Welt 07.02.2026
18:08 Uhr

Goldfavorit Loch patzt, aber ein anderer Deutscher brilliert trotz Schmerzen


Felix Loch fuhr diesen Winter so stark wie lange nicht mehr, doch bei den Olympischen Winterspielen erlebt er einen Tag zum Vergessen. Das Podest? Für den dreimaligen Rodel-Olympiasieger in weiter Ferne. Sein Teamkollege Max Langenhan aber ist auf Goldkurs.

Goldfavorit Loch patzt, aber ein anderer Deutscher brilliert trotz Schmerzen

Felix Loch ist völlig konsterniert. Minutenlang steht Deutschlands Gold-Hoffnung einfach nur im Zielbereich, sieht andere Athleten jubelnd und lachend vom Schlitten steigen – und schüttelt selbst einfach nur den Kopf. Mehrmals wendet sich der jahrelang dominierende Rodler auch den vielen deutschen Fans im Zielbereich des olympischen Eiskanals von Cortina d’Ampezzo (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article6981ecc506b45afdb339bdc1/rodeln-bob-skeleton-olympia-wird-in-den-ersten-vier-kurven-entschieden.html) zu, zuckt ratlos mit den Schultern und winkt ihnen entschuldigend zu. Es war erst der erste Lauf des olympischen Rodel-Wettbewerbs, doch für den 36-Jährigen rückten die Medaillenränge da bereits in die Ferne. Er hätte im zweiten Durchgang eine famose Aufholjagd starten müssen, um in den Läufen drei und vier am Sonntag noch um die Medaillen kämpfen zu können. Doch das blieb aus. Sechs Zehntelsekunden sind es für Loch zur Medaille – kaum aufzuholen. In einer Saison, die bis zu diesem Zeitpunkt seine beeindruckende Rückkehr in die Erfolgsspur (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article6985f663a935daff393e2771/olympia-2026-felix-loch-wenn-man-meinen-grossen-fragt-was-er-mal-werden-will-sagt-er-rodler.html) markierte, funktioniert ausgerechnet bei den Winterspielen nichts. Ganz anders, nämlich exzellent, lief es für seinen Teamkollegen: Weltmeister Max Langenhan, bisher ohne Saisonsieg, ist auf Goldkurs. Dabei wusste der 26-Jährige morgens noch nicht, ob er starten kann. „Ich habe ziemliche Nackenschmerzen, bin um 4.00 Uhr aufgewacht und konnte mich gar nicht bewegen“, berichtete Langenhan nach dem zweiten Lauf. Doch die Physiotherapeuten bekamen ihn fit genug für den Wettbewerb – und fit genug zur Führung. „Ich weiß nicht, warum ich mich verlegen habe“, sagte er, „aber ich muss gleich noch mal auf die Liege. Ich konnte ja gar nicht ordentlich starten.“ Für Loch ist es bitter. Nach seinen Einzel-Olympiasiegen 2010 und 2014, seinem Drama von Pyeongchang 2018, als er nach einem groben Fehler im Finaldurchgang von Platz eins auf fünf zurückfiel, sowie Platz vier 2022 in Peking schien jetzt alles bereitet für seine Rückkehr auf das olympische Podest. Er startete so stark in die Saison wie lange nicht mehr und reiste als Führender des Gesamtweltcups nach Cortina d’Ampezzo. Meter für Meter verlor Loch an Zeit Dann aber kam der erste Lauf des olympischen Wettbewerbs. Nach einem Startrekord von 3,497 Sekunden touchierte der 36-Jährige direkt die Bande – und verlor viel Tempo. Später hatte er weitere Unsauberkeiten und kämpfte um die Linie. Die ganz in Rot gekleideten Betreuer und Trainer aus Deutschland verfolgten an einem Bildschirm im Zielbereich jede Bewegung des siebenmaligen Einzel-Weltmeisters – und schlugen sich dabei mehrfach die Hände vors Gesicht. Immer wieder ging ein Raunen von der Gruppe aus. Im Ziel betrug Lochs Rückstand auf den vor ihm gestarteten Langenhan 0,494 Sekunden. Langenhan, der 26 Jahre alte Weltmeister der vergangenen beiden Jahre, führte nach dem ersten Durchgang das Feld knapp vor dem Österreicher Jonas Müller und dem Italiener Dominik Fischnaller an. Der dritte deutsche Starter, Timon Grancagnolo, lag auf Rang acht. Auf Bronze fehlten Loch bereits mehr als drei Zehntelsekunden. Drei herausragende Läufe hätte Loch nun gebraucht. Im zweiten Durchgang unterliefen ihm dann zwar weniger Fehler, dennoch musste er kleinere Korrekturen vornehmen und bekam den Schlitten einfach nicht richtig zum Laufen. Meter für Meter verlor er an Zeit. Im Ziel angekommen, pressten die deutschen Trainer und Betreuer kollektiv die Lippen aufeinander und klatschten Beifall. Mehr als Aufmunterung, denn als Jubel. Schreckmoment für Langenhan, doch er fährt stark Loch stieg vom Schlitten, winkte kurz und schaute sich dann den Lauf von Langenhan an. Später sagte er: „Die Zeit verliere ich von oben nach unten, auch im zweiten Lauf. Es scheint vielleicht nicht genau das richtige Setup zu sein. Es wollte einfach nicht, es gibt so Tage, solche Rennen. Schade, dass es gerade bei Olympia passiert.“ Auch Langenhan berührte im zweiten Lauf kurz nach dem Start die Bande. Doch der Schreckmoment wich Erleichterung, denn der 26-Jährige büßte kaum Tempo ein und fuhr trotz des Fehlers Bahnrekord – Vorsprung ausgebaut. Sein erster Weg führte ihn zu einer kleinen Family-Videobox für die Athleten. Ein kurzer Austausch mit seiner Familie, er jubelte, reckte die Arme hoch. Für Langenhan hätte dieser Tag nicht besser starten und auch nicht besser enden können. 0,162 Sekunden führt er vor Müller, 0,298 Sekunden liegt Fischnaller zurück, Loch bereits 0,919 Sekunden, knapp dahinter Grancagnolo. Sonntag geht es für ihn ab 17 Uhr um Gold. Melanie Haack ist Sport-Redakteurin und seit 2012 für WELT bei Olympischen Spielen für WELT vor Ort – aktuell ist sie in Cortina. Hier finden Sie alle ihre Artikel. (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/melanie-haack/) Stephan Flohr berichtet zwar auch über Fußball, aber zwischen Oktober und April über die beste Sportart der Welt: Eishockey – und zurzeit über die komplette olympische Wintersportwelt. Er ist bei den Winterspielen 2026 vor Ort in Cortina. Hier finden Sie seine Artikel. (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/stephan-flohr/)