Welt 12.12.2025
13:49 Uhr

Polizeiwaffe für Kokain verkauft – der bizarre Fall am Hamburger Dammtor


Ein 35‑Jähriger steht wegen Diebstahls und Waffendelikts vor Gericht. Laut Anklage stahl er einem Zivilfahnder den Rucksack samt Dienstwaffe aus dessen unverschlossenem Auto und verkaufte die Waffe später für 100 Euro und Kokain. Sie ist bis heute verschwunden.

Polizeiwaffe für Kokain verkauft – der bizarre Fall am Hamburger Dammtor

In der kommenden Woche beginnt vor dem Amtsgericht Hamburg ein Verfahren, das wegen seiner bizarren Details schon bei der Tat im Sommer für Stirnrunzeln sorgte. Auf der Anklagebank sitzt ein 35‑Jähriger. Nach Anklagelage soll der Mann am Abend des 11. August 2025 auf dem Gelände einer Tankstelle am Bahnhof Hamburg-Dammtor einen Rucksack aus dem Auto eines Zivilfahnders der Polizei gestohlen haben. Der Beamte war nach dem Tanken nur kurz an der Kasse, um zu bezahlen. Dabei ließ er laut Staatsanwaltschaft sein Auto unverschlossen und den Rucksack im Fußraum liegen. Darin waren persönliche Dinge, Ausrüstung – und eine geladene Dienstwaffe. Der mutmaßliche Täter soll den Rucksack erst gestohlen und wenig später im Park Planten und Blomen entsorgt haben. Nur die Pistole behielt er. Allerdings nicht für lang. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann darüber hinaus zur Last, die Waffe kurz nach der Tat im Stadtteil Hammerbrook verkauft zu haben – für 100 Euro, zwölf Gramm Kokain und eine später zu zahlende Restsumme von 200 Euro. Der Käufer der Polizeiwaffe konnte ermittelt werden, ihm wird gesondert der Prozess gemacht. Die Dienstwaffe ist bis heute nicht aufgefunden worden, wie die Staatsanwaltschaft WELT am Freitag bestätigte. Auf die Spur des 35-Jährigen, dem nun der Prozess gemacht wird, brachten die Polizei die Aufnahmen aus den Videokameras. Ein Super Recogniser, der üblicherweise am Hauptbahnhof für die Bundespolizei arbeitet, soll es nach Berichten des „Hamburger Abendblattes“ gewesen sein, der den Mann auf dem Video erkannte und einem älteren Fall zuordnen konnte. Ein Spezialeinsatzkommando nahm den 35‑Jährigen am Abend nach der Tat im Stadtteil Farmsen‑Berne fest. Neben dem Dammtor‑Komplex führt die Anklage eine Serie von Autoaufbrüchen an: Zwischen April und Juli 2025 soll der Angeklagte bei vier Gelegenheiten Fensterscheiben geparkter Fahrzeuge eingeschlagen und Wertgegenstände im Gesamtwert von rund 1800 Euro entwendet haben; an den Autos sei Sachschaden von knapp 5000 Euro entstanden. Verhandelt werden Diebstahl im besonders schweren Fall – in vier Fällen tateinheitlich mit Sachbeschädigung – sowie ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Im Verfahren gilt die Unschuldsvermutung.