Welt 08.02.2026
14:41 Uhr

„Mehrere Schläge gezielt in Richtung des Kopfes“ – Soldat spricht über dramatischen Minuten im Zug


Ein Soldat der Bundeswehr griff noch ein, als der Zugbegleiter bei Landstuhl geschlagen wird. Nun berichtet er, wie die Tat ablief. Zudem meldet sich die Familie des getöteten Serkan Çalar. Sie möchte, dass fortan der volle Name des 36-Jährigen genannt wird.

„Mehrere Schläge gezielt in Richtung des Kopfes“ – Soldat spricht über dramatischen Minuten im Zug

Nach dem tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter Serkan Çalar spricht ein Bundeswehrsoldat über die dramatischen Minuten im Regionalexpress. Er habe versucht, das Leben des 36-Jährigen zu retten. „Ich hatte zu 100 Prozent die Hoffnung, dass er überlebt“, sagt der Soldat T-Online (verlinkt auf https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/menschen-schicksale/id_101117584/zugbegleiter-serkan-c-getoetet-zeuge-spricht-er-hatte-noch-puls-.html) . Als der Zugbegleiter in dem Regionalexpress bei Landstuhl von einem Schwarzfahrer attackiert wird, greift der Bundeswehrsoldat ein. Der 23-jährige Hauptgefreite springt auf, als der Zugbegleiter angegriffen wird (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69830f0cd23aaa4b0d2d751c/von-schwarzfahrer-verpruegelt-zugbegleiter-stirbt-nach-brutalem-angriff-in-regionalexpress.html?icid=search.product.onsitesearch) . „Ich danke dem Bundeswehrsoldaten, der auf dem Zug Erste Hilfe geleistet hat“, hatte auch Bahn-Chefin Evelyn Palla nach der Tat auf LinkedIn geschrieben. Leon, der seinen Nachnamen nicht veröffentlicht sehen möchte, war am Montagabend auf dem Weg zu seiner Kaserne in Zweibrücken, wo er in einem Fallschirmjägerregiment ist. Er habe zwei bis drei Reihen hinter dem 26-jährigen Schwarzfahrer gesessen und das Geschehen „genau im Blick gehabt“. Der Mann sei „von Anfang an sehr aggressiv“ gewesen, habe trainiert ausgesehen und gesagt, „dass er Kampfsporterfahrung hat“. „Mehrere Schläge gezielt in Richtung des Kopfes“ Als der Zugbegleiter den Fahrgast ohne Ticket, nach bisherigen Ermittlungen ein Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg, kontrollierte und mit Polizei sowie einem Verweis aus dem Zug drohte, eskalierte die Situation. „Der Täter setzte mehrere Schläge gezielt in Richtung des Kopfes des Zugbegleiters“, berichtet Leon. „Daraufhin ist der Schaffner zusammengeklappt – direkt auf den Schoß einer jungen Frau.“ Mindestens drei Schläge habe er gezählt. Der Soldat eilte sofort zu dem Verletzten. „Ich habe durch den Zug geschrien, dass mir jemand helfen soll.“ Gemeinsam mit einem weiteren Mann brachte er den Zugbegleiter in die stabile Seitenlage. „Er hatte noch Puls. Ich war die ganze Zeit bei ihm.“ Angst habe er nicht gehabt, sagt Leon, aber: „So eine Situation hatte ich in meinem Leben noch nie.“ Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Homburg verschlechterte sich der Zustand des Zugbegleiters. „Er hatte plötzlich keinen Puls mehr. Seine Augen haben sich geöffnet. Er hat nicht mehr geatmet.“ Er habe mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen wollen, „aber dann kam schon die Polizei“. Erst mit der Todesnachricht zwei Tage später habe er das Geschehen „so richtig realisiert“. „Es war eine absolute Schockmeldung.“ Der 36 Jahre alte Bahnmitarbeiter starb später in einer Klinik an einer Hirnblutung. Der Tat verdächtigt ist ein 26 Jahre alter Mann. Gegen ihn erging ein Haftbefehl wegen Totschlags. Familie möchte, dass der volle Name genannt wird Nach seinem gewaltsamen Tod bat die Familie darum, den vollen Namen von Serkan Çalar zu nennen. „Die Hinterbliebenen von Serkan Çalar trauern um ihn als einen Menschen, Familienvater, Sohn und Bruder, der für seine Familie und sein Umfeld ein fester Anker war, warmherzig, freundlich, ruhig und zuverlässig“, teilten die Anwälte der Familie mit. Der 36-Jährige sei der älteste von fünf Brüdern und alleinerziehender Vater von zwei Kindern gewesen. „Zudem war er aktuell verlobt und freute sich auf die gemeinsame Zukunft und die geplante Hochzeit mit seiner Verlobten. Der Verlust wiegt unermesslich schwer“, teilten die Anwälte im Auftrag der Familie mit. Für die Familie stünden nun zwei Interessen im Vordergrund. Zum einen die vollständige Aufklärung der Abläufe und Hintergründe. „Nur die Wahrheit ermöglicht eine Verarbeitung und kann zur Bewältigung der Trauer\nbeitragen.“ Außerdem müsse am Ende eine spürbare Strafe stehen, die auch eine abschreckende Wirkung entfaltet, damit anderen Familien nicht ähnliches Leid passiert. „Im Laufe des Verfahrens werden voraussichtlich sowohl der Tötungsvorsatz als auch mehrere in Betracht kommende Mordmerkmale zu prüfen sein“, teilten die Anwälte mit. Ein wichtiges Anliegen sei es, das Vorleben der Person umfangreich zu beleuchten, die zu dieser Tat in der Lage gewesen ist. „Daneben erscheint uns auch das vorherige Verhalten des Täters am Tattag von erheblicher Bedeutung, wofür – unter anderem und soweit verfügbar – Videomaterial von den Bahnhöfen, an denen sich der Täter aufgehalten hat, auszuwerten sein wird.“