Welt 30.12.2025
11:48 Uhr

„Ich habe ein großes Schließfach, dort liegt Geld und Gold im Wert von 100.000 Euro“


Die konkrete Schadenshöhe des spektakulären Bankeinbruchs von Gelsenkirchen ist unklar. Kunden berichten, sie hätten dort die Ersparnisse der gesamten Familie aufbewahrt. Ein Experte gibt seine Einschätzung zum Ablauf des Einbruchs ab.

„Ich habe ein großes Schließfach, dort liegt Geld und Gold im Wert von 100.000 Euro“

Nach Bekanntwerden des Einbruchs in eine Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen sorgen sich zahlreiche Kunden offenbar um die kompletten Ersparnisse ihrer Familien. Offiziell ist noch unklar, wie hoch der Schaden des Einbruchs ist, der erst am frühen Montagmorgen durch einen Feuerwehreinsatz entdeckt wurde. Bislang heißt es laut Polizei nur, dass „sehr viele“ Schließfächer von den Dieben aufgebrochen worden sind, die sich über die Feiertage unbemerkt in den Tresorraum gebohrt hatten. Seitdem herrscht unter den Kunden große Verunsicherung. Zahlreiche Betroffene hatten sich bereits am Montag vor der Filiale im Stadtteil Buer versammelt, schließlich musste die Polizei sogar das Foyer räumen. Auch am Tag darauf warteten zahlreiche Kunden schon am frühen Morgen vor der geschlossenen Bank auf Informationen. Denn der Tresorraum soll im Laufe des Dienstags wieder für Kunden geöffnet werden, damit Betroffene den Schaden begutachten können. Doch die Lage drohte eskalieren. „Wir wollen rein, wir wollen rein!“, forderte ein Sprechchor. Mehrere Menschen stürmten sogar an Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma vorbei in den Vorraum der Sparkasse. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagenbesatzungen an. Die Polizei machte dann eine Durchsage: Aufgrund der Situation bleibe die Filiale heute geschlossen. Ein betroffener Kunde sagte WELT TV, dass er noch vergangene Woche Geld ins Schließfach gebracht habe, bevor er in den Urlaub gefahren sei: Nun: „Ja, alles ist weg.“ Ein anderer fragte: „Wo ist die Sicherheit hier? Ich habe hier komplett meine Ersparnisse hier angelegt. Ich bin ein Arbeiter. Alles weg.“ Viele Kunden kritisierten die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen der Bank: „Sogar Netto, Lidl, Aldi, die haben Bewegungsmelder, alle haben Alarmanlagen. Wir reden hier von Sparkasse“, sagt ein Kunde. Ein anderer ergänzt: „Wenn ich einmal irgendwo mein Auto falsch packe, wird der sofort abgeschleppt. Und das haben die nicht mitgekriegt hier, das verstehe ich nicht.“ Eine junge Frau wurde etwas konkreter: „Ich habe ein großes Schließfach, dort liegt Geld und Gold im Wert von 100.000 Euro“, zitiert die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) (verlinkt auf https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/article410808613/spektakulaerer-bank-einbruch-in-buer-unsere-existenz-ist-verloren-gegangen.html) etwa eine Kundin. Das sei so üblich bei türkischen Familien. Die Wertsachen seien als Vorsorge für die Kinder gedacht gewesen, für die Hochzeit oder als Aussteuer. „Aber: Das Fach ist nicht versichert.“ „Wenn wir betroffen sind, ist unsere Existenz verloren gegangen“, ergänzt ein Mann in der „WAZ“. Auch er habe Gold und Schmuck im Schließfach aufbewahrt. Das Fach sei allerdings nur bis 10.000 Euro versichert. „Meine Hoffnung ist jetzt, dass die Hausratversicherung den Schaden übernimmt.“ Tatsächlich soll laut „WAZ“ ein Versicherungsvertreter bereits in der Filiale nach dem Einbruch gewesen sein. Noch sei nicht entschieden, welchen Schaden das Unternehmen übernehme. „Wer sein Schließfach nicht oder zu wenig versichert, macht einen teuren Fehler“, zitiert das Blatt den Vertreter. Ein Sprecher der Bank sagte, dass die Sparkasse Gelsenkirchen grundsätzlich jedes Fach mit 10.300 Euro versichert. Ferner bestehe für Kunden die Möglichkeit, eine höhere Versicherungssumme abzuschließen. Die Sparkasse befinde sich bereits im Gespräch mit der Versicherung. „Wir wollen die Kunden unterstützen, welche Unterlagen sie vorlegen müssen.“ Derweil geht die Suche nach den Tätern weiter. Ersten Erkenntnissen zufolge erfolgte der Vorstoß über ein Parkhaus. Der Weg führte dann durch mehrere Türen in einen Archivraum, an dessen Wand schließlich ein Durchbruch zu dem Tresorraum erfolgte. Dabei kam auch ein Spezialbohrer zum Einsatz. „Ich schätze, da wurde ein 350-Millimeter-Bohrer genommen“, zitiert die „Bild“-Zeitung einen Experten (verlinkt auf https://www.bild.de/regional/nordrhein-westfalen/diebe-bohrten-sich-in-gelsenkirchen-durch-tresorwand-taeter-haben-das-schon-mal-gemacht-69526805f6fc544dba9b6677) . Das Gerät sei mit Zubehör etwa 20 Kilogramm schwer. „Man braucht einen Bohrständer, eine große Maschine und normalen Strom.“ Für die 40 bis 45 Zentimeter dicke Stahlbetonwand seien zwischen zwei und vier Stunden Arbeit notwendig gewesen. Der Experte schätzt, dass es sich um mehrere Diebe gehandelt haben muss. „Weil die Täter da ja aber wohl schnell wieder rauswollten, denke ich, dass zwei bis drei Täter beteiligt waren.“ Eine „heiße Spur“ zu dem oder den Tätern gibt es laut Polizei aber noch nicht. Es sollen umfangreiche Daten wie Fahrzeugbewegungen ausgewertet und Anwohner befragt werden.