Nach dem verheerenden Hochhausbrand in Hongkong ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 65 gestiegen. Fast 300 weitere Menschen werden vermisst. In dem dicht besiedelten Komplex mit acht Wohnblöcken leben mehr als 4600 Menschen. Hunderte Anwohner wurden in Notunterkünften untergebracht. Das Feuer in dem Wohnkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Stadtteil Tai Po brach aus noch unbekannter Ursache am Mittwoch aus und breitete sich über Baugerüste aus Bambus rasch auf mehrere Hochhäuser aus. In vier Hochhäusern seien die Brände gelöscht und in drei weiteren unter Kontrolle gebracht worden, teilte die Feuerwehr am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) mit. In der Millionenmetropole spielten sich dramatische Szenen ab. Vor einer Notunterkunft bat ein älterer Mann etwa um Hilfe bei der Suche nach seiner sechs Monate alten Enkelin, die sich zusammen mit ihrer Großmutter im 21. Stock eines Hauses aufhielt. „Ich habe alle Krankenhäuser abgesucht – keine Spur von ihnen“, zitiert ihn die Hongkonger Tageszeitung „South China Morning Post“ (verlinkt auf https://statics.teams.cdn.office.net/evergreen-assets/safelinks/2/atp-safelinks.html) . „Die Polizei hat mir geraten, ihre Daten zu notieren, und das habe ich getan. Ich wünschte nur, ich könnte mehr tun. Vielleicht sind sie ja irgendwo in Sicherheit.“ Der Mann sei dann in Tränen ausgebrochen. „Es bricht mir das Herz, mir vorzustellen, dass das Baby seit 20 Stunden nichts gegessen hat. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen.“ Eine Frau suchte verzweifelt nach ihrer Tochter und deren Vater: „Sie sind immer noch nicht herausgekommen.“ Einige Eingesperrte sollten aber Kontakt zu den Rettungskräften haben. CNN-Reporter Ivan Watson berichtet in einem Video auf X (verlinkt auf https://x.com/IvanCNN/status/1993797916205699536?s=20) über die hohe Zahl an Vermissten. „Die Feuerwehr sagt, Anrufe aus den Türmen von Menschen zu erhalten, die eingeschlossen sind und nicht herauskommen können, und dass die Feuerwehr sie nicht erreichen kann.“ Die Nachrichtenagentur AP sprach mit Augenzeugen. Bewohner Lawrence Lee wartete auf ein Lebenszeichen seiner Frau. Sie stecke in der gemeinsamen Wohnung fest. „Als das Feuer ausbrach, habe ich ihr am Telefon gesagt, sie solle flüchten“, erzählte Lee. „Doch sobald sie die Wohnung verlassen hatte, waren der Korridor und das Treppenhaus komplett in Rauch gehüllt und es war dunkel, daher hatte sie keine andere Wahl, als in die Wohnung zurückzugehen.“ „Viele Menschen können nicht gerettet werden“, schrieb ein Feuerwehrmann seiner Frau via WhatsApp. Sie lud den Nachrichtenverlauf im chinesischen Social-Media-Portal RedNote hoch, wie die „South China Morning Post“ (verlinkt auf https://statics.teams.cdn.office.net/evergreen-assets/safelinks/2/atp-safelinks.html) berichtet. Demnach beschrieb er den Brand als „ein riesiges Feuer, so heiß und so heftig brennend“. Als die Frau ihn aufforderte, vorsichtig zu sein, antwortete er: „Ich habe keine andere Wahl, als hineinzugehen“. In einem separaten Beitrag schrieb die Frau eines anderen Feuerwehrmanns, dass sie vor Sorge nicht schlafen kann. Ihr Mann sei seit Mittwoch gegen 18 Uhr in Tai Po stationiert. Unter den Toten ist auch Feuerwehrmann Ho Wai-ho. Seine Freundin veröffentlichte eine emotionale Nachricht auf der Social-Media-Plattform Threads (verlinkt auf https://www.threads.com/@cacmama/post/DRjMAKzj4CT) . „Ich wünschte, ich könnte deine Hand wieder halten“, schrieb sie. „Mein Superheld!“ Und weiter: „Vielen Dank für all die guten Wünsche, ich habe sie alle gelesen.“ Mehrere Bewohner des Gebäudekomplexes, der fast 2000 Wohnungen umfasst, sagten der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten keinen Feueralarm gehört. Stattdessen hätten sie von Tür zu Tür gehen müssen, um Nachbarn zu warnen. „Klingeln, an Türen klopfen, die Nachbarn alarmieren, ihnen sagen, sie sollen gehen – so war die Situation“, sagte ein Anwohner. Zahlreiche Menschen versammelten sich in der Nähe der Wohnanlage zu einer spontanen Hilfsaktion für Bewohner und Feuerwehrleute. Etwa 20 Freiwillige verteilten laut Berichten Getränke, Snacks und Obst. Auch Kleidung und Bettwäsche wird gesammelt. Die Feuerwehr brachte am Donnerstagmorgen mehrere Katzen und Hunde, die überlebt hatten, aus den Gebäuden, wie auf Fotos zu sehen war. An der Wohnanlage aus den 1980er-Jahren hatte es große Renovierungsarbeiten gegeben. Drei Mitarbeiter einer Baufirma wurden im Zusammenhang mit dem Brand festgenommen. Die Behörden ordneten an, die Sicherheit auf allen größeren Baustellen in der Millionenmetropole zu überprüfen.