Welt 02.01.2026
04:45 Uhr

Kantonsregierung vermutet „Flashover“ als Grund für Brandtragödie


Mindestens 40 Tote, viele Verletzte: Behörden und Experten rätseln, warum sich der Brand in einer Bar in Crans-Montana so rasch ausbreitete. Die Kantonsregierung des Wallis geht von einem „Flashover“ aus.

Kantonsregierung vermutet „Flashover“ als Grund für Brandtragödie

Über die Brandursache bei der Silvesterparty-Tragödie in Crans-Montana (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69561361f6fc544dba9b8ff6/crans-montana-dutzende-tote-bei-explosion-waehrend-neujahrs-party-in-schweizer-skiort.html) in der Schweiz gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Es kursiert aber eine Theorie, wieso so viele Menschen starben und nicht flüchten konnten. Die Kantonsregierung des Wallis schrieb in einer Mitteilung von einem „Flashover“ in der Bar, nannte aber keine Quelle für diese These. „In der Silvesternacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2026 kam es in der Bar ‚Le Constellation‘ in Crans-Montana infolge eines Brandes zu einem Flashover, der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte und zahlreiche Tote und Verletzte forderte“, hieß es in der Mitteilung des Staatsrats (der Regierung des Kantons). Die ermittelnde Staatsanwältin Beatrice Pilloud sagte später lediglich, der gesamte Raum habe Feuer gefangen und das habe zu einer Explosion geführt. Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erklärte im ARD-„Brennpunkt“ das Phänomen „Flashover“ als ein „kleines Brandereignis“, das die Hitze an die Umgebungstemperatur abgebe. Dann sammele sich unter der Decke die Hitze. Dieser Wärmestau werde heißer und heißer. Alle brennbaren Materialien in dem betroffenen Raum würden dann irgendwann chemisch zersetzt und bildeten bestimmte Gase. „Und bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird.“ „Flashover“: Temperatur steigt auf über 1000 Grad Im Zuge eines „Flashovers“ erfolgt nach Darstellung von Barz ein Temperaturanstieg innerhalb von geringer Zeit, auf etwa 1.000 bis 1.200 Grad. Zusätzlich falle der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent. Sie betonte: „Das heißt, unser menschlicher Körper ist dafür nicht gemacht.“ Selbst für Feuerwehrleute stelle das eine schwierige Situation dar. Für Menschen ohne Schutzkleidung sei sie nicht zu überleben. In Deutschland gebe es „sehr gute Brandschutzvorschriften“, etwa bestimmte Anforderungen an Baustoffe. „Aber natürlich ist die Umsetzung und auch die Handhabung immer das A und O: Wie gehen die einzelnen Personen damit um? Deshalb, es kann leider auch hier dazu kommen“, stellte Barz klar. Nach Behördenangaben sind bei dem Feuer ungefähr 40 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 115 weitere Menschen seien verletzt worden, die meisten schwer, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler. Es werde „wahrscheinlich auch Opfer aus dem Ausland“ geben. Junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren gehören zu den am schwersten Verletzten. Per Hubschrauber seien 22 Verletzte in dieser Altersspanne in das Universitätsklinikum nach Lausanne geflogen worden, sagte Klinikdirektorin Claire Charmet der Schweizer Zeitung „24 Heures“. Viele Opfer wurden lebensgefährlich verletzt. Der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, sagte dem Sender RTS, die Universitätsklinik Lausanne habe allein etwa 13 Erwachsene und 8 Minderjährige aufgenommen, „deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist.“