Welt 11.02.2026
16:59 Uhr

Handschellen-Schlüssel im Internet frei verfügbar – zwei Bundesländer prüfen nun Maßnahmen


Nach einem Vorfall in Bayern, bei dem sich ein Festgenommener offenbar mit einem im Netz erhältlichen Generalschlüssel aus Handschellen befreite, schlägt der Fall nun auch in Nordrhein-Westfalen Wellen. Die Polizei nutzt dasselbe Handschellenmodell.

Handschellen-Schlüssel im Internet frei verfügbar – zwei Bundesländer prüfen nun Maßnahmen

Infolge von Berichten über im Internet frei erhältliche Generalschlüssel für Handschellen der bayerischen Polizei zieht das Innenministerium Konsequenzen. „Wir prüfen sinnvolle Maßnahmen, die wir unternehmen können“, sagte ein Sprecher. „Dass passende Schlüssel zum Öffnen der Handfessel öffentlich verkauft werden, nehmen wir sehr ernst.“ Der Bayerische Rundfunk hatte zuerst darüber berichtet. Hintergrund war ein Fall in Mittelfranken, bei dem ein Festgenommener sich vermutlich aus Handschellen befreien konnte. Sehr schnell und sehr breit seien die Beamten bayernweit darüber informiert worden, dass solche Schlüssel im Umlauf sein könnten, erläuterte das Innenministerium dazu. Im Intranet der bayerischen Polizei werde ausdrücklich auf die potenzielle Gefahr hingewiesen. Das Herstellerunternehmen wisse um das Problem. „Nach unserer Kenntnis hat das Unternehmen bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt, um den Verkauf der Schlüssel zu untersagen“, sagte der Ministeriumssprecher. Beamte hatten in Mittelfranken im November einen Mann im Zuge wegen Verdachts auf ein Drogendelikt vorläufig festgenommen und mit Handschellen gefesselt. „Die Handschellen waren fest“, betonte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. In einem günstigen Moment habe der Mann die Flucht ergriffen. Die Beamten holten ihn schnell ein – aber die Handschellen waren verschwunden. Das Verschwinden der Handschellen beschäftigt nun auch die Polizei in Nordrhein-Westfalen. Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums teilte mit, die Polizei in NRW nutze das gleiche Modell der Handfessel wie die Polizei Bayern. Als zuständige Landesoberbehörde stehe das Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg bereits mit der bayerischen Polizei im Austausch und prüfe Auswirkungen auf Nordrhein-Westfalen, hieß es weiter. „Dass passende Schlüssel zum Öffnen der Handfessel öffentlich verkauft werden, nehmen wir sehr ernst“, hatte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums zuvor gesagt. Man prüfe sinnvolle Maßnahmen. „Das ist schon ein ziemlich dicker Hund“ Grundsätzlich sei der Hersteller für die Vertriebswege und mögliche Patentrechtsverletzungen verantwortlich, hieß es aus dem NRW-Innenministerium. Er verkaufe entsprechendes Equipment ausschließlich an Behörden und Unternehmen im Bereich der öffentlichen Sicherheit. „Das ist schon ein ziemlich dicker Hund“, sagte der NRW-Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Patrick Schlüter. „Man wird sicher das Gespräch mit dem Hersteller suchen, wie so was möglich ist. Und natürlich, man wird sich bei der künftigen Beschaffung von Handfesseln darauf einstellen.“ Für den Polizeialltag sei erstmal gut zu wissen, dass solche Generalschlüssel leicht verfügbar sind. „In der Praxis ist es aber ohnehin so, dass erstens Handfesseln nicht länger angelegt werden als nötig und zweitens Personen mit Handfesseln auch nicht fahrlässig aus den Augen gelassen werden“, erläuterte Schlüter. „Die Kolleginnen und Kollegen werden jetzt noch etwas mehr aufpassen müssen.“