Welt 20.01.2026
14:31 Uhr

Nach Provokations-Feuerwerk von Trump – EU-Staatenlenker teilen gegen US-Präsidenten aus


Diplomatie, nein danke: US-Präsident Trump macht keinen Hehl aus seinen Besitzansprüchen auf Grönland. Mit Fotomontagen und provokanten Leaks untermauert er seine Annexionsfantasien weiter. Bei Treffen in Davos wird aber auch verhandelt, beruhigte der US-Finanzminister.

Nach Provokations-Feuerwerk von Trump – EU-Staatenlenker teilen gegen US-Präsidenten aus

Der Konflikt um Grönland beherrscht auch zum Start des Weltwirtschaftsforums in der Schweiz weiter die Schlagzeilen. Vor der mit Spannung erwarteten Rede von Donald Trump in Davos am Mittwoch stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Vertrauenswürdigkeit des US-Präsidenten infrage. Hintergrund ist die Ankündigung des Republikaners, wegen ihres Widerstands gegen eine US-Übernahme Grönlands vom 1. Februar an Strafzölle in Höhe von zunächst zehn Prozent gegen acht europäische Länder zu verhängen. Alle Entwicklungen zur Grönland-Krise lesen Sie in unserem Liveticker (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article696dc157cb02badbe0a0e94e/groenland-weg-fuer-groenland-finden-trump-veroeffentlicht-vertrauliche-sms-von-macron-und-rutte-liveticker.html) . Trump habe 2025 zugestimmt, keine weiteren Zölle gegen EU-Mitgliedsstaaten zu erheben, sagte von der Leyen am Dienstag in Davos. Trumps Zolldrohungen wegen Grönland seien „ein Fehler, besonders zwischen langjährigen Verbündeten“. Die Reaktion der EU auf die Zölle werde „unerschütterlich, geeint und verhältnismäßig“ sein. Zugleich betonte sie, dass man die Menschen in den USA nicht nur als Verbündete, sondern als Freunde betrachte. Emmanuel Macron beklagte in seiner Rede eine Verschiebung in eine „Welt ohne Regeln“: „Wir treten in eine Zeit der Instabilität“, sagte der französische Präsident in Davos. Ohne Zusammenarbeit werde es nur noch Wettbewerb geben. Das ziele darauf ab, zu schwächen. „Das ist einfach nicht akzeptabel, besonders, wenn sie verwendet werden gegen territoriale Souveränität“. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rief zur Standhaftigkeit auf. Die EU werde an ihrer Position festhalten, sagt Kallas in Straßburg. Die Antwort müsse lauten: Ruhe bewahren, standhaft bleiben ‍und gemeinsam handeln. Die angedrohten Zölle auf Waren aus europäischen Ländern würden den Wohlstand sowohl der EU als auch der USA gefährden, unterstreicht Kallas. Die geostrategische Bedeutung Grönlands habe zugenommen. Die Nato sei gut geeignet, mit der Sicherheit der Insel umzugehen. „Kein Land hat das Recht, das Territorium eines anderen zu übernehmen – weder in der Ukraine noch in Grönland“, fügte sie hinzu. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte vor dem Parlament, sie werde nicht über Souveränität, Identität, Grenzen und Demokratie verhandeln. Das sei eine Frage der Weltordnung. „Das Schlimmste liegt möglicherweise noch vor uns.“ Wenn jemand einen Handelskrieg mit Europa beginne, dann werde man natürlich reagieren, erklärt Frederiksen. News-Feuerwerk auf Truth Social Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die Verbündeten mit widersprüchlichen Nachrichten vor den Kopf gestoßen. Unter anderem hatte der US-Republikaner mit einer Fotomontage provoziert, laut derer er neben Grönland offenbar auch Kanada unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will. Auf seiner Online-Plattform Truth Social hatte Trump zwei Fotomontagen veröffentlicht: Auf einem der Bilder (verlinkt auf https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115925888562624963) wird Trump im Oval Office mit europäischen Staats- und Regierungschefs und einem Plakat gezeigt, auf dem neben den USA auch Venezuela, Grönland und Kanada in US-Flagge dargestellt werden. In der Vergangenheit hatte Trump bereits mehrfach öffentlich mit dem Gedanken gespielt, Kanada unter US-Kontrolle zu bringen. So solle das Nachbarland Teil der Vereinigten Staaten und der „51. Bundesstaat“ werden. Der kanadische Premierminister Mark Carney hatte Trumps territorialen Ambitionen vergangenen Mai eine klare Absage erteilt. Bei dem Originalbild hatten sich unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der britische Premierminister Keir Starmer und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im August mit Trump im Oval Office getroffen und über Lösungen im Ukraine-Krieg gesprochen. Vertrauliche SMS-Nachrichten geleakt Auf einem zweiten von Trump am Dienstag geteilten Foto (verlinkt auf https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115925897257210763) ist der US-Präsident bei der Eroberung Grönlands dargestellt. Auf einem Schild ist „Grönland – US-Territorium, gegründet 2026“ zu lesen. Neben Trump sind auch US-Vizepräsident J.D. Vance und US-Außenminister Marco Rubio zu sehen. Kurz vor dem Treffen in Davos postete Trump auf Truth Social auch mehrere, offenbar vertrauliche SMS-Nachrichten (verlinkt auf https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115926107400617491) . In der Nachricht von Nato-Generalsekretär Mark Rutte heißt es wörtlich: „Herr Präsident, lieber Donald, was Sie in Syrien erreicht haben, ist unglaublich. Ich werde meine Medienauftritte in Davos nutzen, um Ihre Arbeit dort, in Gaza und in der Ukraine hervorzuheben. Ich bin entschlossen, einen Weg für Grönland zu finden. Ich freue mich darauf, Sie zu sehen. Mit freundlichen Grüßen, Mark“. Gleichzeitig publizierte Trump auch eine private Textnachricht von Emmanuel Macron, in der der französische Präsident ein G-7-Treffen zur Bewältigung des Ukraine-Krieges in Paris vorschlägt. Darin bietet Macron an, für Donnerstagnachmittag zu einem Treffen der sieben führenden westlichen Industrienationen in Paris einzuladen. Er schlug auch vor, Vertreter der Ukraine, Dänemarks, ⁠Syriens und Russlands ⁠dazu zu laden. Weiter heißt es in der Textnachricht, er verstehe nicht, was Trump „in Sachen Grönland mache“. Zudem lud Macron Trump für Donnerstag zu einem Abendessen ein. US-Finanzminister Scott Bessent versuchte am Dienstag, die Spannungen herunterzuspielen. Er rief die Handelspartner der USA am Dienstag auf, tief durchzuatmen und die Angelegenheit ihren Lauf nehmen zu lassen. „Ich denke, unsere Beziehungen waren nie enger“, sagte er über das Verhältnis zwischen den USA und Europa. Bessent warnte zugleich davor, gegenüber Washington die Eskalation zu suchen. Die Drohungen Trumps zu Grönland unterschieden sich stark von anderen Handelsabkommen, erklärte er. „Also würde ich an alle Länder appellieren, an ihren Handelsabkommen festzuhalten.“