Welt 03.02.2026
05:42 Uhr

„Klar, dass bis Dezember nicht alles fertig werden kann“ – Kanzleramtschef dämpft Reformerwartung


Friedrich Merz‘ Kanzleramtsminister Frei verspricht, dass bis Ende dieses Jahres erste große Sozialreformen umgesetzt sein werden, will aber die Erwartungen der Bevölkerung an das Reform-Tempo senken. Einen besonderen Fokus will er auf das Renten-System legen.

„Klar, dass bis Dezember nicht alles fertig werden kann“ – Kanzleramtschef dämpft Reformerwartung

Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) hat die Erwartungen für große Reformprojekte in diesem Jahr gedämpft. Die Bundesregierung wolle zwar bis zum Ende des Jahres „die ersten großen Sozialreformen umgesetzt haben“, sagte Frei dem „Tagesspiegel“ (Dienstagsausgabe). „Klar ist aber auch, dass bis Dezember nicht alles fertig werden kann“, fügte er hinzu. Bei den Reformen werde die Rente (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article697e08b3c1917271faede742/kevin-kuehnert-800-euro-pension-fuer-vier-jahre-im-parlament-das-finde-ich-skandaloes.html) priorisiert werden, erklärte der Kanzleramtschef. Alle Reformen, die sich die Koalition vorgenommen habe, würden „so schnell wie möglich“, aber in jedem Fall bis zum Ende der Legislaturperiode umgesetzt werden. Frei fügte hinzu: „Manche Kommissionsvorschläge sind sehr schnell umsetzbar, andere brauchen einen etwas längeren Vorlauf.“ Eine große Steuerreform ist dagegen laut Frei nicht notwendig. „Der Koalitionsvertrag lässt uns Spielräume, um auf veränderte Bedingungen zu reagieren“, sagte er. „Da müssen wir nicht neu verhandeln.“ Kritisch äußerte der Kanzleramtschef sich dagegen über den Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels zur Einschränkung des Rechts auf Teilzeit. „Dem Politikverständnis der CDU ist es völlig fremd, den Menschen sagen zu wollen, wie sie ihr Leben zu führen haben“, sagte Frei. In einem vor knapp einer Woche bekannt gewordenen Antrag für den CDU-Parteitag mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article697e9e3bf0e62064809e0a21/wir-haben-andere-probleme-die-deutschen-sind-nicht-faul-karl-josef-laumann-weist-lifestyle-teilzeit-vorstoss-zurueck.html) “ fordert die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) wegen des Fachkräftemangels eine Reform: Der Rechtsanspruch solle künftig „nur bei Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“, das könnten Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildungen sein. Alles andere müsse ausgehandelt werden. Der CDU-Wirtschaftsflügel löste damit eine Welle der Kritik aus, parteiintern vor allem wegen der Wortwahl. Die Bundesvorsitzende der MIT, Gitta Connemann (CDU), hat sich mittlerweile gegenüber dem „Tagesspiegel“ von der ursprünglichen Wortwahl des Antrags distanziert. „Die Überschrift unseres Antrags hätte besser eine andere sein sollen, weil dieses Wort eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema Teilzeit ganz offensichtlich erschwert hat“, sagte sie dem „Tagesspiegel“: „Und das bedaure ich.“