Im Herbst des Jahres 1940 wähnte sich der italienische Diktator Benito Mussolini (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article241311289/Marsch-auf-Rom-1922-Mussolinis-Triumph.html) auf dem Gipfel der Macht. Nachdem seine Truppen s eit 1936 weite Teile Abessiniens (Äthiopien) (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article147145981/Abessinienkrieg-1935-Mit-Senfgas-zogen-die-Duce-Truppen-durch-Aethiopien.html) erobert hatten, waren sie 1939 in Albanien eingefallen. Von dort begann Ende Oktober 1940 die Invasion Griechenlands. Im September bereits hatte eine italienische Armee die Ostgrenze der italienischen Kolonie Libyen überschritten und war 80 Kilometer weit in Ägypten einmarschiert, dessen Schutzmacht England dem faschistischen Italien kurz vor dem Sieg der deutschen Wehrmacht in Frankreich (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article209239869/Paris-1940-Die-schlimmste-Niederlage-der-franzoesischen-Geschichte.html) im Juni den Krieg erklärt hatte. Parallel dazu rückten italienische Soldaten in auf Britisch-Somalia und im Anglo-Ägyptischen Sudan vor. Das gab Mussolini die Chance, in Rom den größten Triumph italienischer Waffen seit 300 Jahren zu erklären. Dass der Diktator zugleich mehr als eine Million italienische Soldaten unter anderem für den Ernteeinsatz demobilisierte, sagt einiges über seine ebenso hektische wie sprunghafte Außenpolitik aus. Denn nach den schweren Verlusten, den sein Corpo Truppe Volontarie (CTV) im Spanischen Bürgerkrieg (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article233947490/Francos-Spanischer-Buergerkrieg-Von-Kriegfuehrung-keine-Ahnung.html) an der Seite des Generals Francisco Franco erlitten hatte, war Italien keineswegs bereit, umgehend in den großen Krieg für die Wiedererrichtung des „nuevo Imperio Romano“ (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article118351902/Faschismus-Wie-Mussolini-ungewollt-seinen-Sturz-herbeifuehrte.html) zu ziehen. Genau das aber war Mussolinis erklärtes Ziel, sah er sich doch zunehmend von seinen Verbündeten Deutschland und Japan (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article133248397/Leserfrage-Haette-Japan-1942-die-UdSSR-angreifen-koennen.html) zum Juniorpartner degradiert. Der Angriff seiner Truppen am Ende des Frankreichkrieges war zum Debakel geraten. Der britische Luftangriff auf die italienische Flotte (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article148705532/Schlacht-von-Tarent-Schlichte-Doppeldecker-siegten-ueber-Schlachtschiffe.html) in Tarent am 11./12. November zwang seine Marine in die Defensive. Mussolini gierte daher nach einem Sieg. Seine Strategie hat ein General auf den Punkt gebracht: „Wir ziehen einfach in den Krieg, und dann schauen wir mal, was passiert.“ Das Ergebnis war eine Reihe von schweren Niederlagen. Noch im November stoppte die griechische Armee die Invasoren (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article121268621/Zweiter-Weltkrieg-Wie-ein-griechischer-Faschist-die-Nazis-besiegte.html) und drängte sie – obwohl wesentlich schlechter ausgerüstet – nach Albanien zurück. In Ostafrika liefen sich die Offensiven fest. Und in Ägypten eröffnete der Oberkommandierende des Middle East Command Archibald Wavell am 8. Dezember die „Operation Compass“. Eigentlich war das Unternehmen mit zwei Divisionen nur als Ablenkung für den geplanten Großangriff in Ostafrika gedacht, entwickelte aber schnell eine unerwartete Eigendynamik. Um die italienische Aufklärung zu täuschen, war die Aktion als Übung getarnt worden. Erst kurz vor dem Start wurde den 