Markus Söder gab sich kraftstrotzend. „Ohne uns geht nichts“, sagte der bayerische Ministerpräsident auf dem CSU-Parteitag (verlinkt auf https://www.youtube.com/watch?v=3LRQ7Syu_10) . „Wir sind die helle Seite der Macht, wir sind die Beschützer Bayerns.“ Er betonte die Erfolgsbilanz seiner Partei, verwies auf die Volksnähe, die stabilen Umfragewerte, die milieuübergreifende Integrationsfähigkeit. Vor allem aber pochte er auf Zusammenhalt. Umfragen zufolge werde die CSU als die „geschlossenste Partei“ hierzulande wahrgenommen, hob er gleich zu Beginn seiner Rede hervor. Am Ende allerdings schickten ihn die Delegierten bei der Vorsitzendenwahl mit seinem bisher schwächsten Ergebnis von 83,6 Prozent nach Hause. Wie blickt Söder selbst auf vergangene und künftige Machtkämpfe? Und welche bundespolitischen Chancen verbleiben ihm noch? Ein Überblick. „Ronzheimer“: „Huch, bin ich hier noch in Bayern?“ Anlässlich des CSU-Parteitags begrüßte Paul Ronzheimer vom Axel Springer Global Reporters Network die Journalistin und Söder-Biografin Anna Clauß. Die bayerische Kommunalwahl im kommenden März sei für die CSU noch „keine gmahde Wiesn“, versicherte sie. Vielmehr stehe die Partei vor einer Bewährungsprobe. Die Beliebtheitswerte ihres Vorsitzenden stagnierten, die Konkurrenz von der AfD und den Freien Wählern könne auf starke Ergebnisse hoffen und die Probleme im Land nähmen zu. Die Familienpolitik der Landesregierung stehe in der Kritik, nachdem das bayerische Familiengeld abgeschafft und das ursprünglich als Ersatz gedachte Kinderstartgeld von 3000 Euro zum ersten Geburtstag noch vor Einführung gestrichen worden sei. „Mit dem Geld haben viele Eltern gerechnet. Dass das jetzt nicht kommt, ist bitter“, erklärte Clauß. Zudem klaffe die Schere zwischen Arm und Reich in Bayern weit auseinander. Die Randregionen seien von strukturschwachen Gebieten geprägt. Im Grenzbereich zu Tschechien dominiere die synthetische Droge Crystal Meth aus den Laboren des Binnenstaates. „Da sind wir dann auch wieder beim Thema Stadtbild. Man fährt durch manche Regionen und denkt sich: Huch, bin ich hier noch in Bayern?“, beschrieb die Journalistin die Sicht vieler Menschen. Die CSU versuche, mit Bildung gegenzusteuern. So würden etwa Universitäten, Behörden und Ausbildungsstätten in besagte Regionen verlegt. Und dennoch fehle es der Partei – im Gegensatz zur AfD – an Präsenz vor Ort. „Die berühmte Hoheit über die Stammtische droht der CSU zu entgleiten“, warnte Clauß. Trotz aller Probleme im Land sitzt Söder nach Clauß’ Einschätzung fest im Sattel. „Ich nehme das schon so wahr, dass er vor Kraft strotzt“, schilderte sie. „Er weiß genau, er hat gerade so gut wie keine internen Widersacher. Es gibt quasi keinen kleinen Markus Söder, der ihm im Nacken sitzt, so wie er damals Horst Seehofer gepiesackt hat. Also er ist in der CSU unangefochten – zurzeit.“ Das strahle er nach wie vor aus. Ob die Machtoption, als Kanzler anzutreten, noch in seinem Kopf sei? „Die ist wahrscheinlich nicht nur in seinem Kopf, die ist in seiner DNA verankert.“ Die aktuelle Folge RONZHEIMER gibt es hier zu hören: „Will Söder doch noch Kanzler werden? Mit Anna Clauß“ (verlinkt auf https://shows.acast.com/ronzheimer/episodes/will-soeder-doch-noch-kanzler-werden-mit-anna-clauss) Die gescheiterte Kanzlerkandidatur sei eine Demütigung gewesen, nahm Clauß an. Bereits zuvor hatte Söder ihr erzählt, dass er Erfolge nicht genießen könne, ihn Niederlagen aber noch Jahre später umtrieben. „Ich wette, das beschäftigt ihn immer noch“, vermutete die Journalistin. „Wenn es auch nur eine ganz kleine Chance geben würde, diese Niederlage auszuwetzen und ein Comeback als Kanzlerkandidat oder gar als Kanzler zu starten: Natürlich würde sich Söder diese Chance nicht entgehen lassen.“ Als weiteres Indiz dafür zog Clauß die Präsenz des bayerischen Ministerpräsidenten in Berlin heran. Viel häufiger als in der Vergangenheit nehme Söder Termine, Talkshows und Pressekonferenzen in der Hauptstadt wahr. Früher habe er immer wieder gesagt, das Schönste an Berlin sei die Heimfahrt nach Bayern. „Den Spruch habe ich jetzt schon lange nicht mehr gehört. Ich glaube, er ist ganz gerne in Berlin“, erklärte die Spiegel-Redakteurin. „Hotel Matze“: „Wer mir genau zuhört, kann hören, wo die Reise hingeht“ Das klang bei „Hotel Matze“ (verlinkt auf https://open.spotify.com/episode/69cqhOzIEQVHhON4BeVd8P) gänzlich anders. „Berlin ist natürlich spannend“, räumte Markus Söder dort nach nicht einmal drei Gesprächsminuten ein. „Ich fahr’ immer gern‘ her, ich fahr‘ aber auch total gern‘ zurück.