In vielen europäischen Metropolen gehört der Sprung ins Stadtwasser längst zum Alltag: In Kopenhagen baden Menschen im Hafen, in Paris wieder in der Seine. Hamburg dagegen hat bislang keine einzige innerstädtische Badestelle – obwohl die Stadt von Wasser durchzogen ist. Zwar gibt es 16 offizielle Badestellen – doch sie liegen allesamt an Seen oder Naturfreibädern in den Außenbezirken der Stadt. Ein zentraler Ort an Alster oder Elbe existiert nicht. Das soll sich nun ändern. Die rot-grünen Regierungsfraktionen haben einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, der erstmals prüfen soll, ob sich die Flüsse in der Stadt oder die zahlreichen Kanäle für sichere Badeorte eignen. Hamburgs Gewässer prägen das Stadtbild, sind bisher jedoch nicht als Badezonen ausgewiesen – vor allem wegen Strömungen, Schiffsverkehr, Wasserqualität und naturschutzrechtlichen Vorgaben. Die Grünen verweisen darauf, dass die Forderung nach innerstädtischen Badestellen in der Bevölkerung seit Jahren wachse. Fraktionsvize Rosa Domm sagt, „der Wunsch ist eindeutig: Wir brauchen mehr Badestellen in unserer Stadt.“ Städte wie Kopenhagen oder Stockholm zeigten, wie sehr urbane Schwimmorte die Aufenthaltsqualität steigern. Hamburg solle deshalb prüfen, „wo naturnahe Badestellen möglich sind – an der Alster, die schon vor 100 Jahren ein Badeort war, aber auch an Bille, Dove Elbe oder den Kanälen“. Die geplante Standortanalyse sei für sie der erste Schritt, um „perspektivisch mehr Abkühlung und Erholung mitten in der Stadt“ zu schaffen. Bisherige Flussbad-Projekte waren an Sicherheits- und Umweltauflagen gescheitert. Auch das Nebeneinander von Wassersport, Naturschutz und Schiffsverkehr machte Planungen schwierig. Gleichzeitig gelten bestehende Badestellen außerhalb der Innenstadt als ausbaufähig – etwa bei Zugängen, Markierungen und Sichtbarkeit. Die SPD hält zusätzliche Badeorte ebenfalls für notwendig. Umweltpolitiker Alexander Mohrenberg betont, Hamburg müsse systematisch prüfen, welche Gewässer im Stadtgebiet infrage kommen könnten. „Wir wollen genau schauen, wo neue Badestellen entstehen können, die sicher, umweltverträglich und gut erreichbar sind“, sagt er. Entscheidend seien Strömungen, Naturschutz, Wasserqualität und Schiffsverkehr. Parallel dazu sollen bestehende Orte klarer ausgewiesen werden, um Hamburgs Profil als Wasserstadt zu stärken. Der Senat soll bis 2027 vorlegen, welche Standorte realistisch sind und wie sich urbane Badestellen technisch und ökologisch umsetzen lassen. Erst dann wird sichtbar werden, ob Hamburg dem europäischen Trend folgen kann – und ob der Sprung ins Stadtwasser künftig nicht nur ein Wunsch bleibt.