Welt 22.01.2026
17:32 Uhr

Kahlschlag in der Konzernzentrale – Deutsche Bahn will 30 Prozent der Stellen streichen


Die Deutsche Bahn will ihre Strukturen verschlanken. Wie der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Werner Gatzer, nun ankündigte, sollen dazu künftig knapp 1000 Stellen in der Zentrale des Unternehmens wegfallen. Bei der Pünktlichkeit dürfte sich für den Moment dagegen wenig ändern.

Kahlschlag in der Konzernzentrale – Deutsche Bahn will 30 Prozent der Stellen streichen

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr erstmals seit fast zehn Jahren wieder ein positives Ergebnis eingefahren. „Wir müssen den Jahresabschluss noch abwarten. Aber wir gehen von einer operativen schwarzen Null im Konzern aus“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Gatzer Table Briefings. Der frühere Staatssekretär im Finanzministerium erwartet einen Wegfall von knapp 1000 Managementposten in der Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin. „In der Konzernleitung sollen mindestens 30 Prozent abgebaut werden. Es fällt sogar eine komplette Ebene weg zwischen dem Vorstand und dem Management“, so Gatzer. Zur Konzernleitung gehören nach Angaben der Bahn etwa 3500 Menschen. Der Vorstand der Bahn um die neue Chefin Evelyn Palla sei zu dem Ergebnis gekommen, dass schlankere Strukturen Entscheidungen schneller herbeiführen könnten. „Wir unterstützen das im Aufsichtsrat zu 100 Prozent.“ Die Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article695a413efd458507c19143f3/deutsche-bahn-puenktlichkeit-in-bahnfernverkehr-2025-auf-60-prozent-gesunken.html) dürften dieses Jahr nicht viel besser werden, sagte Gatzer. „Es geht darum, die Pünktlichkeit zu stabilisieren. Aber die Ziele für die kommenden Jahre sind anspruchsvoll und die erreichen wir auch.“ Die Infrastruktur sei über Jahrzehnte unterfinanziert gewesen. „Das spüren wir jeden Tag. Es braucht einfach Zeit, auf ein Niveau zu kommen, das dem entspricht, was die Menschen draußen erwarten dürfen.“ Gatzer äußerte die Hoffnung, dass die Bahn auch nach 2027 von dem milliardenschweren Sondervermögen (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6901b6c4c008edcf0c856b8b/infrastruktur-mittel-werden-nur-umgeschichtet-industrie-warnt-vor-mogelpackung-bei-milliarden-sondervermoegen.html) profitiert. Mittelfristig sollte sich die Politik aber überlegen, ob ein außerhalb des Haushalts organisierter Infrastrukturfonds wie in Österreich sinnvoll wäre. „Die Erkenntnis wächst auch in der Politik, dass ein Infrastrukturfonds dauerhaft der Bahn und den beteiligten Unternehmen Planungssicherheit gibt.“