Welt 26.02.2026
08:02 Uhr

„Kommt her, Mädels“ – Iris Berben wünscht sich eine Bundespräsidentin


Schauspielerin Iris Berben bewirbt bei „Maischberger“ ihren neuen Kinofilm. Sie fordert mehr politisches Engagement – und wünscht sich endlich eine Bundespräsidentin. Zuvor stritten Journalisten über Donald Trump und die Bundesregierung.

„Kommt her, Mädels“ – Iris Berben wünscht sich eine Bundespräsidentin

Skurril, autokratisch und narzisstisch – so beschrieben mehrere Gäste bei „Maischberger“ die lang erwartete Rede Donald Trumps zur Lage der Nation. Mit 108 Minuten gehörte sie zu den längsten ihrer Art und sorgte auch in Deutschland für Diskussionen. Im Mittelpunkt der Sendung stand dabei weniger die politische Substanz als vielmehr Tonfall und Inszenierung. Die Diskussion verweilte nur kurz bei den USA: Der Ukraine-Krieg, die Reformfähigkeit der Bundesregierung und die „Brandmauer“-Debatte prägten den Abend. Die Kinoempfehlung für den Film „Ein fast perfekter Antrag“ mit Iris Berben beendete den Meinungszuruf. „Letztendlich ist es natürlich die Show eines Narzissten gewesen“, urteilte ZDF-Hauptstadtstudioleiter Theo Koll, gleich zu Beginn über Trumps Rede zur Lage der Nation – als ‚State of Donald Trump‘. Im weiteren Diskussionsverlauf ging es hauptsächlich um die Frage, wie stark der amerikanische Präsident die Institutionen und Machtstrukturen in den Vereinigten Staaten verändere. Auch taz-Journalistin Anna Lehmann zeichnete ein klares Bild: Der „Umbau der USA hin zu einer Autokratie“ sei „im vollen Gange“. Der Tenor der Runde war damit früh gesetzt. Dass die Gewaltenteilung, Medien und Gerichte weiterhin funktionierten, hielt WELT-Journalist Marc Felix Serrao dagegen. Zugleich verwies er auf wirtschaftliche Erfolge Trumps, etwa eine robuste Arbeitsmarktlage und starke Börsenwerte – als einziger Gegenpol bemühte er sich um mehr Sachlichkeit. Beim Thema Zollpolitik drehte sich die Diskussion schnell weg von den Inhalten. Stattdessen ging es um Trumps verbale Angriffe auf die Richter des Supreme Courts, die Teile seiner Zollpolitik für verfassungswidrig erklärt hatten. Die in New York lebende Autorin und Unternehmensberaterin Sandra Navidi, zugeschaltet in die Sendung, fand deutliche Worte. Trump wolle die Macht „in seiner Hand konsolidieren“, sagte sie. Seine Rede habe ein „Abgleiten in die Autokratie“ nicht nur gezeigt, sondern „völlig normalisiert“. Für Investoren entstehe dadurch ein Klima ohne Planungssicherheit. Serrao entschärfte: Scharfe Kritik an Richtern sei in den USA „keine Premiere“. Auch unter Barack Obama habe es Kritik an Richtern gegeben. Für Navidi war das eine „gefährliche Relativierung“. Trumps Angriffe seien von einer Schärfe gewesen, die für sie kaum zu übertreffen sei. „Der Mann, der überhaupt keine Scham besitzt, hat gesagt, diese Richter sollten sich schämen.“ Doch ehe Serrao zum Konter ansetzen konnte, war das Thema nach ungefähr einer Viertelstunde beendet und die Sendung wandte sich der Ukraine zu. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article699bef01ee35d0f0647c4345/ukraine-krieg-selenskyj-verleiht-wadephul-verdienstorden-auszeichnung-wirft-eine-grosse-frage-auf-liveticker.html) Bei Klitschkos Antwort wird es still im Studio Während die Kommentatoren noch über geopolitische Gedankenspiele sinnierten, bot Wladimir Klitschko, Ex-Boxweltmeister und Bruder des Bürgermeisters von Kiew, einen Einblick in die Kriegsrealität. Es gehe nicht um die nächste Urlaubsplanung, sondern um „den Preis der Existenz“. In der Ukraine sei die Meinung zwar gespalten, aber der Wille werde nicht gebrochen. Auf die Frage, was ihm gerade eigentlich noch Hoffnung mache, veränderte sich die Atmosphäre im Studio vollständig. Klitschko hielt seinen Atem an, das Studio war still. „Wir sind in Europa. Wir sind in Berlin. Diese Stadt kennt das sowjetische Imperium. Wir Europäer sollten einfach stärker sein.“ Mit dem „Blut der Ukraine“ verteidigten sie die europäischen Werte, wie er weiter ausführte. „Weil das Böse kommt.