Welt 13.10.2026
13:07 Uhr

„Im Moment sind wir hinter der Brandmauer gefangen, nicht die AfD“ – Nathusius kritisiert CDU-Kurs


Bei einer Podiumsdiskussion kritisiert CDU-Politikerin Clara von Nathusius die Brandmauer und warnt vor absoluten AfD-Mehrheiten. Gregor Gysi stimmt ihr teilweise zu.

„Im Moment sind wir hinter der Brandmauer gefangen, nicht die AfD“ – Nathusius kritisiert CDU-Kurs

Die CDU-Politikerin Clara von Nathusius hat ihre Kritik an der Brandmauer gegenüber der AfD bekräftigt. „Im Moment sind wir hinter der Brandmauer gefangen, und nicht die AfD“, sagte die 30-Jährige am Montagabend bei der Veranstaltung „stern Stunde“ im Körber Forum in Hamburg. Nathusius hatte die Brandmauer in den vergangenen Wochen öffentlich als „gescheitertes Projekt“ bezeichnet und damit viele in ihrer Partei verärgert. Die CDU-Politikerin Clara von Nathusius hat ihre Kritik an der Brandmauer gegenüber der AfD bekräftigt. „Im Moment sind wir hinter der Brandmauer gefangen, und nicht die AfD“, sagte die 30-Jährige am Montagabend bei der Veranstaltung „stern Stunde“ im Körber Forum in Hamburg. „Die Brandmauer hat den völkischen Teil der AfD normalisiert“, sagte Nathusius. Wenn die CDU so weiter verfahre, laufe sie in „ein Inferno“ hinein – gemeint sei die absolute Mehrheit der AfD nicht nur in einigen Ländern, sondern auch im Bund. Mit Blick auf den Rechtsextremismus berief sich Nathusius auf rote Linien. „Wir müssen als Union fragen, was sind bei uns klare Grenzen, die wir nicht überschreiten“, sagte sie. Darüber müsse man im Zweifel auch mit der AfD reden. Nathusius war zuletzt Sprecherin von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Kanzleramt und beriet den Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt. Dem „Stern“ zufolge will sie nun auch ihr Amt als Bundesschatzmeisterin der Jungen Union aufgeben. Gysi fordert Parteiausschluss bei Leugnung des Existenzrechts Israels Neben Nathusius saß der frühere Linken-Fraktionschef Gregor Gysi auf dem Podium. Er stimmte ihrer Kritik zumindest teilweise zu. Brandmauer-Beschlüsse würden nur „aus Angst“ gefasst, sagte er. Damit habe es einst auch die SPD gegenüber der PDS versucht. Das Ergebnis seien gemeinsame Landesregierungen gewesen. Für die eigene Partei forderte Gysi eine klare Abgrenzung. „Wir müssen eine rote Linie ziehen“, sagte er mit Blick auf antisemitische Einstellungen in der Linken. „Wer sich nicht daran hält, muss ausgeschlossen werden.“ Er habe sich mit Parteichefin Ines Schwerdtner darauf verständigt, notfalls auch Parteiausschlussverfahren einzuleiten. „Die rote Linie ist, dass man das Existenzrecht Israels nicht bestreiten darf“, erklärte Gysi weiter. „Da steht so ein Vernichtungsgedanke dahinter, das darf man nicht akzeptieren.“ Mit Blick auf die Sondierungsgespräche von Linken, Grünen und SPD in Berlin sagte Gysi, es hätten sich „ein paar dazu entschieden, unsere Partei zu missbrauchen“. Er fügte hinzu: „Dagegen muss man sich wehren.“ Die Sondierungen in Berlin haben vergangene Woche begonnen und werden von heftiger Kritik begleitet. Die drei Parteien nahmen sie auf, nachdem sie sich auf eine gemeinsame Vereinbarung gegen Antisemitismus verständigt hatten. Mehr als 120 Linken-Politiker, darunter 17 Bundestagsabgeordnete, kritisierten das Papier allerdings in einem offenen Brief. Sie lösten damit neue Debatten darüber aus, wie ernst es der Linken ist, Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Partei zu bekämpfen. Seine Partei befinde sich in der nächsten Transformation, sagte Gysi. Dass sich die Mitgliedschaft binnen zwei Jahren verdoppelt habe, bedeute auch eine Überforderung – mit allen Folgen, wie sie gerade in Berlin zu besichtigen seien.