30.000 Soldaten einer britischen und einer indischen Division eröffnet, dass es ein Kampfeinsatz werden würde. Ziele waren die beiden befestigten Lager, die der italienische Marschall Rodolfo Graziani mit seinen zehn Divisionen bei Sidi Barrani angelegt hatte. Die 150.000 Italiener gingen davon aus, dass sie es – wie in Abessinien – nur mit einem Guerilla-Krieg zu tun bekommen würden. Bereits nach einem Tag hatten die Briten die italienischen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article149614815/Wuestenkrieg-1940-Italien-vernichtet-das-Prestige-des-Faschismus.html) Feldbefestigungen durchbrochen und bei eigenen Verlusten von 624 Mann 38.300 Gegner gefangengenommen sowie 73 Panzerfahrzeuge und 237 Geschütze erbeutet. Daraufhin nahm Richard O’Connor, Kommandeur der Western Desert Force, Bengasi ins Visier. Trotz einer zeitraubenden Umgruppierung – seine indische Division wurde für die geplanten Operationen im Sudan abgezogen und durch eine australische ersetzt – erwiesen sich die fliehenden italienischen Truppen als größtes Problem für den weiteren Vormarsch. Anfang Januar wurde die Festung Bardia, wenige Wochen später die Festung Tobruk erobert. Anfang Februar fiel Bengasi. Am 7. Februar schließlich kapitulierten die Reste der italienischen Armee und überließen die Kyrenaika den Briten. „Ich glaube, man kann dies als vollständigen Sieg bezeichnen, da keiner der Feinde entkommen ist“, notierte Richard O’Connor (verlinkt auf https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Compass) in sein Tagebuch. Bis dahin waren fast 6000 Italiener gefallen, 130.000 gingen in die Gefangenschaft. Die Briten verloren 1700 Mann durch Tod oder Verwundung. Wegen der schweren Rückschläge in Griechenland hatte Mussolini sämtliche Verstärkungen an die Balkanfront dirigiert. Auch fiel es seiner angeschlagenen Kriegsmarine schwer, neben den Konvois nach Albanien den nötigen Nachschub nach Nordafrika zu schaffen. Aber das erklärt den völligen Zusammenbruch der italienischen Kriegsmacht nur zum Teil. Mangelhafte Ausbildung, zumal für den Wüstenkrieg, und schlechtes Material kamen hinzu. So verfügten die leichten italienischen Panzer über keine Waffe, die den schweren englischen Matilda-Tanks gefährlich (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article155512077/Duenkirchen-1940-Panzerkolosse-provozierten-Hitlers-Halt-Befehl.html) werden konnte. Zwar besaßen sie Halterungen für Funkgeräte, die den koordinierten Einsatz erlaubt hätten. Aber es fehlte sowohl an den Apparaten als auch an den taktischen Grundsätzen für derartige Operationen, wie sie die Deutschen beizeiten entwickelt (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article243382093/Deutsche-Panzer-Ihre-Ueberlegenheit-erklaert-sich-nicht-mit-Technik.html) hatten. Von den 8000 Feldgeschützen, mit denen die 10. Armee ausgerüstet war, waren nur 246 nach 1930 hergestellt. Der Mangel an leistungsfähigen Panzerabwehrkanonen war eklatant. Das trug nicht gerade zur Stärkung der Moral der Truppe bei. Wie sich im weiteren Verlauf des Weltkrieges zeigte, hätten die italienischen Soldaten, hätte man sie vernünftig geführt und ausgerüstet, viel wirkungsvoller kämpfen können, schreibt der Historiker Richard Overy (verlinkt auf https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Overy) : „Auch steht der persönliche Mut der Männer nicht infrage, die unter widrigsten Bedingungen mit veralteter Ausrüstung kämpfen mussten; sie schlugen sich, so gut sie konnten.