Der Satiriker Oliver Kalkofe zeigt sich genervt von der aktuellen Medienlage – insbesondere aber auch von Influencern und sogenannten Content Creatoren. „Was die Welt definitiv nicht mehr braucht, sind weitere Influencer“, sagte der 60-Jährige der „ Neuen Osnabrücker Zeitung (verlinkt auf https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/herr-kalkofe-was-war-aus-boomer-sicht-denn-nun-frueher-besser-49591634) “. „Wir brauchen keinen einzigen Menschen mehr, der Essen fotografiert und zeigt – wir brauchen jetzt Leute, die es kochen und backen, die Dinge herstellen und nicht bloß präsentieren.“ Der Begriff „Content Creator“ treibt Kalkofe regelrecht zur Weißglut: „Auch so ein Begriff, bei dem ich immer fast schreien möchte. Mein ganzes Leben war ich dann ja Content Creator, ohne es zu wissen. Wie toll: Statt nur Scheiße zu labern, labert man dann eben mit Inhalt. Und wird mit Geld zugeworfen. Das ist ganz bitter.“ Er kritisiert ein Gesellschaftsbild, in dem Fähigkeiten und Handwerk aus dem Fokus geraten seien: „Es gibt kein Personal mehr, es gibt keine Menschen mehr, die irgendwas gelernt haben. Die neuen Helden der nächsten Zeit werden die Handwerker sein.“ Die Influencer-Blase sei ohnehin bereits am Platzen: „Das hat ja ohnehin so was Trügerisches, dieser Gedanke: Junge, ich muss ja überhaupt nichts können! Ich muss nur eine Werbehure sein – was früher übrigens mal als eklig galt.“ „Früher war mitnichten alles besser“ Auch privat kann Kalkofe mit sozialen Medien wenig anfangen: „Ich war auch früher schon niemand, der sich die ganze Zeit für Klatsch interessiert hat oder dafür, was die Leute, die ich kenne, zu Mittag gegessen haben.“ Er nutze Plattformen vor allem beruflich und zur Information, räumt aber ein: „Sobald ich einen Moment Zeit habe, geht es mir genauso wie allen anderen: Dann nehme ich das Smartphone oder mein iPad und gucke, was ich gerade so an Neuigkeiten bekomme.“ Mit seinem neuen Buch „Nie war Früher schöner als Jetzt“ rechnet der Komiker mit der Verklärung der Vergangenheit ab – auch mit der seiner eigenen Babyboomer-Generation: „Früher war mitnichten alles besser, das möchte ich vehement bestreiten – es war nur anders schlecht.“ Es sei menschlich, sich vor allem an die positiven Seiten zu erinnern. „Es erschien uns bloß besser, wir haben uns leichter täuschen lassen“, so Kalkofe. Und warnt: „In 20 Jahren werden wir wahrscheinlich wieder sagen: Ach, so schlimm war das ja gar nicht, eigentlich sogar ganz nett, und Trump war doch eigentlich ein richtig ehrlicher, toller Politiker.“ Zugleich plädiert er für ein anderes Verhältnis zu Langeweile: „Wir leben in einer Zeit der permanenten Überforderung“, sagte er. „Egal, was um uns herum passiert, man hat immer das Gefühl, man müsste jetzt irgendetwas anderes tun. Dass die Welt mit Tausenden von Armen nach einem greift und an einem rüttelt.“ Früher hingegen habe man häufig nicht gewusst, was als Nächstes zu tun sei: „So öde das damals erschien, so sehr muss ich sagen: Es war gar nicht schlecht, dass wir gezwungen wurden, manchmal Langeweile zu ertragen.“