Hamburg wächst weiter – und seine Schulen wachsen mit. Jedenfalls vorerst. Die Schulbehörde verzeichnet im neuen Schuljahr so viele Schüler wie seit 45 Jahren nicht mehr. Insgesamt besuchen 270.904 Kinder und Jugendliche die staatlichen und privaten Schulen der Stadt. Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) sprach am Dienstag bei der Vorstellung der Schuljahresstatistik von einem „neuen Höchstwert“. Doch die anhaltend hohen Schülerzahlen seien auch eine Herausforderung, sagte die SPD-Politikerin. Das Mehr an Schülern braucht mehr Räume, mehr Lehrer, mehr Schulgebäude. Der Senat treibt seit Jahren ein milliardenschweres Ausbauprogramm voran, 21 neue Schulen sind seit 2019 entstanden. Allein drei waren es zum Anfang des laufenden Schuljahrs, erklärte Bekeris. Gleichzeitig meldet die Behörde eine Entwicklung, die Hamburg bundesweit hervorhebt: Der Ganztag erreicht in der Grundschule eine Beteiligung von 91 Prozent. Das Angebot gilt seit Längerem als nahezu flächendeckend, die Nachfrage steigt weiter. Für die Stadt ist dieser Wert ein Beleg für Akzeptanz und Qualität. Auch in der Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen oder besonderem Förderbedarf gibt es in diesem Schuljahr neue Marken. Mit einer Quote von 71,5 Prozent liegt die Stadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von gut 44 Prozent. Sieben von zehn Kindern mit festgestelltem Förderbedarf lernen inzwischen an einer Regelschule. Die Behörde führt diese Entwicklung auf langjährige Investitionen zurück. Gleichzeitig steigen die Förderbedarfe weiter an – besonders in den Bereichen Lernen, Sprache, emotionale Entwicklung und wegen neuer Diagnosen im Autismus-Spektrum. Aber auch die immer bessere Versorgung von extremen Frühchen, die später mit Beeinträchtigungen in die Schulen kommen, steige. Zudem kämen zunehmend mehr Eltern mit behinderten Kindern als Flüchtlinge nach Deutschland. Bewegung in die andere Richtung zeigt sich bei den internationalen Vorbereitungsklassen. Ihre Zahl ist seit dem Höchststand 2022 um 44 Prozent gesunken. Die Behörde wertet das als Entlastung. Gleichzeitig steigt der Anteil der Kinder, in deren Familien überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, weiter auf 34,9 Prozent. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir hier mit unserer viereinhalbjährigen Sprachuntersuchung und allen Sprachfördersystematiken schon ab der Kita nicht nachlassen, sondern sie weiter im Blick haben“, sagte Bekeris. Bemerkenswert ist zudem der Rückgang bei den Privatschulen. Ihr Anteil ist in Hamburg seit Jahren rückläufig und liegt nur noch bei 8,2 Prozent. Während in vielen Regionen Deutschlands die Nachfrage nach Privatschulen steigt oder stabil bleibt, geht sie in Hamburg kontinuierlich zurück. Das hat einerseits mit dem Auslaufen mehrerer katholischer Schulen zu tun, verändert aber auch die Lage für Familien, die Alternativen zum staatlichen System suchen. Gleichzeitig deutet der Trend darauf hin, dass staatliche Schulen stärker nachgefragt werden als in früheren Jahren. Was die Senatorin in der Pressekonferenz mehrfach betonte: Die Zusammensetzung der Schülerschaft verändert sich – und mit ihr der Anspruch an Schule selbst. Viele Kinder bringen zusätzliche Sprachförderbedarfe mit, immer mehr benötigen Unterstützung bei Lernen, Sprache oder emotionaler Entwicklung. Diagnosen im Autismus-Spektrum nehmen zu, ebenso psychische Belastungen. Bekeris sprach davon, dass sich diese Anforderungen „im Regelunterricht bündeln“ und für Lehrkräfte und andere Fachkräfte zum Kern ihrer täglichen Arbeit werden. Schule sei heute „mehr als ein Lernort, sie ist ein Lebensort“, sagte sie, an dem all diese Herausforderungen zusammenlaufen.