Welt 30.01.2026
16:06 Uhr

„Ich nehm dich mit“ – 18-Jährige in Hamburger U-Bahnhof in den Tod gerissen


Ein polizeibekannter 25-jähriger Mann zerrt eine 18-Jährige vor eine einfahrende U-Bahn und stirbt mit ihr auf dem Gleis. Die Mordkommission ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts, Augenzeugen stehen unter Schock, viele Fragen zum Motiv und zum Ablauf der Tat bleiben bislang unbeantwortet.

„Ich nehm dich mit“ – 18-Jährige in Hamburger U-Bahnhof in den Tod gerissen

Es sind unfassbar grausame Szenen, die sich am Donnerstagabend gegen 22 Uhr in einer U-Bahnstation im Nordosten Hamburgs abspielen: Unvermittelt geht ein Mann auf eine auf dem Bahnsteig wartende junge Frau zu, umklammert sie mit beiden Armen und reißt sie in einem einzigen, brutalen Moment mit sich ins Gleisbett, während der Zug bereits in den Bahnhof einfährt. Sekunden später sind beide tot. Die Tat passiert so schnell, dass niemandem Zeit bleibt, einzugreifen. Niemand kann der Frau helfen, die wohl selbst, den Tod vor Augen, nicht begreift, was gerade passiert. Mehrere Menschen werden Augenzeugen dieser Tragödie auf dem U-Bahnhof Wandsbek-Markt, müssen später von Notfallseelsorgern betreut werden. Es ist eine Tat, die zahlreiche Fragen aufwirft, kaum eine ist bislang beantwortet. Mittlerweile ermittelt die Mordkommission der Hamburger Polizei wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts. Die Hintergründe der Tat liegen weitestgehend im Dunkeln. Noch ist auch das Tatgeschehen nicht vollständig rekonstruiert. Der Bahnhof wird von der Linie U1 angefahren, der tödliche Zug fuhr in Richtung Stadtmitte. Bei dem Täter soll es sich um einen 25-jährigen Südsudanesen handeln, bei dem Opfer um eine 18-Jährige aus dem Raum Norderstedt in Schleswig-Holstein. Aktuell soll es keine Erkenntnisse geben, wonach sich Opfer und Täter kannten. Aktuell werden die Mobiltelefone ausgewertet, um möglicherweise doch auf eine Querverbindung zu stoßen. Laut Informationen der dpa stammt die Familie der jungen Frau, die zum Opfer gemacht wurde, aus dem Iran. Sie selbst soll die iranische Staatsbürgerschaft haben. Der 25-Jährige besaß nach Informationen von WELT eine gültige Aufenthaltserlaubnis und lebte seit Mitte 2024 in Hamburg. Der Mann war im Rahmen humanitärer Aufnahmeprogramme der Bundesländer nach Deutschland kommen, wohnte zuletzt in einer Wohnunterkunft in der Stadt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er bereits polizeilich aufgefallen sein. Mit welchen Delikten, ist unklar. Eine Sprecherin äußerte sich dazu nicht. Südsudanesen erhalten in Deutschland häufig Schutzstatus, weil das Land seit Jahren von Bürgerkrieg, ethnischer Gewalt, Hunger und einem weitgehenden Staatszerfall geprägt ist. Rückführungen gelten aufgrund der anhaltend instabilen Sicherheitslage und schwerer Menschenrechtsverletzungen als nicht zumutbar. Keine islamistische Tat vermutet Hinweise auf eine Tat mit islamistischem Hintergrund soll es nicht geben. Möglicherweise handelt es sich um einen erweiterten Suizid. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Es gibt Zeugenaussagen, wonach der Mann betrunken gewesen sein soll. In einem Videobericht von „Focus“ berichtet ein Zeuge, dass der 25-Jährige auf die Frau zugetorkelt sein soll, sie von der Seite gepackt habe. Dann soll er gesagt haben: „Ich nehme dich mit.“ Sekunden später sei er mit ihr auf die Schienen gefallen. Die Hamburger Berufsfeuerwehr erhielt um 22.07 Uhr die Meldung: Person von U-Bahn überrollt. Vor Ort dann erkannten die Einsatzkräfte, dass es sich sogar um zwei tödlich verletzte Personen handelte und riefen Verstärkung hinzu. Mehr als 30 Retter waren es zuletzt. Die Wucht des Aufpralls war so massiv, dass sowohl Opfer als auch Täter wohl unmittelbar getötet wurden. Die Körper sollen multiple Verletzungen aufgewiesen haben. Zeitgleich begannen Polizisten mit der Befragung von Zeugen, sperrten die Eingänge zur Bahnstation ab. Die beiden Toten wurden in der Nacht in Holzsärgen über die Rolltreppen aus der U-Bahn gebracht. Am Morgen wurde die U-Bahnstation wieder für den regulären Berufsverkehr geöffnet. Doch die Fragen bleiben. Wenn Sie oder Menschen, die Sie kennen, Hilfe brauchen, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge. Unter den kostenlosen Rufnummern 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Unterstützung von Beratern, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.