Welt 15.01.2026
13:15 Uhr

Nicht mehr zeitgemäß – Sozialverband fordert mehr Straßensozialarbeit


Nach dem Tod eines mutmaßlich obdachlosen Mannes in Hamburg fordert der Sozialverband eine Reform der Obdachlosenhilfe. Der bisherige Ansatz sei nicht mehr zeitgemäß, vor allem Sammelunterkünfte stehen in der Kritik.

Nicht mehr zeitgemäß – Sozialverband fordert mehr Straßensozialarbeit

Die Unterbringung von Obdachlosen im Hamburg soll neu aufgestellt werden. Das hat der Landesverband des Sozialverbands Deutschland in der Hansestadt gefordert. Hamburg brauche „mehr Straßensozialarbeit – für kurzfristige Hilfen, Wohnungen und langfristig neuen Perspektiven auf ein Dach über dem Kopf“, sagte der Landesverbandsvorsitzende Klaus Wicher. Am Dienstag war ein Mann tot vor einem Zelt auf der Lombardsbrücke gefunden worden. Es gebe keine Hinweise auf Fremdeinwirkung oder Suizid, sagte eine Polizeisprecherin. Es liege nahe, dass der 59-Jährige obdachlos war. Klaus Wicher sagte: „Ich finde es sehr tragisch, dass die Hilfe, die die Stadt diesen Menschen zukommen lässt, viele offensichtlich gar nicht erreicht. Immer wieder hören wir, dass nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer im Winter nicht in die Sammelunterkunft gehen wollen.“ Sie fühlten sich dort nicht sicher, weil die Atmosphäre von Alkohol und Gewalt geprägt sei, viele hätten Angst vor Diebstahl ihrer wenigen Habseligkeiten. Es könne aber keine Alternative sein, so Wicher, „in eisiger Kälte auf der Straße zu schlafen und zu riskieren, dabei zu erfrieren“. Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) soll nach Einschätzung des Sozialverbands vor allem das Thema Sammelunterkünfte neu bewerten. „Diese Idee, viele Menschen an einem Ort eine Übernachtungsmöglichkeit (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article695e30219c2c98991fda3147/winternotprogramm-bis-mindestens-montag-hamburg-reagiert-auf-kaelte-mit-obdachlosenhilfe-rund-um-die-uhr.html) anzubieten, stammt aus meiner Sicht aus alten Zeiten, wo Obdachlosigkeit vor allem männlich geprägt war“, sagte Wicher. Dieser Blickwinkel auf das Thema sei „stark veraltet und nicht mehr zeitgemäß“.