Welt 10.01.2026
08:54 Uhr

Jeder Fünfte denkt übers Auswandern nach


Für viele Menschen ist der Gedanke des Auswanderns reizvoll. Besonders unter Menschen, deren Eltern einst nach Deutschland eingewandert sind, erwägen erstaunlich viele, das Land wieder zu verlassen. Das zeigt eine neue Studie.

Jeder Fünfte denkt übers Auswandern nach

Die Idee des Auswanderns war schon immer populär in Deutschland. Doch nun erwägt laut einer Umfrage bereits jeder Fünfte, das Land zu verlassen. Insgesamt geben dies 21 Prozent an, bei Deutschen ohne Migrationsgeschichte 17 Prozent. Bei Menschen, die selbst eingewandert sind, sind es mit 34 Prozent doppelt so viele, bei ihren Nachkommen sogar 37 Prozent. Dies geht aus einer Kurzstudie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschun (verlinkt auf https://www.dezim-institut.de/presse/auswandern-ist-fuer-jede-fuenfte-person-in-deutschland-denkbar-besonders-fuer-menschen-mit-einwanderungsgeschichte/) g (Dezim) hervor. Grund für die Auswanderung ist demnach am häufigsten die Hoffnung auf ein besseres Leben – etwa bei jedem Zweiten mit Auswanderungsgedanken. Menschen mit Migrationsgeschichte nennen oft auch die Erfahrung von Diskriminierung. Konkret sind die Auswanderungspläne aber nur bei zwei Prozent der Befragten: Sie planen, binnen eines Jahres wegzuziehen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts verließen 2024 tatsächlich 1,2 Millionen Menschen das Land. „In Deutschland haben Debatten um Einwanderung seit Jahren Konjunktur“, heißt es in dem Papier. „Weniger öffentliche Beachtung findet dagegen die Tatsache, dass regelmäßig Menschen aus Deutschland auswandern.“ Dabei sei dies mit Blick auf den demografischen Wandel und die Engpässe bei Arbeitskräften von Bedeutung. Am häufigsten bejahen Menschen mit familiären Bezügen zur Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika Auswanderungserwägungen – 39 Prozent. 31 Prozent sind es unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus der ehemaligen Sowjetunion, 28 Prozent bei Menschen aus EU-Staaten. Die Migrationsforscher hatten 2933 Personen zwischen Sommer 2024 und Sommer 2025 jeweils fünfmal befragt, um Schwankungen zu kontrollieren. Die Werte seien im Wesentlichen konstant geblieben, mit einer Ausnahme: „Kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 stiegen die hypothetischen Auswanderungserwägungen unter Eingewanderten und ihren Nachkommen um etwa zehn Prozentpunkte an“, schreiben die Autoren. Die von Dezim gemessenen Werte der abstrakten Auswanderungserwägungen liegen etwas höher als bei anderen Untersuchungen. So hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Mitte 2025 berichtet, dass sich 26 Prozent der nach Deutschland eingewanderten Menschen mit Gedanken trügen, das Land zu verlassen. Von diesen hätten 3 Prozent oder 300.000 Menschen konkrete Auswanderungspläne, hieß es damals. Eine You-Gov-Umfrage, die bereits im Mai 2025 veröffentlicht wurde (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article256134016/Auswanderung-ist-fuer-gut-jeden-zweiten-Deutschen-ein-reizvoller-Gedanke.html) , kam zu ähnlichen Ergebnissen. Unter diesen Befragten konnte unter bestimmten Bedingungen sogar mehr als jeder Zweite sich das vorstellen. Vor allem unter AfD-Wählern war der Gedanke populär.