Welt 23.11.2025
15:55 Uhr

Kirche prangert „Normalisierung antifeministischer Haltung“ bei jungen Männern an


Die Diakonie Hamburg identifiziert einen zunehmenden Antifeminismus unter Jugendlichen. Er zeige sich besonders in der Anziehungskraft der Influencer aus der sogenannten „Manosphere“.

Kirche prangert „Normalisierung antifeministischer Haltung“ bei jungen Männern an

Die Diakonie Hamburg hat vor einem wachsenden Antifeminismus unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen gewarnt. In Präventionsworkshops des Projekts „FairLove“ an Schulen und in Beratungsgesprächen mit Betroffenen der sogenannten Loverboy-Methode berichteten Fachkräfte zunehmend von jungen Männern, die sich mit Influencern aus der „Manosphere“ identifizieren. Diese propagierten in sozialen Netzwerken stereotype Geschlechterrollen, stilisierten Männer als vermeintliche „Opfer“ der Gleichberechtigung und verharmlosten oder rechtfertigten Gewalt gegen Frauen. „Manosphere“ ist ein Sammelbegriff für Online-Communitys, Blogs und Foren, in denen es um „Männlichkeitscoaching“ geht, in denen aber auch offen frauenfeindliche Haltungen vertreten werden. Offizielle Statistiken bestätigen laut Diakonie diese Tendenz. Die Diakonie beruft sich auf das aktuelle Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6920438eb524e0ce7f1c3b2b/gewalt-gegen-frauen-nimmt-dramatisch-zu-nicht-deutsche-deutlich-ueberrepraesentiert-so-dobrindt.html) . Demnach verzeichneten frauenfeindliche Straftaten im Jahr 2024 erneut einen hohen Anstieg (plus 73 Prozent). Ebenfalls stiegen die Zahlen von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung, Sexualstraftaten und häuslicher Gewalt. Aus Sicht der Diakonie besteht hier ein Zusammenhang: „Diese Normalisierung antifeministischer Haltungen führt dazu, dass Grenzen zunehmend überschritten werden – verbal und manchmal auch mit Taten“, sagte Landespastorin Annika Woydack. Die Aufklärungs- und Präventionsarbeit für junge Männer müsse gestärkt und geschlechtersensible Bildung konsequent gefördert werden, forderte die Diakoniechefin.