Welt 13.01.2026
09:10 Uhr

Jury beklagt „irreführende euphemistische Bedeutung“ – Das ist das „Unwort des Jahres“


Das „Unwort des Jahres“ will auf sprachliche Entgleisungen hinweisen. Eine Expertenjury hat nun die Entscheidung getroffen, welches Wort aus ihrer Sicht 2025 die Debatten entscheidend prägte.

Jury beklagt „irreführende euphemistische Bedeutung“ – Das ist das „Unwort des Jahres“

Das „Unwort des Jahres“ ist da: Laut einer Entscheidung einer Expertenjury fiel die Wahl dieses Jahr auf das Wort „Sondervermögen“. „Der Ausdruck Sondervermögen ist seit einigen Jahren im gesellschaftlichen Diskurs präsent. Im Jahr 2025 wurde er im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet und prägte sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme\", schreibt die Unwort-Jury in ihrer Begründung. Viele Bürgerinnen und Bürger seien nicht mit der administrativen Spezialbedeutung vertraut und orientierten sich an der Alltagsbedeutung, heißt es weiter. Durch diese Diskrepanz trete die „irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes“ deutlich in den Vordergrund: „Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden.“ Auch die Bürger können Vorschläge machen Das „Unwort des Jahres“ will auf sprachliche Entgleisungen, auf Fakten verzerrende oder Menschen abwertende Begriffe aufmerksam machen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können für die „Unwort“-Kür jeweils bis zum Ende eines Jahres auch Vorschläge einreichen, aus denen dann die Jury die Auswahl trifft. Die Jury setzt sich aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Gästen zusammen. Infrage kommen Formulierungen, die aus Sicht der Jury gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Mit der Aktion soll für einen angemessenen Umgang mit Sprache sensibilisiert werden. „Unwort des Jahres“ 2024 war „biodeutsch“, das erste jemals vergebene „Unwort des Jahres“ war im Jahr 1991 der Begriff „ausländerfrei“. Inhaltlich gemeint ist mit der „Unwort“-Entscheidung des Jahres 2026 das kreditfinanzierte „Sondervermögen“ von 500 Milliarden Euro, das von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Union gemeinsam mit SPD und Grünen verabschiedet wurde. Es soll langfristige Investitionen in die Infrastruktur (Straßen, Schienen, Schulen, Krankenhäuser, Energienetze) und den Klimaschutz ermöglichen. Hier ein Überblick der „Unwörter“ der vergangenen Jahre: 2024: biodeutsch 2023: Remigration 2022: Klimaterroristen 2021: Pushback 2020: Rückführungspatenschaften, Corona-Diktatur 2019: Klimahysterie 2018: Anti-Abschiebe-Industrie 2017: alternative Fakten 2016: Volksverräter 2015: Gutmensch 2014: Lügenpresse 2013: Sozialtourismus 2012: Opfer-Abo 2011: Döner-Morde 2010: alternativlos 2009: betriebsratsverseucht 2008: notleidende Banken 2007: Herdprämie 2006: freiwillige Ausreise 2005: Entlassungsproduktivität 2004: Humankapital 2003: Tätervolk 2002: Ich-AG 2001: Gotteskrieger 2000: national befreite Zone