Im Zweiten Weltkrieg dienten die Bomber vom Typ B-17 als Rückgrat der United States Army Air Forces (USAAF). Wegen ihrer starken Bewaffnung und guten Flugeigenschaften galten die viermotorigen Maschinen als „Fliegende Festungen“ (Flying Fortresses), die vor allem bei Tagangriffen auf deutsche Städte eingesetzt wurden. Aber sie waren auch verwundbar. Man schätzt, dass etwa 4700 Flugzeuge durch Flakfeuer, feindliche Jäger oder technische Schäden verloren gingen. Ein Bomber-Wrack wurde jetzt bei Bauarbeiten in der Nähe von Norderney in der Nordsee entdeckt (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article69a8244d563ae9c42dea419d/wrack-von-us-bomber-in-der-nordsee-entdeckt.html) . Bei Sondierungen für den Bau einer Offshore-Konverterplattform stießen Spezialisten für Kampfmitteluntersuchungen bereits im Sommer 2025 auf die Überreste der Maschine. Sie lägen 43 Kilometer nördlich der Insel in 35 Metern Tiefe etwa 260 Meter von dem geplanten Bauwerk entfernt, teilten der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Netzbetreiber Amprion (verlinkt auf https://www.amprion.net/) mit. Dieser errichtet die Konverterplattform DolWin delta, mit der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt, für das Offshore-Stromkabelsystem DolWin4. Amprion beauftragte Rheinmetall Project Solutions (verlinkt auf https://www.rheinmetall.com/de/unternehmen/tochtergesellschaften/rheinmetall-project-solutions/ueber-uns) – ein Tochterunternehmen des Düsseldorfer Unternehmens – mit der Untersuchung des Wracks. Zunächst wurden mit einem Elektromagnetometer die Lage und das Ausmaß des Wracks kartiert. Danach wurde das Objekt Schritt für Schritt frei gespült. Das Wrack lag unter einer 1,5 Meter dicken Schicht aus Sand, Sediment und Schlick. Es sei nicht gehoben worden, lediglich kleinere Teile seien zur Begutachtung an die Oberfläche geholt worden, sagte ein Rheinmetall-Sprecher. Da es sich um eine Maschine der US-Streitkräfte handelte, wird die Untersuchung von einer spezialisierten Behörde des US-Kriegsministeriums begleitet. Experten konnten die Bombenkammer lokalisieren. Über die geöffneten Luken ließ sich der Innenraum der Kammer freilegen und überprüfen. „Es befanden sich keine Bomben mehr an Bord des Wracks“, teilte der Sprecher mit. Auch menschliche Überreste seien nicht gefunden worden. Die zuständigen US-Behörden behielten sich jedoch weitere Untersuchungen vor, um möglicherweise die Identität des Flugzeugs und damit seinen letzten Einsatz zu ermitteln. Offensichtlich befand sich der Bomber auf dem Rückflug zu seiner Basis im Süden Englands. Ursprünglich war die B-17 Mitte der 1930er (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article201355152/Fliegende-Festungen-B-17-Bomber-im-Luftkrieg-gegen-deutsche-Staedte.html) als Fernbomber für Einsätze über dem Meer entwickelt worden. Als potenzieller Gegner galt damals vor allem das Kaiserreich Japan, das seit 1931 in China eine expansive Politik (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article200415882/Mukden-Zwischenfall-Die-Bombe-die-den-Krieg-gegen-China-eroeffnete.html) verfolgte. Die B-17 verfügte über vier Sternmotoren, die eine maximale Reichweite von rund 7000 Kilometern (ohne Bombenlast) ermöglichten. Spätere Versionen konnten bis zu 5800 Kilogramm Bomben transportieren. Hinzu kam die Munition für bis zu 13 Maschinengewehre, die von einer zehnköpfigen Besatzung bedient wurden. Die maximale Dienstgipfelhöhe von fast 12.000 Metern, die Spitzengeschwindigkeit von fast 500 Kilometern in der Stunde und die immer weiter verbesserte Panzerung machten die B-17 wahrlich zu einer „Fliegenden Festung“, die für Jagdflugzeuge schwer zu attackieren war. Hinzu kam, dass das Flugzeug auch nach schwerem Beschuss noch flugfähig sein konnte, was es vom B-24 Liberator, dem anderen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article118588865/Luftkrieg-In-Ploiesti-Rumaenien-erlebte-die-US-Air-Force-ihr-Desaster.html) viermotorigen Bomber der US Army, unterschied. Um in so großer Höhe operieren zu können, war die Besatzung mit Sauerstoffgeräten und besonderer Schutzkleidung ausgerüstet. Die Overalls konnten elektrisch beheizt werden, darüber trugen die Flieger Panzerwesten gegen Beschuss und Splitter. Da das japanische Mutterland während des Zweiten Weltkriegs außerhalb der Reichweite der B-17 lag, – für den strategischen Luftkrieg im Pazifik wurde die B-29 Superfortress entwickelt (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article125419565/Luftkriegsgeschichte-Die-Schlacht-von-Kansas-um-Amerikas-Superbomber.html) – dienten ihre Exemplare vor allem in der Version G als Rückgrat der amerikanischen Bomberverbände in Europa. Von den 12.700 gebauten Maschinen entfielen 8700 auf diese Baureihe. Während das Bomber Command der Royal Air Force (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article254384608/Luftkrieg-1942-Jedes-Gebaeude-mit-drei-Sternen-im-Baedeker-angreifen.html) die Taktik des Feuersturms entwickelte und wegen der deutschen Abwehr auf Nachtangriffe setzte, gingen die US-Planer davon aus, dass die schwer gepanzerte B-17 zu Angriffen bei Tage in der Lage sein würde. Da 1943 noch keine Fernjäger mit ausreichender Reichweite als Begleitschutz zur Verfügung standen, sollten die Bomber allein und in großer Höhe ins Reichsgebiet eindringen und mit präzisen Zielerfassungsgeräten strategisch wichtige Ziele anzugreifen. Diese Taktik führte zunächst zu schweren Verlusten. Beim Angriff auf die deutschen Kugellagerwerke bei Schweinfurt und die Messerschmitt-Werke in Regensburg gingen im August 1943 von 357 eingesetzten Maschinen 60 verloren, (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article119096357/Luftkrieg-Der-Untergang-der-US-Air-Force-ueber-Schweinfurt.html) 172 wurden zum Teil schwer beschädigt. Bis zur Einführung der neuen Mustang-Fernjäger (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article114927075/Luftkrieg-Der-beste-Jaeger-des-Zweiten-Weltkriegs.html) musste die strategische Bomberdivision der 8. US-Luftflotte ihre Tagesangriffe einstellen. Ab 1944 legten die Großangriffe der „Fliegenden Festungen“ viele deutsche Städte in Trümmern. Das vor Norderney gefundene Wrack wurde vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in die offiziellen Seekarten aufgenommen. Es soll bei der weiteren Planung des Offshore-Projektes und der Kabelverlegung berücksichtigt werden. Die Entscheidung, ob das Wrack in den kommenden Jahren noch geborgen werden soll, liege bei den US-amerikanischen Behörden, erklärte ein Sprecher von Amprion. Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/berthold-seewald/) mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Archäologie zu seinem Arbeitsgebiet.