Welt 06.03.2026
11:39 Uhr

Mann soll sich über Jahre als Arzt ausgegeben und Minderjährige missbraucht haben


Ein 65-Jähriger soll sich in Nordhausen über Jahre als Therapeut ausgegeben haben, ohne eine Zulassung zu besitzen. Nun steht er wegen sexueller Belästigung von Minderjährigen vor Gericht.

Mann soll sich über Jahre als Arzt ausgegeben und Minderjährige missbraucht haben

In Nordhausen muss sich ein 65-Jähriger vor Gericht verantworten, der sich über Jahre hinweg als Arzt und Psychotherapeut ausgegeben haben soll, ohne über eine entsprechende Zulassung zu verfügen. Laut Staatsanwaltschaft soll er in seiner Praxis zahlreiche Patienten behandelt haben, darunter auch Minderjährige. Mehrere Mädchen werfen ihm vor, sie während Psychotherapiesitzungen sexuell belästigt zu haben. Die mutmaßlichen Taten sollen im Rahmen der Sitzungen geschehen sein. Gegen den Mann wurde deshalb Anklage wegen sexueller Belästigung am Amtsgericht Nordhausen erhoben, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen mit. Zuvor hatte der MDR (verlinkt auf https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/nordhausen/nordhausen-falscher-arzt-psychotherapeut-sexuelle-belaestigung-missbrauch-vorwurf-100.html) berichtet. Den MDR-Recherchen zufolge sei Taghi B. zwischen Januar und November 2025 in einer Praxis einer Kinder- und Jugendpsychiaterin als Therapeut aufgetreten und habe dort allein Sitzungen mit Minderjährigen übernommen. Unter den Vorwürfen ist auch der Fall eines neun Jahre alten Mädchens. Die Eltern entbanden die Frauenärztin, die das Kind später untersuchte, von der Schweigepflicht. Die Nordhäuser Gynäkologin Patricia Michaelis sagte dem MDR, das Mädchen habe angegeben, der Beschuldigte habe es während einer Sitzung an Brust und Intimbereich berührt und versucht, mit einem Finger einzudringen. Die Eltern erstatteten daraufhin Anzeige bei der Polizei sowie bei der Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärztekammer. Auch weitere Familien wandten sich an die Behörden. Die Staatsanwaltschaft Meiningen ermittelt außerdem wegen Abrechnungsbetrugs und eines Verstoßes des Heilpraktikergesetzes gegen den Mann. Die Ermittler prüfen, ob der Angeklagte Leistungen mit Krankenkassen abgerechnet hat, obwohl er dazu nicht berechtigt war. Anklage wurde hier bisher nicht erhoben. Der 65-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Vor Gericht muss nun geklärt werden, ob er tatsächlich ohne entsprechende Qualifikation als Therapeut gearbeitet hat und ob es während der Sitzungen zu den mutmaßlichen Übergriffen gekommen ist. Der Angeklagte kam laut MDR in den 1990er Jahren als Asylbewerber mit seiner Frau und zwei Kindern aus dem Iran nach Thüringen.