Hamburg treibt seine Olympia-Pläne weiter voran. Nach Abschluss der Bürgerdialoge hat der Senat am Dienstag die Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens vorgestellt. Mehr als 3000 Menschen informierten sich über die mögliche Bewerbung, rund 800 Rückmeldungen gingen ein. Das Konzept soll im Juni beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingereicht werden. Zur Diskussion steht eine Bewerbung für die Spiele 2036, 2040 oder 2044. Die Innenbehörde bezeichnete die Bürgerbeteiligung als wichtigen Baustein. Etwa ein Fünftel der Hinweise sei laut vorläufiger Prüfung direkt umsetzbar. Weitere 55 Prozent könnten in die Ausarbeitung einfließen. „Diese Spiele sind wie noch keine andere Konzeption auf unsere Stadt zugeschnitten“, sagte Sportsenator Andy Grote (SPD). Der Vorteil der Bewerbung liege darin, „dass sie perfekt in die Stadt passen“. Grote dankte den Teilnehmenden ausdrücklich: „Diese Spiele sind das, was wir gemeinsam daraus machen.“ Besonders häufig äußerten Bürger demnach Wünsche zu mehr barrierefreier Mobilität, einem breiten Rahmenprogramm in allen Stadtteilen sowie einer Modernisierung von Sportstätten. Zu den Vorschlägen, die Eingang ins Konzept finden sollen, gehören Public-Viewing-Zonen in allen Bezirken, niedrigschwellige Sportangebote, eine „Schul-Olympiade“ vor Beginn der Spiele sowie konkrete Ideen zur Nachnutzung der Sportinfrastruktur. Online sprachen sich Teilnehmende außerdem mehrheitlich für Trendsportarten wie Rettungsschwimmen oder Stand-up-Paddling aus. Projektleiter Steffen Rülke betonte den Wert der Rückmeldungen: „Unser Ziel war es, denen intensiv zuzuhören, die uns am besten sagen können, welche Themen sie für besonders wichtig halten.“ Das Ergebnis mit über 800 konstruktiven Vorschlägen zeige „das große Interesse und die Chance“, die Spiele für Hamburg bieten könnten. Unterstützung kam auch aus dem Sport. Die Paralympics-Siegerin Edina Müller sagte, Barrierefreiheit sei „ein Thema, das uns alle im Alltag betrifft“. Die Spiele könnten helfen, die Stadt inklusiver zu machen. Björn Lengwenus, Schulleiter und Keynote-Speaker bei einem Bürgerdialog, betonte den pädagogischen Wert: „Die Spiele als gemeinsames Ziel können uns helfen, Kinder und Jugendliche für Bewegung und Gesundheit zu begeistern.“ Der Senat wirbt damit, dass die Bewerbung auf bereits bestehende oder ohnehin geplante Anlagen setzt und keine aufwendigen Neubauten vorsieht. Das Olympische Dorf wäre im bereits entstehenden Quartier der Science City Hamburg Bahrenfeld geplant. In den kommenden Wochen soll eine Informationskampagne starten, unterstützt von Sportgrößen wie Alexander Zverev und Horst Hrubesch. Am 31. Mai werden die Hamburgerinnen und Hamburger darüber abstimmen, ob die Stadt als deutscher Bewerber ins Rennen gehen soll. Die politischen Reaktionen fielen wie immer unterschiedlich aus. CDU-Fraktionschef Dennis Thering erklärte: „Die Hamburger CDU ist Feuer und Flamme für Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg.“ Nun komme es darauf an, ein „transparentes und tragfähiges Finanzierungskonzept“ vorzulegen und „echte Präsenz in den Stadtteilen“ zu zeigen, um auch skeptische Hamburgerinnen und Hamburger zu erreichen. Die Linksfraktion sieht das Beteiligungsverfahren hingegen wie stets kritisch. Deren sportpolitischer Sprecher Martin Wolter sprach von einem „schlechten Witz“ und einer „Showveranstaltung“. Der Senat tue so, „als trage die Bewerbung die Handschrift der Hamburgerinnen und Hamburger“, obwohl nur ein Bruchteil der Bevölkerung teilgenommen habe. Auch die AfD äußerte Zweifel. Fraktionschef Dirk Nockemann warf dem Senat vor, die Stadt zu überfordern: „In Hamburg brechen ÖPNV und Straßenverkehr bereits zusammen, wenn es etwas mehr als üblich schneit.“ Olympia sei ein „milliardenschweres Risiko“, ohne verlässliche Finanzierung. Die heutige Vorstellung bezeichnete er als „politische Selbstinszenierung“. Bis zur Volksabstimmung Anfang Sommer bleibt dem Senat nun Zeit, sein Konzept weiter zu schärfen – und vor allem Fragen der Finanzierung zu beantworten.