Bei der Kernfusion verschmelzen Atomkerne wie in der Sonne – und könnten nahezu unbegrenzt saubere Energie liefern. Hamburg und Schleswig-Holstein unterstützen die Erforschung der Kernfusion und sehen sich gut aufgestellt. Der Norden verfüge „über zwei Großforschungsinfrastrukturen von weltweiter Bedeutung und damit über ideale Voraussetzungen, die Fusionsforschung entscheidend voranzubringen“, sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). In der Metropolregion Hamburg steht der Röntgenlaser European XFEL, der Fusionsprozesse in Echtzeit sichtbar machen kann. Hauptgesellschafter der dazugehörigen Einrichtung ist das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, das als eines der weltweit führenden Beschleunigerzentren gilt und aktuell eine neuartige Röntgenlichtquelle mit Namen Petra IV errichten lässt. An Petra IV soll es auch Forschung geben, die später in Kernfusionskraftwerken eingesetzt werden kann. Ähnlich wie ihre Hamburger Kollegein Blumenthal äußerte sich Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Dorit Stenke (CDU). „Schleswig-Holstein und Hamburg sind Innovationsstandorte, die die Energie der Zukunft mitgestalten wollen und werden.“ Bei der Kernfusion werden Atomkerne nicht gespalten, sondern verschmolzen, wie es natürlich in der Sonne geschieht. Mit einer Kernfusion erzeugten Forscher Ende 2022 in den USA erstmals mehr Energie als sie bereitstellten. Ausgereift ist das Verfahren aber nicht. Um ein Kernfusionskraftwerk rentabel zu machen, müsse es möglich werden, 100 Mal so viel Energie bei der Fusion zu erhalten, als man in die Vorgänge hineingesteckt habe, erklärte Thomas Feurer, Vorsitzender der Geschäftsführung des European XFEL. „Aktuell erreicht man einen Faktor sechs.“ Im Fall eines Durchbruchs könnten Fusionskraftwerke künftig in großen Mengen CO₂-frei Energie erzeugen. Sechs Länder haben „Fusionsallianz“ gegründet Wie schon bekannt ist, hatten Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Hessen und Sachsen am 31. Oktober eine Allianz zur Fusionsforschung gegründet. Ziel der „Fusionsallianz“ ist, dass das erste kommerzielle Fusionskraftwerk in Deutschland entsteht. Die Allianz soll Forschung, Industrie und Politik vernetzen. Die Bundesregierung will für die Fusionsforschung bis 2029 mehr als zwei Milliarden Euro bereitstellen.