Welt 07.01.2026
15:01 Uhr

„Große Erleichterung“ – Berliner Süden ist wieder vollständig an die Stromversorgung angeschlossen


Nach dem Brandanschlag im Berliner Südwesten fließt der Strom früher als ursprünglich geplant wieder. Die Schulen bleiben aber vorerst geschlossen. Berlins Regierender Bürgermeister Wegner kündigt an, man werde aus dem Blackout „die notwendigen Schlüsse“ ziehen.

„Große Erleichterung“ – Berliner Süden ist wieder vollständig an die Stromversorgung angeschlossen

Nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Energieversorgung für das betroffene Gebiet wieder hergestellt. Ab 11 Uhr morgens wurden die betroffenen Haushalte schrittweise wieder an das Stromnetz angeschlossen. Nach Angaben von Berlins Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) herrscht seit 14.10 Uhr wieder Vollversorgung. Damit konnten die Reparaturarbeiten einen Tag früher als geplant abgeschlossen werden. „Heute ist ein guter Tag“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). „Das ist eine große Erleichterung für die Berlinerinnen und Berliner – aber auch für mich ganz persönlich.“ Die erfolgreiche Reparatur des Netzes ist an der Stelle des Anschlags, einer Kabelbrücke über den Teltowkanal, erfolgt. Parallel war an einer Ausweichlösung an der Argentinischen Allee in Zehlendorf gearbeitet worden. „Möglich wurde das auch, weil wir die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben. Es war richtig, parallel an zwei Standorten zu arbeiten – so konnten die Reparaturen schließlich am Anschlagsort erfolgreich abgeschlossen werden“, sagte Wegner. Den Moment der Inbetriebnahme, den Wegner in der Leitstelle des Landesunternehmens Stromnetz Berlin verfolgt hatte, bezeichnete er als „sehr bewegend“. Am Mittwochmorgen waren nach dem als Linksextremismus eingestuften Anschlag auf die Stromversorgung noch rund 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom gewesen. Sie sind nun alle wieder am Netz. Der Netzbetreiber bat seine Kunden, die wieder versorgt wurden, den Verbrauch zunächst „auf ein unbedingt notwendiges Minimum zu beschränken“. In der Warn-App NINA wurden die Bürger dazu aufgefordert (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article695e23204d1d5f581eeae15e/stromausfall-die-reinste-posse-berliner-handywarnmeldung-um-9-30-uhr-sorgt-fuer-grosse-verwirrung.html) , privat betriebene Notstromaggregate zwingend bis 10.30 vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden. Ursprünglich hatte Stromnetz Berlin die Wiederherstellung der Versorgung für Donnerstag angekündigt. „Ich danke allen Beteiligten für die schnelle und professionelle Lösung dieser Krise“, sagte Wegner. „Es ist mir persönlich wichtig, dass wir jetzt die Menschen beim Wiederhochfahren unterstützen, damit insbesondere Heizungsanlagen keinen Schaden nehmen.“ Man werde aus dieser Lage „die notwendigen Schlüsse“ ziehen und die Resilienzstruktur Berlins weiter verbessern. Dazu gehört vor allem der Ausbau der Videoüberwachung. Durch die im Dezember beschlossene Verschärfung des Allgemeinen Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Berlin (ASOG) wurde die Videoüberwachung gefährdeter Objekte vereinfacht. Giffey sagte, beim Schutz konzentriere man sich nun auf die Punkte, die angreifbar seien und mit hohen Schäden bei einem Stromausfall verbunden wären. „Das ist ein zweistelliger Bereich von neuralgischen Punkten“, die für eine Videoüberwachung infrage kämen. Es gebe dann Schutz durch „optische, thermische und mechanische Sensorik“. Die während des Stromausfalls geschlossenen Schulen sollen noch bis Ende der Woche geschlossen bleiben. Nach einem länger andauernden Stromausfall seien umfangreiche technische Prüfungen der Gebäude erforderlich, unter anderem der Brandmeldeanlagen, sicherheitsrelevanter Systeme sowie weiterer technischer Einrichtungen, teilte die Senatsverwaltung für Bildung mit. Darüber hinaus benötigten die Schulgebäude ausreichend Zeit, um wieder vollständig beheizt und betriebsbereit zu sein. „Ein regulärer Unterrichtsbetrieb ist unter diesen Bedingungen kurzfristig nicht verantwortbar.“ Erst am kommenden Montag soll der Schulbetrieb regulär wieder aufgenommen werden, bis dahin gilt eine Notbetreuung. Grund für den großflächigen Stromausfall war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal, zu dem sich die linksextremistische „Vulkangruppe“ bekannt hat. Ab Samstagfrüh waren zunächst insgesamt 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom. Ermittler stuften ein Bekennerschreiben der Organisation namens „Vulkangruppe“ als glaubwürdig ein. Zunächst ermittelte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Zuletzt übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.