Welt 06.03.2026
10:13 Uhr

Kondition, Schießen, Material, Führung – wo es im deutschen Biathlon hakt


Die Erfolgsjahre der deutschen Biathleten sind vorbei. Dass es bei den Olympischen Winterspielen nur eine Medaille wurde, kam nicht überraschend. Zwei ehemalige Top-Athleten fordern eine Aufarbeitung, auch zwei Trainer äußern sich zu dem, was jetzt geschieht.

Kondition, Schießen, Material, Führung – wo es im deutschen Biathlon hakt

Nach den mit nur einer Medaille enttäuschenden Olympischen Winterspielen für die deutschen Biathleten (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article6996d3a88523289452134b30/olympia-2026-katastrophale-ausbeute-die-fehler-und-probleme-im-deutschen-biathlon.html) hat Denise Herrmann-Wick eine umfassende Aufarbeitung gefordert. „Grundsätzlich bietet sich nach so einem Zyklus immer an, jeden Stein umzudrehen und wirklich auch in alle Richtungen“, sagte die Biathlon-Olympiasiegerin und ZDF-Expertin. Neben dem eigenen Hinterfragen im gesamten Team und den Strukturen dürfe man auch den Blick auf die anderen Nationen nicht vergessen. „Das ist natürlich ein ganzes Stück Arbeit. Aber da muss man wirklich Vollgas geben“, meinte die 37-Jährige. Bei den Winterspielen in Antholz hatte das deutsche Team mit Bronze in der Mixed-Staffel (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69889217088305faf4ff6ced/olympia-2026-biathlon-bronze-preuss-gehen-im-letzten-schiessen-die-nerven-durch.html) nur eine von 33 möglichen Medaillen geholt. Dazu kamen vier vierte Plätze und fünf weitere Top-Acht-Ränge. „Wir sind dabei, mit den Athleten zu sprechen und unsere Jahresplanung zu überdenken. Wir sind dabei, auch über das Material nachzudenken. Wir sind da auf Ursachenforschung“, sagte Disziplintrainer Jens Filbrich im ZDF. Ein massives Materialproblem sehe er nicht. Aber klar ist, dass in der bisherigen Saison Nationen wie Frankreich und Norwegen auch in diesem Bereich einen teils deutlichen Vorteil hatten. „Das ist ein sehr hartes Geschäft, und unsere Techniker geben alles. Aber schon mit 0,3 oder 0,4 Prozent Laufrückstand ist man heutzutage nicht mehr in der Lage, aufs Podest zu laufen“, sagte der frühere Langläufer Filbrich. Seine ehemalige Langlaufkollegin Herrmann-Wick betonte, dass man beim Material „immer dranbleiben, einfach innovativ bleiben“ müsse. Das gelte nicht nur für Biathlon, sondern übergeordnet im Deutschen Skiverband für alle Sportarten. „Da muss man einfach sehen, dass man nicht den Anschluss an die Weltspitze verliert.“ Mittwoch wird der neue Biathlon-Sportdirektor verkündet Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer sieht viele Bereiche, an denen man arbeiten muss. Das gelte für die konditionellen Stärken („Aber das geht nicht von heute auf morgen“) genauso wie für das Schießen (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article6997416c6e900962941aa71f/olympia-biathlon-blackout-sobald-ich-auf-der-matte-stehe-franziska-preuss-bricht-ihr-schweigen.html) – schnell schießen und treffen. Für Olympiasieger Sven Fischer steht die Verbandsführung in der Pflicht, „damit wir wieder konkurrenzfähig werden. Die Franzosen haben es eindeutig über Jahre nicht nur besser gemacht, sondern neben uns auch weit die Norweger überholt“, sagte der 54-Jährige. Der Nachfolger für den zum Saisonende scheidenden Sportdirektor Felix Bitterling soll am kommenden Mittwoch vorgestellt werden.