“ Sein Appell an das Berliner Studio sollte ein Weckruf gegen die europäische Trägheit sein. Neben Fragen zu seiner Einschätzung von Donald Trump und Viktor Orbán wurde Klitschko auch auf ein Video angesprochen, das ihn kürzlich in den sozialen Medien beim Training im Boxring zeigte. Auf die Frage nach einem Comeback zum Boxen antwortete er: „Ich habe nur ein Comeback in meinem Kopf. (…) das Comeback von russischen Truppen zurück nach Russland.“ Groß diskutiert wurde, ausgehend von der geplanten Reform des Heizungsgesetzes (verlinkt auf https://www.welt.de/finanzen/plus699dfce0cfca786c686c9aac/oel-und-gas-haben-eine-zukunft-das-bedeutet-das-neue-heizungsgesetz-mit-bio-treppe.html) , die Frage nach der Reformfähigkeit der aktuellen Regierung. Darum, ob Union und SPD überhaupt den „politischen Mut“ für größere Reformen aufbringen. Skepsis überwog: Große Baustellen bei Rente, Klima oder der Einigung zur Schuldenbremse wurden kurz angeschnitten. Während Koll die Reformschwäche auch den Erwartungen der Wähler zuschrieb, sah Serrao die Ursachen in der langjährigen Regierungsverantwortung beider Parteien. Schnell drehte sich der Meinungszuruf, wieder mal, um die „ Brandmauer (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article699fe261457c5afd864e9683/sachsen-anhalt-cdu-abgeordnete-kritisiert-brandmauer-und-zeigt-sich-offen-fuer-zusammenarbeit-mit-afd.html) “. Ausgangspunkt: Serrao argumentierte, es sei für die AfD leicht, die mangelnde Reformfähigkeit der Regierung zu kritisieren, solange sie selbst nicht in politische Verantwortung eingebunden sei. Streitpunkt war die Frage, ob extremistische Positionen der Linkspartei mit Positionen der AfD vergleichbar seien. Lehmann wies diesen Vergleich entschieden zurück und betonte den grundsätzlich antidemokratischen Charakter der AfD. „Das überrascht mich nicht“, entgegnete Serrao unmittelbar. Alle Kommentatoren waren sich dann aber einig, dass eine Kooperation der CDU mit der AfD die CDU „zerreißen“ würde. Iris Berben wünscht sich eine Bundespräsidentin Zum Abschluss kam das groß angekündigte, vorab aufgezeichnete Gespräch mit Schauspielerin Iris Berben. Neben Werbung für ihren neuen Kinofilm „Ein fast perfekter Antrag“ sprach die Schauspielerin über Frauenbilder und gesellschaftliche Entwicklungen – und durfte schließlich auch noch die Diagnose für die Demokratie stellen, es sei bereits „nach zwölf“. Berben blickte auf ihren eigenen Lebensweg als Frau zurück, von der Internatszeit bis zu ihrem ursprünglichen Traum, Jura zu studieren – als „Kämpferin für die Gerechtigkeit“. Es ging um die Rolle der Frau und gesellschaftliche Erwartungen. Rückblickend auf Zeiten, in denen Frauen ihre Männer noch fragen mussten, ob sie arbeiten durften, sagte Berben, Frauen hätten „aus einem Korsett raus“ gewollt – verbunden mit dem Wunsch nach „einem anderen Frauenbild“. Mit Blick auf die USA zeigte sich Berben irritiert über politische Entwicklungen und erklärte, es sei für sie „unfassbar“, dass so viele Frauen Donald Trump gewählt hätten, trotz seiner Haltung gegenüber Frauen. „Sind es Vereinfachungen, die sich Menschen wünschen?“, fragte sie sich. „Ich glaube, es ist wirklich eine Gesellschaft gefragt (...) sich einzubringen“, appellierte sie für Deutschland. Über den Erfolg der AfD äußerte sie Unverständnis. Die öffentliche Debatte sei verroht, es werde „nur noch irgendwie mit Schlagworten um sich geworfen“, statt miteinander zu diskutieren. Ihr Appell: Man müsse mehr ins Gespräch kommen und andere Meinungen auch aushalten können. „Es ist nicht dieses Entweder-Oder.“ Abschließend fragte Maischberger, ob es nicht Zeit für eine Bundespräsidentin sei. Berben hatte für die SPD an der Bundesversammlung teilgenommen und Frank-Walter Steinmeier unterstützt. „Es ist viel Zeit für viele Frauen, für ganz viele Frauen, die in die Ämter sollen“, antwortete Berben und erntete Applaus des Publikums. „Solange wir das einfordern müssen, ist ja immer noch keine Normalität da.“ Berben schloss salopp mit einem Appell: „Kommt her, Mädels, macht es!“