Als sich im März 2025 bei den Bürgermeisterwahlen im brandenburgischen Zehdenick Alexander Kretzschmar mit deutlichem Vorsprung gegen den AfD-Kandidaten durchsetzte, lagen alle Hoffnungen auf dem parteilosen Kandidaten. „Ich kann es kaum erwarten, das Amt zu übernehmen. Kurz durchschnaufen und dann geht es los“, ließ sich Kretzschmar da noch zitieren (verlinkt auf https://www.maz-online.de/lokales/oberhavel/zehdenick/buergermeisterwahl-in-zehdenick-alexander-kretzschmar-gewinnt-vor-rene-stadtkewitz-die-stichwahl-5772CG2CBJDKZIWIU4JQBKXEGI.html) . Denn das 14.000 Einwohner zählende Zehdenick – rund 60 Kilometer von Berlin entfernt – hatte bis dahin nicht unbedingt ein glückliches Händchen bei der Wahl der Bürgermeister gehabt. Schon Kretzschmars Vorgänger war mehrere Monate krankgeschrieben, schließlich trat er zurück. Kretzschmar, ein Polizist, versprach der Stadt mehr Angebote für Kinder und Jugendliche, aber auch eine Modernisierung der Verwaltung. Doch auch dieses Mal wurden die Bürger enttäuscht, weshalb die 18 Stadtverordneten in einer Sondersitzung einstimmig ein Abwahlverfahren einleiteten, wie die „Bild“-Zeitung berichtet (verlinkt auf https://www.bild.de/regional/brandenburg/nie-da-buergermeister-elf-tage-arbeit-acht-jahre-gehalt-692f01a18e5be81710cb7dcf) . Der Grund: Der 47-Jährige hatte sich nur elf Tage nach Amtsantritt krankgemeldet – und gilt seitdem als dienstunfähig. „Man hört immer nur, dass der Bürgermeister wieder krankgeschrieben ist, wieder nicht da ist, und das ist für so eine Stadt problematisch, wenn der gewählte Bürgermeister nicht im Amt ist“, erklärte Rainer Merker von einer Bürgerinitiative, die Unterschriften für eine Abwahl sammelte. Diese Entscheidung könnte für die Gemeinde ziemlich teuer werden. Denn anders als seine beiden Vorgänger, die ihre Ämter ebenfalls vorzeitig niederlegten, nutzte Kretzschmar nicht die gesetzlich vorgesehene siebentägige Frist für einen freiwilligen Rücktritt. Laut Stadtsprecher André Ullmann muss deshalb ein Bürgerentscheid durchgeführt werden, dessen Kosten er mit 13.000 bis 14.000 Euro beziffert. Außerdem habe Kretzschmar laut „Bild“ Anspruch auf Versorgungsbezüge bis zum regulären Ende seiner Amtszeit 2033: zunächst drei Monate volles Gehalt, anschließend fünf Jahre lang 71,75 Prozent der Endstufe der Besoldungsgruppe A16. Nach Angaben der Zeitung entspricht dies derzeit 8663 Euro monatlich. Bürgermeister spricht von „Falschbehauptungen“ Kretzschmar hatte gegenüber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ) den Eindruck zurückgewiesen, er wolle auf Kosten der Stadt finanzielle Vorteile erzielen. Er habe „alles getan, um schnell gesund zu werden“, zitiert ihn die Zeitung. Ein medizinisches Gutachten vom August habe eine positive Prognose gestellt, wonach ein Wiedereinstieg ins Amt in einigen Wochen möglich gewesen sei, sagte Kretzschmar. Da dies im Abwahlbeschluss nicht berücksichtigt worden sei, lehne er einen freiwilligen Rücktritt ab. Er spricht laut „Bild“ von „Falschbehauptungen“ und dem „Weglassen von Tatsachen“. Bereits im August 2024 war der damalige Bürgermeister Lucas Halle zurückgetreten, der einst als jüngster Bürgermeister in Deutschland angetreten war. Der SPD-Politiker hatte bei Instagram zu seinem sofortigen Rückzug erklärt: „Momentan habe ich leider nicht die nötige Kraft, um die Stadt so zu vertreten, wie es in diesen herausfordernden Zeiten erforderlich ist.“ Der Schritt sei die schwerste Entscheidung seines bisherigen Lebens und breche ihm das Herz. Zuvor war er ebenfalls mehrere Monate krankgeschrieben gewesen. Der Bürgerentscheid über die Zukunft von Alexander Kretzschmar soll nun am 25. Januar 2026 stattfinden.