Unbekannte Täter haben das Wort „Jude“ in den Briefkasten einer jüdischen Familie im Hamburger Stadtteil Harburg geritzt. Auf den antisemitischen Vorfall hatte Landesrabbiner Shlomo Bistritzky in einem Post auf der Plattform X aufmerksam gemacht. „Ich bitte um Rat! Was sage ich einem in Hamburg-Harburg lebenden Juden, der mir dieses Foto von seinem Briefkasten sendet?“, schreibt der Rabbiner in dem Post. Zuerst hatte die „Hamburger Morgenpost“ berichtet. Bistritzky stehe in engem Austausch mit der Familie, die aus Sorge vor weiteren Bedrohungen lieber anonym bleiben wolle. „Was das Ganze so unheimlich macht, ist, dass man nicht weiß, wer das war. Man kann mit dem Täter nicht sprechen und fragen, warum er das gemacht hat“, sagte Bistritzky der Zeitung. In den Kommentaren unter dem Post drücken viele Menschen ihr Mitgefühl aus, aber es gibt auch antisemitische Kommentare. Der Vorfall ereignet sich in einer Phase, in der die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland insgesamt deutlich steigt. Nach aktuellen Regierungsangaben wurden 2025 bundesweit mehrere Tausend antisemitische Straftaten gezählt, 2548 waren es laut unterschiedlicher Medienangaben allein bis September 2025, ein erneuter Anstieg gegenüber den Vorjahren. Die meisten Fälle ordnete das Bundeskriminalamt der politisch rechts motivierten Kriminalität zu, doch auch Taten mit ausländischer oder religiöser Ideologie nahmen spürbar zu. Die Bundesregierung verweist seit Monaten darauf, dass antisemitische Vorfälle inzwischen aus verschiedenen extremistischen Milieus kommen und die Entwicklung seit Herbst 2023 zusätzlich an Dynamik gewonnen hat. Hamburger Polizei stellt Kriminalstatistik noch vor Die Hamburger Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor; die Polizei wird ihre Kriminalstatistik am Donnerstag vorstellen, möglicherweise kann sie dann auch Auskunft zu antisemitischen Taten in der Hansestadt geben. Dass bundesweit ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen ist, deutet jedoch darauf hin, dass auch Hamburg im vergangenen Jahr stärker betroffen gewesen sein dürfte. Auch vergleichsweise kleine, aber doch sehr gezielt wirkende Taten, wie die Schmiererei in Harburg wären damit Teil eines breiteren Bildes. Im vergangenen Herbst hatte Hamburgs Antisemitismusbeauftragter Stefan Hensel sein Amt aufgegeben. Er begründete den Schritt mit der anhaltenden Konfrontation mit Hass, persönlichen Übergriffen und einer Belastung, die im Rahmen eines Ehrenamts nicht mehr zu tragen sei.