“ Das Hauptproblem sieht der britische Weltkriegs-Spezialist jedoch in der Struktur des faschistischen Regimes: „Mussolini konzentrierte die Entscheidungsmacht in seiner Person, doch seine Entscheidungen waren die eines militärischen Amateurs, der dazu neigte, willkürlich einzugreifen, und gegenüber seinen Kommandeuren beratungsresistent war.“ Das hatte er mit Hitler gemein (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article160419841/Schlacht-um-Moskau-Als-Hitler-sich-den-Oberbefehl-ueber-das-Heer-griff.html) . Aber im Gegensatz zu diesem konnte er nicht auf die Ressourcen einer leistungsfähigen Industrie, eine massive Aufrüstung und eine erfahrene Generalität zurückgreifen, was sich zum Beispiel auf die Koordination und das Zusammenwirken der Teilstreitkräfte auswirkte. „Die italienische Armee war 1940 bestenfalls für einen begrenzten Kolonialkrieg gerüstet, doch auf eine moderne mobile Kriegführung überhaupt nicht vorbereitet“, resümiert Overy. Auch das wirkte sich verheerend auf die italienische Moral aus, die ein britischer Offizier als „künstlich“ bezeichnet: „Sie lebte von einer auf Wiederholungen setzenden Propaganda. Man wusste ganz genau, dass die sich im Fall einer Niederlage lösen würde wie eine Plastikverpackung, und so kam es dann auch.“ Das zeigte sich auch, als Briten zusammen mit einheimischen und Truppen aus dem Empire im Januar in Ostafrika in die Offensive gingen. Bis Ende Mai kapitulierte das Gros der überlebenden Italiener – rund 100.000 Mann, bei Verlusten von 60.000 zuvor – in Äthiopien, Somalia und Sudan. Bereits am 24. Januar 1941 konnte der äthiopische Kaiser Haile Selassie (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article68ad5f8fa73e32741d9c52c8/Kaiser-Haile-Selassi-Der-Auserwaehlte-Gottes-demuetigte-Mussolini.html) in seine Hauptstadt Addis Abeba zurückkehren. Dass Richard O'Connor der Vorstoß bis nach Tripolis verwehrt blieb, verdankte er dem Haltebefehl aus London. Weil man auf dem Balkan von einem möglichen Eingreifen Deutschlands ausging, wurden Truppen nach Griechenland verlegt und die Offensiven in Libyen gestoppt. Tatsächlich hatte Mussolini, nachdem er das Scheitern seines „Parallelkrieges“ erkannt hatte, mit dem er doch eigentlich mit seinem Verbündeten Hitler hatte gleichziehen wollen, in Berlin zähneknirschend um Hilfe gebeten. Dort war man zwar ungehalten ( „Italien vernichtet das Prestige des Faschismus“ (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article149614815/Wuestenkrieg-1940-Italien-vernichtet-das-Prestige-des-Faschismus.html) ), wegen der Vorbereitungen für den geplanten Überfall auf die Sowjetunion aber nicht ganz unglücklich über das Anliegen, sah man doch die Möglichkeit, mit einem Eingreifen auf dem Balkan vom Aufmarsch für das „Unternehmen Barbarossa“ abzulenken. Das Ergebnis waren die „Blitzkriege“ gegen Jugoslawien (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article229893783/Angriff-auf-Jugoslawien-1941-Der-erste-geplante-Blitzkrieg.html) und Griechenland (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article13081495/Balkan-Feldzug-So-mutig-kaempften-die-Griechen-gegen-die-Wehrmacht.html) im April und Mai 1941. Bereits im Januar hatte der Panzergeneral Erwin Rommel den Befehl erhalten, mit zwei motorisierten Divisionen die Italiener in Nordafrika zu unterstützen. Dieses „Unternehmen Sonnenblume“ wurde zum Kern des Deutschen Afrikakorps (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article152363294/Deutsches-Afrikakorps-Mit-einem-Trick-vervielfachte-Rommel-seine-Panzer.html) . Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/berthold-seewald/) mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Militärgeschichte zu seinem Arbeitsgebiet.