Unglaublich: Die harmonische Ehe der Kammersängerin Emmi (Christoph Domke) mit dem Pianisten Willnowsky (Christian Willner) hat nun schon 30 Jahre gehalten – und beide wirken auf der Bühne keinen Tag älter als 1996. Da zeigt sich: Hass ist in jeder Beziehung ein nachhaltig regenerativer Jungbrunnen. Gut für Kammersängerin Emmi, die ihrem Gatten gelegentlich sehr alt erscheint: „Wenn meine Frau ein Museum verlässt, geht der Alarm los“. Gut aber auch für den Pianisten, der ohne sie nicht im Duett mit ihr singen könnte. Nun reiht das Duo anlässlich seiner Perlenhochzeit weit mehr als 30 Preziosen auf, um das Publikum zu erfreuen, was mit einem Best-of-Programm aus den Dekaden des gemeinsamen Bühnenschaffens ohne weiteres gelingt. Wer in der ersten Reihe sitzt, lebt gefährlich Schon nach wenigen Minuten kennen alle im Saal die Vornamen der Gäste in der ersten Reihe und wissen, woher sie kommen. Ein gutes Gedächtnis ist wichtig, denn die Namen werden in alle möglichen und unmöglichen Nummern eingebaut. Wichtig: Was Emmi und Willnowsky einander um die Ohren hauen, kennt keine Schmerzgrenze. Die Zuschauer aber werden liebevoll veräppelt. Ein Höhepunkt des Abends ist dabei das von Willnowsky vorgetragene Märchen „Der schwarze Ritter auf dem schwarzen Pferd“. Immer wieder ein Erlebnis, obwohl es bekanntlich glücklich endet. Denn niemand reitet so gekonnt auf dem schwarzen Pferd und dem schwarzen Ritter herum, wie der Erzähler Willnowsky, der alle Rollen mit unterschiedlichen Stimmen versieht, vom König bis zu den Drachen. Besonders toll ist der Abend für Zuschauer mit schlechtem Witzegedächtnis, das sorgsam von anderen Arten des Gedächtnisses zu unterscheiden ist, etwa dem Namensgedächtnis jener, die sich keine Namen merken können. Schlager ganz neu erleben Den ganzen Abend über brennen die beiden Künstler ihr Feuerwerk des schwarzen und des weißen Humors über, unter und auf der Gürtellinie ab, das bundesweit seit 1996 seinesgleichen sucht. Sie fallen einander ins Wort, wenn es darum geht, einen Hähnchengrill-Witz zu erzählen und wünschen einander auf mannigfaltige Weise ein frühes Ableben. Sie lassen weder Schwulen- noch Lesbenwitze aus und kümmern sich auch ums Klima. Die umgedichteten Schlager von Mireille Mathieu bis Udo Jürgens, in denen sich eine gewisse Abneigung gegen den jeweils anderen manifestiert, gehören bei der Kammersängerin auf dem Sprung zum großen Erfolg, wie bei ihrem Pianisten mit dem Hang zu Familienanekdoten, zum guten Ton. Erfrischend ist das anarchistische, im Dienste der Komik keineswegs korrekte Programm allemal. Und das Duo bleibt nicht einer nostalgisch verklärten Rückschau hängen, auch wenn zwecks Würdigung des Musicals „Cats“ von Andrew Lloyd Webber viel Erinnerung bemüht werden muss. Von „Wie nennt man einen weiblichen Truthahn?“ „Putin“ über Trump und Mette-Marit – bis zum katholischen Priester, der auf die Bitte einer Frau um einen Kuss antwortet: „Das darf ich nicht. Streng genommen dürfte ich nicht einmal nackt auf dir liegen.“ „30 Jahre Emmi & Willnowsky“ im Schmidts Tivoli: 4. Mai / 15. September / 8. November