Welt 20.01.2026
21:11 Uhr

Millionen verschoben – Brüder im Fokus der Hamburger Drogenfahnder


Zwei Brüder stehen im Verdacht, als Teil einer Bande Drogengelder angenommen und für neue Deals und Wertgegenstände „gewaschen“ zu haben. Ermittler gehen von mindestens 96 Geldtransfers aus – mehr als 2,9 Millionen Euro sollen in wenigen Wochen weitergeleitet worden sein.

Millionen verschoben – Brüder im Fokus der Hamburger Drogenfahnder

Hamburgs Ermittler gegen Organisierte Kriminalität haben im Stadtteil Bahrenfeld einen weiteren Schlag gegen mutmaßliche Strukturen im Kokainhandel geführt. Einsatzkräfte der Polizei vollstreckten am Montag Durchsuchungsbeschlüsse gegen zwei Tatverdächtige. Die beiden 21-jährigen deutschen Staatsangehörigen stehen nach Angaben der Polizei im Verdacht, als Mitglieder einer Bande Drogengelder transferiert zu haben. Gegen einen der Männer erließ eine Haftrichterin am Dienstag Haftbefehl, er sitzt nun in Untersuchungshaft. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein offenbar professionell organisierter Geldfluss, der dem Handel mit Betäubungsmitteln zugerechnet wird. Nach derzeitigem Stand sollen die beiden Verdächtigen – nach WELT-Informationen handelt es sich um Brüder – in kurzer Zeit erhebliche Summen entgegengenommen und an Dritte weitergeleitet haben. Dabei soll es sich teils um bislang noch unbekannte Personen handeln. Das Geld habe nach Einschätzung der Ermittler dazu gedient, weitere Drogengeschäfte zu finanzieren oder Wertgegenstände anzuschaffen. Die Hintergründe reichen nach Angaben der Polizei deutlich weiter zurück. Ermittlerinnen und Ermittler des Drogendezernats (LKA 62) hatten bereits im September 2024 drei mutmaßliche Drogendealer vorläufig festgenommen. Der Verdacht damals: Handel mit Betäubungsmitteln in größerem Umfang. Die aktuellen Durchsuchungen seien aus den anhaltenden, umfangreichen Ermittlungen in diesem Komplex hervorgegangen. Schon im Januar 2025 geriet zudem ein weiterer Verdächtiger ins Visier: ein damals 29-jähriger Deutscher. Ihm wird vorgeworfen, als Teil einer im Hintergrund agierenden Gruppe tätig gewesen zu sein und logistisch bei der Einfuhr und dem Handel mit Kokain beteiligt gewesen zu sein – im mindestens dreistelligen Kilogrammbereich. Die Polizei durchsuchte daraufhin mehrere Objekte im Stadtteil Rothenburgsort und nahm den Mann vorläufig fest. Nach Abschluss der Maßnahmen wurde er dem Untersuchungsgefängnis zugeführt; eine Haftrichterin erließ Haftbefehl. Hinweis auf ein arbeitsteiliges System Die nun im Fokus stehenden Geldtransfers sollen laut Polizei seit Ende Juli 2025 gelaufen sein. Zwischen Ende Juli und September des vergangenen Jahres seien nach bisherigen Erkenntnissen in mindestens 96 Fällen mehr als 2,9 Millionen Euro entgegengenommen und „zum Großteil“ weitergeleitet worden. Für die Ermittler ist dies ein Hinweis auf ein arbeitsteiliges System: Während die eigentlichen Drogengeschäfte offenbar von anderen Akteuren abgewickelt wurden, sollen die beiden 21-Jährigen die Finanzströme übernommen haben – ein zentraler Baustein zur Aufrechterhaltung einer solchen Struktur. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Hamburg Durchsuchungsbeschlüsse für die Wohnung der beiden Verdächtigen in Bahrenfeld. Bei der Durchsuchung stellten Polizisten mehr als 10.000 Euro Bargeld sowie diverse Beweismittel sicher. Diese würden nun ausgewertet, hieß es. Einer der Tatverdächtigen wurde im Anschluss vorläufig festgenommen und später dem Untersuchungsgefängnis zugeführt, wo am Dienstag Haftbefehl erging. Sein Bruder blieb hingegen auf freiem Fuß – nach Polizeiangaben lägen derzeit keine Haftgründe vor. Die Ermittlungen von LKA 62 und Staatsanwaltschaft dauern an. Weitere Festnahmen schließen die Behörden nicht aus.