Welt 19.02.2026
14:29 Uhr

„Nichts ist damit vergleichbar“ – Andrews Festnahme schockiert Großbritannien


Für die einen ist die Festnahme ein Schock, für andere längst überfällig: Ein Beobachter sieht das Königshaus nach der Festnahme von Ex-Prinz Andrew in einer existenziellen Krise, die es womöglich nicht überleben wird. Die Reaktionen im Überblick.

„Nichts ist damit vergleichbar“ – Andrews Festnahme schockiert Großbritannien

Über die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor wird weltweit berichtet. Vorgeworfen wird ihm ein Fehlverhalten bei der Bekleidung eines öffentlichen Amtes. Die Behörden wollen Berichten nachgehen, wonach Mountbatten-Windsor vertrauliche Handelsberichte an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geschickt haben soll. Dazu geäußert hat sich unter anderem die Familie des verstorbenen Epstein-Opfers Virginia Giuffre (verlinkt auf https://www.welt.de/kultur/article68f85f6059e2e09750707be5/virginia-giuffre-das-unertraegliche-leid-von-epsteins-bekanntestem-opfer.html) . „Endlich sind unsere gebrochenen Herzen heute durch die Nachricht erleichtert worden, dass niemand über dem Gesetz steht – nicht einmal Angehörige des Königshauses“, heißt es in einer Stellungnahme. Zugleich dankt die Familie den Ermittlungsbehörden. „Er war nie ein Prinz. Für Überlebende überall: Virginia hat das für Euch getan“, zitieren britische Medien wie „The Guardian“ (verlinkt auf https://www.theguardian.com/uk-news/live/2026/feb/19/police-arrest-former-prince-andrew-mountbatten-windsor-sandringham-latest-updates) aus der Erklärung. Giuffre hatte unter anderem behauptet, zum Zwecke sexueller Ausbeutung an den ehemaligen Prinzen Andrew vermittelt worden zu sein, und Jeffrey Epstein des Menschenhandels beschuldigt. Im April 2025 nahm sie sich im Alter von 41 Jahren das Leben – kurz vor der Veröffentlichung ihres Buches. Auch aus dem Buckingham Palace gab es inzwischen eine Stellungnahme (verlinkt auf https://www.royal.uk/news-and-activity/2026-02-19/a-statement-from-his-majesty-the-king) zu den Vorwürfen, die von König Charles III. unterzeichnet wurde. Man habe die Nachricht über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht auf Fehlverhalten „mit größter Besorgnis“ zur Kenntnis genommen. Nun folge ein „umfassender, fairer und ordnungsgemäßer Prozess“, das von den zuständigen Behörden geführt werde und die „volle und uneingeschränkte Unterstützung“ erhalte. Zugleich wurde betont: „Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“ Weitere Kommentare werde es während des laufenden Verfahrens nicht geben. Die königliche Familie werde ihre Pflichten und ihren Dienst weiterhin erfüllen. Charles hatte bereits vergangene Woche mitteilen lassen, dass das Königshaus für den Fall polizeilicher Ermittlungen zu Mountbatten-Windsors Verbindungen zu Epstein kooperieren werde. Einen ähnlichen Tenor hatte auch das Statement von Premierminister Keir Starmer . Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe der Festnahme sagte er im Gespräch mit BBC Breakfast auf die Frage zur Strafverfolgung von Andrew Mountbatten-Windsor: „Jeder, der über Informationen verfügt, sollte aussagen. Ob es nun Andrew ist oder irgendjemand anderes – jeder, der relevante Informationen hat, sollte sich an die zuständige Stelle wenden. In diesem konkreten Fall sprechen wir über Epstein, aber es gibt viele weitere Fälle“, sagte Starmer. Die monarchiekritische Gruppe „Republic“ begrüßte Andrews Festnahme, wie sie am Morgen in einer Stellungnahme mitteilte (verlinkt auf https://www.republic.org.uk/andrew_arrest_a_response_to_republic_s_actions#:~:text=Republic%20has%20welcomed%20news%20that,pursuit%20of%20a%20private%20prosecution.) . Geschäftsführer Graham Smith erklärte, die Festnahme sei „wahrscheinlich durch ,Republics‘ Bemühungen um eine private Strafverfolgung beeinflusst“ worden. Unter anderem will die Organisation der Polizei einen entsprechenden Strafbericht vorgelegt haben. „Täuschen Sie sich nicht: Das ist das Ergebnis von ,Republics‘ Handeln. Wir haben Andrew bei der Polizei angezeigt, als andere nicht bereit waren zu handeln. ,Republic‘ hat eine private Strafverfolgung angestoßen, als die Polizei zögerte zu ermitteln“, sagte Smith. Die Anwälte der Gruppe würden weitere mutmaßliche Straftaten prüfen und der Polizei in den kommenden Wochen und Monaten zusätzliche Informationen zukommen lassen. Auch auf den Straßen Londons schlug die Nachricht von Andrews Festnahme ein wie ein Donnerhall. „Ich bin hocherfreut“, sagt die Anwältin Emma Carter der Nachrichtenagentur AFP. „Ehrlich gesagt hätte er schon längst verhaftet werden müssen.“ Der frühere Prinz habe sich „jahrelang hinter seinen Privilegien und der Popularität seiner Mutter, Königin Elizabeth II., versteckt“, sagte die 55-jährige Carter weiter. Die Verhaftung des Bruders von König Charles III. sei „ein starkes Signal. Er hat es verdient!“ Die Rentnerin Maggie Yeo nahm die Festnahme nach eigenen Angaben mit einem breiten Lächeln auf. „Ich dachte, die Königsfamilie wäre unantastbar“, sagt die 59-Jährige. „Gut zu wissen, dass auch sie nicht über dem Gesetz stehen.“ Die Festnahme von Andrew zeige, dass die britische Justiz funktioniere. Und die 39-jährige Datenanalystin Jennifer Tiso konstatiert erfreut, dass nach den Verhaftungen von \"Rockstars und Superstars nun auch die allerhöchsten Kreise wie die Königsfamilie betroffen sind\". Experten erwarten Existenzkrise für das Königshaus Beobachter erkennen bereits, dass keine Krise, die das Königshaus bisher erschüttert hat, eine ähnliche Wirkung haben wird wie die Festnahme Andrews. „Dianas Tod. Das annus horribilis. Harry und Meghans Exodus. Nichts davon ist damit vergleichbar“, kommentierte der Kolumnist Robert Jobson in der „Daily Mail“ (verlinkt auf https://www.dailymail.co.uk/news/article-15567923/William-ultimatum-Andrew-Esptein-Queen-Elizabeth.html) . „Die britische Monarchie hat über ein Jahrtausend hinweg Kriege, Revolutionen und Verfassungskrisen überstanden. Nun könnte sie an einem einzigen Mann scheitern: Andrew Mountbatten-Windsor.“ Die britische Monarchie stehe nach der Festnahme vielmehr vor einer existenziellen Krise, heißt es in der Analyse. Mehrere Polizeibehörden prüften umfangreiche Teile der Epstein-Akten, es geht um mutmaßlichen Menschenhandel, vertrauliche Unterlagen und alte Missbrauchsvorwürfe. Selbst Vorwürfe gegen königliche Personenschützer, sie hätten „ein Auge zugedrückt“, stehen im Raum. Besonders brisant sind mögliche verfassungsrechtliche Folgen, falls Andrew behaupten sollte, den König informiert zu haben – Charles kann vor seinen eigenen Gerichten nicht aussagen. Hinter den Kulissen soll es zudem Spannungen zwischen Charles und William geben; eine Quelle formuliert zugespitzt: „William glaubt, sein Vater lasse Sentimentalität die Glaubwürdigkeit zerstören.“ Deshalb fordere er mehr Distanz zu seinem Onkel.