Welt 20.12.2025
07:07 Uhr

Gute Geschäfte am Nil


Die Messe Düsseldorf betreibt in Kairo eine große Nahrungsmittel- und Verpackungsmesse. Nun folgen weitere Schauen in den Golfstaaten. In der wirtschaftlich boomenden Region ist die Koelnmesse ebenfalls aktiv.

Gute Geschäfte am Nil

Auf einem Stand der Food Africa Cairo werden Wolfram N. Diener einzelne, in Kunststoffhüllen verpackte Datteln präsentiert. Es gibt sie mit dunkler, heller und weißer Schokolade umhüllt, alle wurden in Ägypten produziert und vor Ort maschinell verpackt. „Die schmecken ganz ausgezeichnet“, lobt der Chef der Messe Düsseldorf die heimischen Spezialitäten. Kurz vor seinem Rundgang hatte Diener die Messe eröffnet, gemeinsam mit ägyptischen Würdenträgern.   Die Food Africa gibt es mittlerweile zehn Jahre, 2019 hatten die Düsseldorfer in Kairo parallel dazu einen regionalen Ableger ihrer Leitmesse Interpack gegründet, drei Jahre erfolgte eine Beteiligung an der Food Africa. Seither ist die Ausstellerzahl des Messe-Duos für Nahrungsmittel- und Verpackungstechnologie um 63 Prozent auf mittlerweile 1200 gestiegen, wie Diener in Kairo berichtete. Die Stadt sei ein „strategischer Brückenkopf“, Ägypten das zentrale Bindeglied in der Region Nahost und Nordafrika.   Das sehen wohl auch NRW-Unternehmen so, die sich auf der Messe präsentierten.  „Allein der ägyptische Markt bietet schon sehr viel Potenzial“, sagte Stefan Spanel von der Münsterländer Firma Kreyenborg. Am deutschen Gemeinschaftstand, der von der Bundesregierung gesponsert wurde, präsentierte er Maschinen für die Lebensmittelindustrie, mit deren Hilfe Nüsse geröstet und Kräuter wie Petersilie, Basilikum, Thymian und Oregano oder Saaten keimreduziert werden können. All diese Pflanzen wachsen im fruchtbaren Nildelta und darüber hinaus. Eine komplette Kreyenborg-Anlage, die mit Infrarot-Licht arbeitet, ist interessant für Produzenten, die Lebensmittel für den Export verarbeiten. „Die Kunden möchten so etwas schlüsselfertig per Container geliefert bekommen“, berichtete der 36-jährige Münsterländer, der bereits zum zweiten Mal nach Kairo gekommen ist. „Dieses Jahr sind mehr Aussteller und Besucher da“, hat Spanel beobachtet. Das scheinen die Zahlen zu bestätigen, die nach Ende der Veranstaltung vonseiten der Messe Düsseldorf verkündet wurden: Rund 37.000 Besucher kamen demnach auf das „Egypt International Exhibition Center“, das eigens erweiterte Messegelände mit einer zusätzlichen Leichtbauhalle sei komplett ausgebucht gewesen. Deutsche Technik ist gefragt Ein paar Stände weiter beriet Erik Döinghaus aus Salzkotten bei Paderborn einen Messebesucher aus Pakistan. Der Familienunternehmer demonstrierte an Kuchenstücken und Sahneschnitten seine Ultraschallklingen. „Durch die Verwendung von Ultraschall wird im Vergleich zum herkömmlichen Schneiden der Druck auf das Produkt um 90 Prozent reduziert, dadurch ist diese Technologie perfekt geeignet, um weiche, cremige, klebrige, mehrschichtige oder gefrorene Lebensmittelprodukte sauber, glatt und hygienisch zu schneiden“, sagte der Ostwestfale, der auch Maschinen für große deutsche Konzerne baut. Döinghaus hofft auf gute Geschäfte im neuen Markt Nordafrika, seine Firma hat bereits nach Südafrika und Saudi-Arabien verkauft. Den Stand hat die Messe Düsseldorf nach den Vorgaben der Aussteller gebaut, dort gab man sich sehr zufrieden. Und bei Lothar A. Wolf Spezialmaschinen aus Bad Salzuflen konnte Regionalmanager Feras Saado in Kairo sogar einen Deal mit einem langjährigen Kunden auf der Messe abschließen. „Die erstmalige Teilnahme an der Messe war für uns erfolgreich“, so Saado, dessen Firma auf die Süßwarenindustrie spezialisiert ist und etwa Maschinen für die Verarbeitung von Schokoladenmassen herstellt. Man habe in Kairo viele gute Kontakte knüpfen und wichtige Gespräche mit potenziellen Geschäftspartnern führen können, der nordafrikanische Markt sei „ein sehr wichtiger und zukunftsrelevanter“, so Saados Fazit. Die deutschen Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sind „derzeit auf der sonnigeren Seite“, sagt Richard Clemens, Geschäftsführer dieses Bereichs beim Branchenverband VDMA. „Gegessen und getrunken wird immer.“ Während der Maschinenbau derzeit schwächelt, machten die 350 bis 400 deutschen Hersteller aus diesem Bereich noch gute Geschäfte. „Man muss auch vor Ort präsent sein“, so der VDMA-Mann gegenüber WELT AM SONNTAG. Denn nicht alle potenziellen Kunden schafften es nach Düsseldorf zur großen Interpack-Messe, da sei Kairo ein guter Standort. Clemens und sein Verband haben die Messe Düsseldorf ausdrücklich bestärkt, nach Ägypten zu kommen.  