“ Bayern sei einfach schöner. Und obwohl der Freistaat derart viel Geld an die Hauptstadt überweise, funktioniere dort nichts. Für junge Menschen möge Berlin faszinierend sein, „aber für mich wär‘ das nichts mehr“, versicherte der CSU-Vorsitzende. „Manchmal müssen ja – so sagte Strauß mal – die Bayern die letzten Preußen sein.“ Das „offizielle Berlin“ rund um die Journalisten-Blase belächele Bayern, die „zugezogenen Hochgestellten“ mögen ihn ablehnen und jene, die sich der DDR und Linkspartei verbunden fühlten, empfänden ihn als „Antichrist“, doch „viele normale Leute“ stünden hinter ihm. „Weil sie es auch gar nicht schlecht finden, dass ich hier mal an der Currywurst-Bude, an der Döner-Bude stehe und nicht immer nur dort, wo es glasierte Möhrchen und geeisten Sellerie gibt“, schätze der bayerische Ministerpräsident ein. Recht behielt Anna Clauß mit ihrer Einschätzung, dass sich Söders Gedanken noch immer um die verlorene Kür zum Spitzenkandidaten der Union bei der vorletzten Bundestagswahl kreisten. Mehrfach kam er selbst auf das Thema zu sprechen. Schäuble hätte ihn damals als „zu dynamisch“ bezeichnet. Ihn habe Söder an Sebastian Kurz, Emmanuel Macron und „einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten“ erinnert. Seinen Einwand, jene hätten alle ihre Wahlen gewonnen, hätte den damaligen Bundestagspräsidenten nicht beeindruckt. Wenn er es darauf angelegt hätte, hätte er in der Bundestagsfraktion eine Mehrheit gehabt, zeigte sich Söder sicher. Auch die frühere Bundeskanzlerin sah er dabei auf seiner Seite. „Ich habe damals mit Angela Merkel lang’ darüber geredet“, erinnerte er sich. „Die sagte, du solltest das machen, weil du die meisten Ideen hast. Aber du musst wissen, es ist extrem schwer, weil eine CDU, die nicht den Kanzler stellt, noch schwieriger zu führen ist.“ Das habe für ihn wenig Sinn ergeben. Auch bundespolitisch zweifelte er an seinen Chancen. Ein großer Teil der Bevölkerung frage sich, ob es gut sei, wenn sie vom Hofbräuhaus in München geführt werde. „Als Politiker muss man ein Philanthrop im Allgemeinen sein, weil man im Speziellen manchmal zum Misanthrop werden könnte“, erklärte Söder pointiert seine Philosophie. Gegen den immer wieder gegen ihn erhobenen Vorwurf, er ändere schnell und häufig seine Positionen, setzte er sich zur Wehr. „Ich quatsch’ keinem was nach, aber ich hör’ wahnsinnig genau zu, was Leute sagen“, schilderte er gegenüber „Hotel Matze“-Host Matze Hielscher. „Wer mir genau zuhört, der kann echt hören, wo die Reise hingeht, weil ich robbe mich immer an Dinge heran, teste ein bisschen, wie jemand darauf reagiert.“ Trotz aller machtpolitischer Überlegungen wehrte sich Söder vehement gegen jede Form der Machtzuschreibung. Weder sei er ein „mächtiger Mann“ noch ein „Machtmensch“. Das klinge schon negativ – „ein bisschen wie der ‚Imperial March‘ von ‚Star Wars‘“. Gut, „durchsetzungsstark“ sei er, „Führungsstärke“ bringe er ebenfalls mit, aber Menschen in der Privatwirtschaft seien viel mächtiger als er. Aber finde sein Macht-Interesse nicht auch ihren Ausdruck in seiner Vorliebe für Serien wie „Game of Thrones“ (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/game-of-thrones/) ? Das bestätigte er nicht. Für ihn sei die Serie reines Entertainment. Anders als vielen Fans habe ihm die letzte Staffel „nicht so schlecht gefallen“, gestand er. Es sei ein „ziemlich kluger Moment“ gewesen, wenn der Eiserne Thorn durch einen Drachen eingeschmolzen werde. Das zeige, wie „lächerlich“ dieser als Ziel eigentlich gewesen sei. Ebenso verhalte es sich mit „House of Cards“ (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/house-of-cards/) . „Wahnsinnig viele“ Berliner Politiker hätten ihm damals erzählt, es stecke manches davon drin, wie es dort ablaufe. Das sehe er nicht so. „In Bayern ist die Welt natürlich ganz anders“, behauptete Söder. „Wir sind das Paradies.“ ‚Podcast-Radar‘ von vergangener Woche: „Für mich ist das eine verbohrte Linke“ – So wehrt sich ein Jurist gegen Reichinneks Anzeige (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69392a10c3b4893a9e2b3f84/heidi-reichinnek-fuer-mich-ist-das-eine-verbohrte-linke-so-wehrt-sich-ein-jurist-gegen-ihre-anzeige.html)