Mit scharfen Angriffen auf die rechte Opposition hat Spaniens linke Politikerin Irene Montero eine Debatte über Migration und soziale Ungleichheit im Land angeheizt. „Das ist das Problem! Die Señoritos [ abwertender Begriff für privilegierte Männer aus der Oberschicht, Anm. d. Red. ] wollen ihre Sklaven und Sklavinnen behalten“, sagte die Europaabgeordnete bei einer Kundgebung der Partei Podemos in der Stadt Sarragosa. Damit meinte sie nach eigenen Angaben Menschen, „die Erdbeeren pflücken, Häuser bauen oder unsere Angehörigen pflegen. Und die man dann ausbeutet, um sich anschließend als sehr spanisch zu inszenieren.“ Montero griff den Chef der rechtspopulistischen „Vox“-Partei Santiago Abascal persönlich an. Während Rechte ständig über angebliche „Sozialgeschenke“ klagten, profitiere in Wahrheit die Oberschicht: „Die reichsten 20 Prozent kassieren mehr als 30 Prozent der staatlichen Hilfen, die ärmsten nur zwölf.“ Das System sei darauf ausgelegt, „dass die Leute unten den Reichtum schaffen und die oben ihn sich einstecken“. Abascal warf sie vor: „Du lebst auf dem Rücken von Anderen – und von den Migranten, die du abschieben willst.“ „Ich will Rassisten und Faschisten gegen arbeitende Menschen tauschen!“ Besonders umjubelt wurde Monteros Aussage: „Kein Mensch ist illegal.“ Illegal seien vielmehr Korruption, Schwarzgeld oder Steueramnestien für Reiche. Auch ging sie auf eine in rechten Kreisen verbreitete Verschwörungstheorie ein, laut der die weiße, europäische Bevölkerung, von „Eliten“ gesteuert gezielt durch Migranten ersetzt werden solle. Sie wetterte: „Ja, ich will Austausch! Ich will Rassisten und Faschisten gegen arbeitende Menschen tauschen. Egal, welche Hautfarbe sie haben.“ Die Wortmeldungen fallen in eine politisch aufgeheizte Phase. Spaniens linksgeführte Regierung unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez hat ein außerordentliches Verfahren gestartet, mit dem schätzungsweise bis zu 500.000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus ein Bleiberecht beantragen können. Voraussetzung ist unter anderem, dass sie sich bereits vor Ende 2025 im Land aufgehalten haben und keine relevanten Vorstrafen vorliegen. Anträge sollen ab April möglich sein. In Zeiten, in denen sich der Ton gegenüber Migranten deutlich verschärft und sich rechte Regierungen überall in Europa mit Forderungen nach Härte, Abschiebungen und geschlossener Grenzen zu überbieten suchen, überrascht der spanische Weg. Unterstützung findet dieser auch vonseiten der katholischen Kirche. Die Maßnahme gebe den Betroffenen „Würde und Sicherheit“, erklärte Luis Argüello, der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Migrationsexperten verweisen zudem auf den Arbeitskräftemangel: Spanien benötige jährlich Hunderttausende Zuwanderer, vor allem in Pflege, Landwirtschaft, Gastronomie und Bau. Die Linkenpolitikerin Irene Montero ist erst 37 Jahre alt und war von 2020 bis 2023 Gleichstellungsministerin im Kabinett von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Bekannt wurde sie unter anderem durch das umstrittene „Nur Ja heißt Ja“-Gesetz im spanischen Sexualstrafrecht. Seit 2024 sitzt sie für die spanische Linkspartei Podemos im Europäischen Parlament und gilt als eine der profiliertesten Stimmen der spanischen Linken.