Hamburg gilt als wichtigste deutsche Stadt für Musiktourismus – doch nach Ansicht des Branchenverbands Hamburg Music Business e.V. schöpft die Hansestadt ihr Potenzial bislang nicht aus. In einem neuen Positionspapier, das am Donnerstag veröffentlicht wurde, fordert der Verband eine klare strategische Neuausrichtung, um Hamburg national abzusichern und international als Top‑5‑Standort im Musikreise-Segment zu etablieren. Laut dem Papier generierte Musiktourismus bereits 2019 Umsätze von 914 Millionen Euro. Musikangebote wie Musicals, Konzerte oder Festivals sind demnach der wichtigste Reiseanlass für Hamburg-Besucher – noch vor Hafen, Gastronomie und Sport. 84 Prozent der potenziellen Inlandstouristen bewerten das Musikangebot der Stadt als attraktiv. Besonders stark wirkt es bei Menschen unter 35 Jahren, für die Musik häufig der ausschlaggebende Reisegrund ist und die zugleich langfristig als Fachkräfte gebunden werden könnten. Der Verband sieht dennoch erheblichen Handlungsbedarf. Um Wachstum und internationale Sichtbarkeit auszubauen, brauche es eine „strategische Offensive“ in drei Bereichen: neue Formate, internationales Marketing und bessere Koordination der Akteure. Dafür fordert Hamburg Music zusätzliche Mittel, um innovative, reichweitenstarke Angebote zu entwickeln – vor allem für junge Zielgruppen und internationale Besucher. Die hohe digitale Vernetzung dieser Gruppen könne für organische weltweite Sichtbarkeit der Marke Hamburg genutzt werden. Parallel brauche die Stadt eine gezielte Vermarktung ihres musikalischen Profils im Ausland. Hamburg solle stärker auf internationalen Festivals, Konferenzen und Kreativbranchen-Events präsent sein, um sein Image als Musikmetropole auszubauen. Darüber hinaus plädiert der Verband für eine verbindliche Abstimmung zwischen Musikwirtschaft, Tourismus und Behörden. Vorgeschlagen wird die Schaffung eines zentralen Erlebnisortes auf St. Pauli, der Hamburgs Popkultur und musikalisches Erbe bündelt und als „Schaufenster der Musikstadt“ dienen soll. Als Finanzierungsbasis verweist Hamburg Music auf die bestehende Kultur- und Tourismustaxe. Da Musik laut Verband der wesentliche Treiber des Tourismus sei, sollten Einnahmen daraus gezielter in den Musiktourismus zurückfließen – eine „Kulturdividende“, die neue Angebote ermögliche und die internationale Positionierung stärke. Dies, so der Verband, würde nicht nur Tourismus und Musikwirtschaft zugutekommen, sondern die globale Wahrnehmung der Marke Hamburg insgesamt.