutlich mehr Frauen in Vollzeit oder mit höherem Stundenumfang arbeiten. Untersuchungen zeigen, dass viele Frauen ihre Arbeitszeit gern ausweiten würden“, sagte Prien. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Bertelsmann Stiftung trägt vor allem das Ehegattensplitting dazu bei, dass Frauen seltener oder mit weniger Stunden erwerbstätig sind. Demnach entscheidet sich jede zweite teilzeitbeschäftigte, verheiratete Frau im Alter von 45 bis 66 Jahren gegen eine Ausweitung der Arbeitszeit, weil es sich für sie finanziell nicht lohnt. Würde die Regierung den Steuervorteil für Ehepartner abschaffen, könnten laut der Studie 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen. Das DIW hatte dazu 3788 Frauen im vergangenen Juni online befragt.