Welt 01.02.2026
10:01 Uhr

„Kandidatenkreis eng definiert“ – Werder entlässt seinen Trainer


Auch der späte Ausgleich gegen Borussia Mönchengladbach kann Horst Steffen nicht retten. Am Tag nach dem zehnten Spiel ohne Sieg in Folge muss der Trainer von Werder Bremen seinen Hut nehmen. Zunächst besteht die Nachfolgeregelung aus einer Interimslösung.

„Kandidatenkreis eng definiert“ – Werder entlässt seinen Trainer

Horst Steffen ist nicht mehr Trainer von Werder Bremen. Am Tag nach dem enttäuschenden Auftritt beim 1:1 (0:0) gegen Borussia Mönchengladbach – d (verlinkt auf https://sportdaten.welt.de/fussball/1bundesliga/ma11200460/werder-bremen_bor-moenchengladbach/liveticker/) er Bremer Ausgleich fiel erst tief in der Nachspielzeit – wurde der 56-Jährige freigestellt. Es war das zehnte Werder-Spiel in Serie ohne Sieg. Schon direkt nach dem Spiel am Samstagnachmittag hatte der ebenfalls längst umstrittene Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/werder-bremen/article697dc7aeb9f1331cede554ee/abstiegskampf-in-der-werder-krise-starten-die-fans-eine-petition-gegen-sportchef-clemens-fritz.html) durchblicken lassen, dass Steffens Aus bevorsteht. „Wir haben zehn Spiele nicht gewonnen. Es ist klar, dass wir uns hinsetzen und das besprechen müssen“, sagte der frühere Nationalspieler: „Wir werden uns auch zeitnah zusammensetzen und da nicht noch ein, zwei Tage verstreichen lassen.“ So kam es dann auch. Und so sagte Fritz am Sonntag in der offiziellen Mitteilung des Klubs: „Es war eine schwere Entscheidung, aber wir haben nicht mehr die Überzeugung, dass Horst den Turnaround nach dieser langen Serie ohne Sieg gemeinsam mit der Mannschaft schaffen wird.“ Die Entscheidung falle schwer, „gerade weil wir Horst sehr schätzen. Aber sie ist das Ergebnis aus der Analyse der sportlichen Situation und den Gesprächen, die wir zuletzt geführt haben. Daher haben wir entschieden, Horst freizustellen“. Raphael Duarte und Christian Groß übernehmen Steffen war erst im vergangenen Sommer nach sieben erfolgreichen Jahren beim SV Elversberg an die Weser gewechselt, wo er Ole Werner ersetzte, der inzwischen RB Leipzig trainiert. Für Steffen, früherer Bundesliga-Profi von Bayer Uerdingen und Borussia Mönchengladbach, war es mit 56 Jahren der erste Trainerjob in der höchsten Spielklasse. Als Interimslösung werden vorerst die beiden Co-Trainer Raphael Duarte und Christian Groß einspringen. „Wir sind intensiv auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer und werden uns die nötige Zeit nehmen, um die für Werder beste Lösung zu finden“, so Fritz. Eine dauerhafte interne Nachfolgeregelung wie die erfolgreiche Frauen-Trainerin Friederike Kromp oder U19-Coach Cedric Makiadi schloss er aus: „Das Ziel ist ganz klar eine externe Lösung“, bestätigte er am Vormittag in einer Medienrunde im Bremer Weserstadion. Den Kandidatenkreis habe man „eng definiert. Es ist nicht so, dass wir uns jetzt noch mit zehn Namen beschäftigen. Wir wissen, was wir brauchen. Wir wissen, was wir suchen.“ Fritz weiter: „Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir einen neuen Impuls, eine neue Energie und ein Stück weit auch eine neue Ansprache brauchen, um uns aus dieser Situation herauszuziehen.“ Und das solle nach zehn Bundesliga-Spielen ohne Sieg „von außen“ kommen. Auf Rang 15 liegend bangt Bremen mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz aktuell um den Klassenerhalt in der Bundesliga (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/) . Von spielerischen Fortschritten im neuen Jahr konnte nach den beiden Heimspielen gegen 1899 Hoffenheim (0:2) und jetzt Gladbach keine Rede mehr sein. Vielmehr hatte Werder erschreckend schwach gespielt und konnte zum Zeitpunkt des Ausgleichs von Glück reden, dass der Gegner das Spiel nicht längst für sich entschieden hatte. Und so war Steffen selbst am Samstagabend einer der Letzten, die weiter an seine Zukunft in Bremen glaubten: „Ich bin überzeugt davon, dass ich hier richtig bin.“ Nun übernehmen andere und haben gleich mal schwierige Aufgaben vor sich: Zunächst müssen die Bremer beim heimstarken SC Freiburg antreten, dann empfangen sie den FC Bayern. Nach einem ordentlichen Saisonstart und einem erfolgreichen Herbst war Steffen mit Werder ab Ende November in die Krise gerutscht, es droht der dritte Bundesliga-Abstieg der Klubgeschichte. Für die sportliche Krise ist Steffen aber nicht allein verantwortlich. Sport-Geschäftsführer Fritz und Profifußball-Leiter Peter Niemeyer stehen bei den Fans noch mehr in der Kritik als der glücklose Coach. Gegen Fritz wurde gerade sogar eine Online-Petition gestartet. Neben dem großen Verletzungspech ist die Kaderplanung in Bremen das große Problem dieser Saison. Zahlreiche Zugänge kamen erst spät und wurden nur ausgeliehen. Auf der Suche nach dem dringend benötigten neuen Mittelstürmer leistete sich Werder mit Victor Boniface den zweiten prominenten Fehlgriff nach Naby Keita nur zwei Jahre zuvor. Als Verstärkung erwies sich bislang eigentlich nur der Japaner Yukinari Sugawara.