Welt 18.12.2025
15:48 Uhr

Günstiger fahren ab 67 – aber „Senioren kommen unter SPD und Grünen immer als Letzte“


Ab Mai 2026 kostet das Deutschlandticket für Menschen ab 67 Jahren in Hamburg nur noch 49 Euro. Wer bereits ein Abo hat, wird automatisch umgestellt – ohne zusätzlichen Aufwand. Der HVV rechnet mit bis zu 6000 zusätzlichen Abonnenten.

Günstiger fahren ab 67 – aber „Senioren kommen unter SPD und Grünen immer als Letzte“

Hamburg führt zum 1. Mai 2026 ein vergünstigtes Deutschlandticket für Senioren ein. Menschen ab 67 Jahren sollen künftig 49 Euro im Monat zahlen. Verglichen mit dem regulären Preis von künftig 63 Euro liegt der Unterschied bei 14 Euro. Der HVV wird alle bisherigen Abonnenten im entsprechenden Alter automatisch auf die günstigere Zahlung umstellen. 78.000 Hamburger über 67 Jahren haben aktuell bereits ein Deutschlandticket. Durch den neuen niedrigeren Preis erwartet der HVV, so Geschäftsführerin Anna-Theresa Korbutt, etwa 4500 bis 6000 neue Abonnenten. Ein Großteil von ihnen nutzt aktuell die Bezahlkarte für Bus und Bahn, mit der jede Fahrt abgerechnet wird. Der neue niedrigere Preis mache den Einstieg ins Abonnement attraktiv. Politisch markiert das Modell das Ende einer langen Debatte. In den vergangenen Jahren hatte der Senat mehrere neue Modelle für das Deutschlandticket geschaffen – vom kostenlosen Schülerticket über Azubi- und Semestertickets bis hin zum Ticket mit Sozialrabatt. Nur das Seniorensegment blieb lange unangetastet. Gerade deshalb fällt die Kritik deutlich aus. Die CDU erinnert daran, seit 2023 viermal ein Seniorenticket beantragt zu haben – jedes Mal ohne Erfolg. Jetzt, Jahre später, komme die Lösung doch. „Die Senioren kommen unter SPD und Grünen immer als Letzte“, sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering. Der Preis von 49 Euro und der Start erst ab 67 Jahren nennt er unzureichend. Thering verweist auf Mecklenburg-Vorpommern, wo Senioren ab 65 seit Längerem einen Rabatt von 20 Euro erhalten. Hamburg sei spät dran – und weniger großzügig. Der Bund der Steuerzahler kritisiert nicht die Idee eines Seniorentickets, sondern ihre Ausgestaltung. Landesvorsitzender Sascha Mummenhoff spricht von einem Modell „mit breiter Streuung, aber geringer Treffsicherheit“. Ein Rabatt für alle ab 67, unabhängig vom Einkommen, sei „kein zielgerichtetes Instrument. Alter ist kein Sozialkriterium.“ Mummenhoff verweist zugleich auf die wachsenden Kosten: Die Ticketsubventionen rund um das Deutschlandticket summieren sich bald auf rund 200 Millionen Euro im Jahr. Das neue Seniorenticket, so hatte es der Senat vorgerechnet, verursache zusätzliche Kosten von sechs Millionen Euro im Jahr 2026 und neun Millionen ab 2027. Und das in einer Phase, in der der Senat von „schwierigen Haushaltsbedingungen“ spreche, erklärte Mummenhoff. Besonders kritisiert der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes, dass der HVV zugleich Einzel- und Tageskarten spürbar verteuere. Das treffe Menschen, die kein Abo abschließen könnten, überproportional – darunter viele ältere Hamburger. Einlösung eines „politisch gegebenen“ Versprechens Von der Linksfraktion kommt inhaltlich ähnliche Kritik: Für Senioren mit knappen Budgets sei der monatliche Preis weiterhin hoch. „49 Euro lösen das Problem steigender Altersarmut nicht. Wer eine altersfreundliche Stadt will, muss günstiger werden – 29 Euro wären angemessen“, sagte der seniorenpolitische Sprecher Deniz Celik. Zudem fordert die Linke, den Sozialrabatt auszuweiten, sodass auch Menschen im Wohngeldbezug profitieren. Viele ältere Hamburger würden vom bestehenden Rabatt ausgeschlossen. Aktuell gilt dieser in der betroffenen Altersgruppe nur für Empfänger von Grundsicherung im Alter. Der Senat stellt das Seniorenticket als Ergänzung innerhalb der bestehenden Tarifstruktur dar. Ein 29-Euro-Modell wäre angesichts der aktuell schwierigen Haushaltslage Hamburg nicht machbar. In der Pressekonferenz zur Vorstellung des Tickets sprach Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) dennoch von einem notwendigen Schritt: Es sei ein „politisch gegebenes Versprechen“, das man trotz angespannter Haushalte einlösen wolle. Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) rechnete vor, dass sich durch das neue Seniorenticket eine finanzielle Entlastung von jährlich 168 Euro ergäbe. „Das Deutschlandticket ist nicht nur ein Turbo für die Verkehrswende, sondern auch ein zutiefst soziales Instrument, um günstige Mobilität für alle zu ermöglichen“, sagte er. Lob kam von der Arbeiterwohlfahrt, die in Hamburg mehr als 130 Einrichtungen betreibt und dabei auch stark die Senioren der Hansestadt im Blick hatte. Vorsitzende des AWO-Präsidiums ist die kürzlich in den Ruhestand getretene Sozialstaatsrätin Petra Lotzkat. Insbesondere ältere Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen könnten durch das neue Seniorenticket „günstiger mobil sein und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen – und das deutschlandweit“, sagte Lotzkat.