Wenn heute über eine Hamburger Olympia-Bewerbung abgestimmt werden würde, läge die Zustimmung knapp vorn. Das zeigt eine repräsentative Online-Befragung des Instituts Trend Research im Auftrag von Radio Hamburg, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. 50 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger sprechen sich demnach aktuell für eine Bewerbung für Olympische Sommerspiele ab 2036 aus, 41 Prozent lehnen sie ab, neun Prozent sind unentschieden. Eine deutliche Mehrheit ist das also nicht – doch die Tendenz weist in Richtung Zustimmung. Vor allem die jüngeren Hamburger zeigen sich aufgeschlossen: Unter den 16- bis 29‑Jährigen würden 64 Prozent für eine Bewerbung stimmen, bei den 30- bis 39‑Jährigen sogar 66 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt die Zustimmung jedoch deutlich – bei den über 60‑Jährigen liegt sie bei nur 34 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Männer befürworten Olympia etwas häufiger als Frauen. Geteilte Einstellungen entlang der Parteigrenzen Nach Parteipräferenzen ergibt sich ein gemischtes Bild. SPD‑Wähler (60 Prozent) und CDU‑Anhänger (53 Prozent) würden mehrheitlich für eine Bewerbung votieren. Auf der anderen Seite lehnen AfD‑Sympathisanten (52 Prozent), Grüne‑Wähler (51 Prozent) und Linke‑Anhänger (48 Prozent) das Projekt überwiegend ab. Die Zahl bei den Linken ist überraschend niedrig, ist die Partei doch vehementer Gegner einer Bewerbung – eventuell spielt hier auch die überschaubare Grundmenge der Befragten eine Rolle für die Statistik. Am 31. Mai 2026 entscheidet ein erneutes Referendum darüber, ob die Stadt offiziell in ein internationales Bewerbungsverfahren eintritt. Mindestens 262.609 Hamburger müssen mit „Ja“ stimmen, damit das Votum gültig ist. Bis dahin wird beiden Lagern viel daran liegen, ihre Unterstützer zu mobilisieren. Studie unterstreicht wirtschaftliche Bedeutung Die Olympia-Debatte erhielt zuletzt Rückenwind von aktuellen wirtschaftlichen Daten: Eine neue Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), vorgestellt von der Handelskammer Hamburg und Innensenator Andy Grote (SPD), zeigt, wie groß die ökonomische Bedeutung des Sports für die Hansestadt inzwischen ist. Demnach hängen rund 15.000 Arbeitsplätze in Hamburg direkt oder indirekt mit dem Sport zusammen, die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung beträgt 5,3 Milliarden Euro. „Der Sport stützt Wirtschaft, Gesellschaft und internationale Sichtbarkeit Hamburgs“, betonte Handelskammer-Präses Norbert Aust. Jeder im Sportsektor erwirtschaftete Euro löse zudem 2,4 Euro zusätzliche ökonomische Aktivität aus – etwa durch Veranstaltungen, Tourismus oder Dienstleistungen. Auch jeder Arbeitsplatz im engeren Sportsektor sichere im Schnitt 2,3 weitere Stellen in Bereichen wie Eventorganisation, Medienproduktion, Einzelhandel oder Gesundheitsdienstleistungen. Der Sport sei damit weit mehr als Vereinsleben und Wettkampf – er stärke Lebensqualität, Gesundheitsprävention und die Attraktivität der Stadt für Fachkräfte. Sportsenator Grote sieht darin einen deutlichen Hinweis auf mögliche Olympia-Effekte: „Wer noch einen Nachweis dafür braucht, wie Hamburg von Olympia profitieren kann, sollte diese Studie lesen.“