Denn viele Lebensmittel-Produzenten aus der Region seien an neuester und effizienter Verpackungstechnik sehr interessiert, werde doch in dem Bereich sehr gut verdient. Ägypten sei ein sehr „süßer Markt“, so Clemens mit Hinweis auf die vielen Dattel- und Schokoladenprodukte, die in den Messehallen frisch verpackt aus den Maschinen springen. Bei der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Kairo berichtet Geschäftsführerin Maren Diale-Schellschmidt, dass rund 1500 deutsche Firmen in Ägypten aktiv sind, teilweise mit eigenen Niederlassungen. Nach einer Währungskrise zwischen 2022 und 2024 florierten die Geschäfte wieder, ägyptische Firmen hätten nun auch wieder ausreichend Devisen zum Kauf ausländischer Produkte. „Das derzeitige jährliche Wachstum hier liegt bei etwa fünf Prozent, auch die Aussichten für die kommenden Jahre sind gut.“ Die AHK in Kairo ist auch für die Länder Jordanien und Libanon zuständig und vertritt neben der Unterstützung von Unternehmen beim Markteintritt unter anderem die beiden großen NRW-Messen in Düsseldorf und Köln.  „Wir akquirieren sowohl Aussteller als auch Besucher“, erläutert Maren Diale-Schellschmidt. Unter anderem betreue man Aussteller aus der Region auf Messen wie die Medica und Boot in Düsseldorf und die Anuga in Köln, die weltgrößte Nahrungsschau, und organisiere auch häufig Besucherdelegationen zu den deutschen Messen. Für hier ansässige Firmenvertreter wie auch für Besucher sei Kairo eine sichere Stadt. „Und die Menschen hier sind sehr freundlich“, betont die aus Norddeutschland stammende Geschäftsführerin. Freundlich lächelt auch Abdel Fatah El-Sisi allerorten in Kairo von großen Plakatwänden. Doch der Präsident, der  2015 auf Einladung der Bundesregierung zum Staatsbesuch in Deutschland gewesen ist, herrscht mit harter Hand, Ägypten gilt in vielen westlichen Ländern jedoch als Stabilitätsanker in einer unruhigen Region. Und bei der Eröffnung der Kairoer Messen dankten die ägyptischen Redner auch pflichtbewusst \"der politischen Führung\" für ihre große Unterstützung.  Angst vor den Messe-Riesen Für die Messe Düsseldorf bildet Ägypten aber auch den Ausgangspunkt für eine weitere Expansion im Mittleren Osten, dem weltweit am schnellsten wachsenden Messemarkt. „Das hohe Potenzial des Mittleren Ostens wollen wir unseren Kunden erschließen und den Messestandort Düsseldorf durch starke internationale Aushängeschilder stärken – nicht nur in Kairo, sondern zukünftig auch in Dubai und Riad“, sagt Diener am Rande der Messe in Kairo. Nachdem die Düsseldorfer dieses Jahr ein eigenes Büro in Dubai eröffnet und ihre erste Messe in Saudi-Arabien veranstaltet haben, folgen 2026 fünf Messepremieren auf der arabischen Halbinsel.  Dass die Düsseldorfer wie auch die Koelnmesse verstärkt ausländische Märkte bespielen, liegt einerseits an den Wachstumsraten in Asien, Südamerika, Afrika und Nahost. Andererseits möchten die kommunalen Messegesellschaften dort Plätze besetzen, bevor es Milliardenkonzerne aus London und Dubai tun.  „Die haben bedeutend tiefere Taschen als wir“, sagt Wolfram N. Diener mit Bezug auf die Kapitalkraft dieser Konzerne. Dennoch gehöre die Messe Düsseldorf bereits zu den profitabelsten Messegesellschaften weltweit. Ihre Rendite betrug Diener zufolge vergangenes Jahr 18,3 Prozent, an die Gesellschafter wurden 31,5 Millionen Euro ausgeschüttet, in diesem Jahr 22 Millionen Euro. Damit das so bleibt und die Düsseldorfer in der weltweiten Messebranche möglichst weiterhin vorne mitspielen, treiben sie unter anderem ihr internationales Neugeschäft voran.   Die neuen und kleineren Auslandsmessen holten auch viele Aussteller und Besucher zu den  \"Mutterveranstaltungen\" in Düsseldorf, das wünschten sich auch die kommunalen Eigentümer, kurbeln Messen doch die gesamte Wirtschaft in einer Stadt an. „Wir müssen eben kreativ sein“, so Diener. Das Düsseldorfer Messeportfolio werde 2026 um zwei Messen in Riad und drei in Dubai wachsen – darunter Leistungsschauen für Arbeitsschutz und -gesundheit sowie Gesundheits- und Pflegethemen. Und die Kölner halten es ganz ähnlich, mit drei eigenen Messen in Saudi-Arabien und einer vierten in Planung. In Saudi-Arabien gebe es derzeit eine Art Goldrausch, obwohl ein Messegelände nach internationalen Standards gerade erst im Bau ist, sagt Diener. „Man muss dort auch jetzt als Messeveranstalter hin und seinen Claim abstecken.\"   Als am zweiten Messetag in einem Hotel das zehnjährige Bestehen der „Food Africa Cairo“ mit einem alkoholfreien Abendessen gefeiert wird, tritt während der Vorspeise die ägyptische Star-Sängerin Ruby auf. Viele Ägypter und Gäste aus anderen Ländern der Region hält es da nicht mehr auf den Stühlen, sie tanzen vor der Bühne, machen mit ihren Handys Bilder und Filme, die Stimmung ist ausgelassen. Da müssen auch Wolfram N. Diener und seine Mitarbeiter mitziehen, zwischen den Tischen tanzen und klatschen die Düsseldorfer im Rhythmus der orientalischen Musik. Auch das gehört wohl dazu, wenn man in Ländern wie Ägypten gute Geschäfte machen will.   Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von der Messe Düsseldorf. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie im Internet unter: go2.as/unabhaengigkeit