Welt 06.02.2026
13:08 Uhr

Nach Gewalt auf Schulhof – Behörde wirft zwei strafunmündige Kinder für sechs Monate von der Schule


Die Gewalt an mehreren Schulen in Cottbus hat Konsequenzen: Nach den Winterferien werden Schüler aus dem regulären Unterricht genommen, stattdessen gibt es „schulersetzenden Maßnahme“. Auch externe Lerngruppen für schwierige Kinder sollen helfen.

Nach Gewalt auf Schulhof – Behörde wirft zwei strafunmündige Kinder für sechs Monate von der Schule

N ach diversen Gewalttaten an Schulen in Cottbus kommen nach den Winterferien in der kommenden Woche auf einige Kinder Sanktionen zu. Wie Stadt und Land am Donnerstag mitteilten, werden zwei Kinder, die besonders auffällig wurden, aus der Schule genommen. Sie sollen sechs Monate in einer „schulersetzenden Maßnahme“ tagsüber unterrichtet und betreut werden. Auch ein Training „sozialer Kompetenzen“ sei damit verbunden. „Die nicht strafmündigen Kinder waren mehrfach an gewalttätigen und verbalen Auseinandersetzungen in der Schule, auf dem Schulhof sowie im Wohngebiet beteiligt“, heißt es wörtlich in der Mitteilung, die auch WELT vorliegt. Die Eltern beider Kindern hätten sich mit der Verfahrensweise einverstanden erklärt. Sie ist zunächst auf sechs Monate angesetzt. „Die Arbeit mit den Familien ist ein wichtiges Element, um auf das Sozialverhalten von Kindern einzuwirken“, schreibt die Stadt Cottbus. Weitere Details (darunter auch Alter, Namen und Nationalität) werden aus Gründen von Persönlichkeitsrechten und des Kinderschutzes nicht mitgeteilt. Mehr Personal für die betroffene Grundschule Ferner heißt es in der Mitteilung der Stadt Cottbus, dass die betroffene Grundschule personell verstärkt wird: Die Position der stellvertretenden Schulleitung wurde nach langer Vakanz wieder vergeben und eine erweiterte Schulleitung gebildet. Außerdem startet nach den Winterferien die erste von zwei Lerngruppen für auffällige Schüler, wie Stadt und Land ankündigten. Sie sollen außerhalb des Schulstandortes die Arbeit aufnehmen. Zunächst sei eine Lerngruppe für sechs Kinder der Jahrgangsstufe 6 gebildet worden. Eine Lerngruppe für Kinder der Jahrgangsstufe 4 sei in Vorbereitung. Im Januar hatte der Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) noch erklärt „Aber ganz klare Ansage: Wenn die wieder gewalttätig sind, dann werden sie aus der Familie und aus dieser Stadt genommen“. Viele Eltern seien mit der Erziehung überfordert. Probleme gibt es in Cottbus vor allem an der Regine-Hildebrandt-Grundschule und im Stadtteil Sachsendorf, auch WELT hatte berichtet. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article693c1e4c840050c4769111b1/cottbus-grosse-angst-bei-vielen-kindern-eltern-berichten-von-gewalt-an-grundschule.html) Körperliche Angriffe, Drohungen und Erpressungen Die Vorfälle waren jüngst auch Thema in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt in Südbrandenburg. Unter anderem die „Lausitzer Rundschau“ (verlinkt auf https://www.lr-online.de/lausitz/cottbus/gewalt-an-schule-in-cottbus-stadt-ergreift-drastische-massnahmen-gegen-intensivtaeter-78610475.html) berichtete über die Aussprache, die Ende Januar 2026 stattfand. Unter anderem eine Sprecherin des Kreiselternrates hatte dort noch einmal Rückschau gehalten und von körperlichen Angriffen, Drohungen und Erpressungen berichtet. Es habe im Schulumfeld auch Fälle gegeben, in denen „schon Achtjährige mit Messern, Pfefferspray und Fäusten“ aufeinander losgegangen seien, wird sie von der Zeitung zitiert. Publik wurde das Thema überhaupt erst, weil Eltern der Grundschule im Dezember 2025 einen offenen Brief veröffentlicht hatten, in dem auf wiederholte Gewaltvorfälle aufmerksam gemacht wurde. „Viele unserer Kinder gehen inzwischen mit großer Angst und typischen Symptomen wie Bauchschmerzen in die Schule, erzählen von Angst vor bestimmten Wegen, vor einzelnen Gruppen von Mitschülern und davor, etwas zu sagen und dafür bestraft zu werden“, hieß es in dem Schreiben, das auch auf der Webseite von „Radio Cottbus“ dokumentiert wird. (verlinkt auf https://www.radiocottbus.de/lausitz-news/2025/12/11/gewalt-an-cottbuser-grundschule-eltern-gehen-an-die-oeffentlichkeit/) Thematisiert wurden auch problematische Familienverhältnisse bei den noch jungen Aggressoren, sowie Sprachbarrieren aufgrund einer Migrationsgeschichte. „Immer mehr Kinder möchten nicht mehr allein zur Schule gehen oder den Heimweg antreten, sondern wollen von uns gebracht und wieder abgeholt werden, weil sie sich allein nicht sicher fühlen. Ein Kind wurde derart heftig angegriffen, dass Rippenprellungen und eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurden“, schrieben die Elternvertreter der Regine-Hildebrand-Grundschule damals weiter.