Welt 08.02.2026
13:14 Uhr

Gold knapp verpasst – Beim Vonn-Drama holt Aicher die erste deutsche Medaille


Am zweiten Tag der Olympischen Winterspiele gewinnt Deutschland die erste Medaille. Skifahrerin Emma Aicher verpasst in der Abfahrt Gold nur um einen Wimpernschlag. Überschattet wird das Rennen vom Sturz der Lindsey Vonn.

Gold knapp verpasst – Beim Vonn-Drama holt Aicher die erste deutsche Medaille

Es ist 13.45 Uhr an diesem Sonntagmittag, als erstmals bei den Olympischen Winterspielen die deutsche Fahne gehisst wird. Im Zielbereich der Abfahrt von Cortina d’Ampezzo steht Emma Aicher vor dem malerischen Panorama der Dolomiten auf dem Podest – links neben dem obersten Siegertreppchen. Die 22-Jährige ist auf Rang zwei gerast. Aicher hat damit die erste deutsche Medaille bei diesen Olympischen Winterspielen (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/) gewonnen. Gold verpasste sie nur um einen Wimpernschlag – Siegerin Breezy Johnson aus den USA hatte gerade einmal vier Hundertstelsekunden Vorsprung. „Das ist alles noch unwirklich für mich. Es dauert, bis ich das gecheckt habe“, sagte Aicher nach der Siegerehrung. „Die Breezy hat es richtig gut gemacht, sie hat es verdient.“ Bronze ging an die italienische Lokalmatadorin und Mitfavoritin Sofia Goggia (+0,59 Sekunden). Die beiden Erstplatzierten waren vor Superstar Lindsey Vonn auf die Piste gegangen. Die 41-jährige Amerikanerin war trotz eines Kreuzbandrisses gestartet und nach nur wenigen Metern schwer gestürzt. Danach war das Rennen lange unterbrochen. Alle Informationen zum Sturz von Vonn finden Sie hier (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69879e8e00d739e7f40595d4/olympia-drama-um-ski-koenigin-lindsey-vonn-stuerzt-bei-der-abfahrt-schwer.html) . Aicher feiert mit der olympischen Silbermedaille den größten Erfolg ihrer noch jungen Karriere und die erste deutsche Ski-Einzelmedaille bei Olympia seit zwölf Jahren – auch wenn sie sich zunächst noch geärgert hatte: Im Ziel fuhr sie erst einmal direkt an die Bande, stützte den Ellenbogen auf, legte den Kopf in die Hand und schaute skeptisch auf die Leinwand, die ihr den minimalen Rückstand auf Breezy anzeigte. Kurz danach sagte sie: „Es kam mir nicht wirklich gut vor, ich bin wild gefahren, mich hat es über jeder Welle aufgerissen. Ich habe nicht wirklich meinen Plan durchgezogen.“ Dass es zu Silber reicht, wusste sie da noch nicht. Als das Podest feststand und der erste Vonn-Schock halbwegs verdaut war, kehrte Jubelstimmung zurück an die Piste. „Herzlichen Glückwunsch an Emma Aicher zu einer wahnsinnig tollen Leistung. Das ganze Team Deutschland freut sich mit ihr und wird diese Silbermedaille als Motivation (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article6981f51848913c2281394171/olympia-2026-ziel-ist-platz-drei-im-medaillenspiegel-oder-besser.html) nutzen“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. „Der Knoten ist geplatzt“. Anders als Aicher enttäuschte Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann, die zuvor in den Trainingsläufen noch einen äußerst starken Eindruck hinterlassen und mit Ambitionen auf Edelmetall angetreten war – sie wurde Neunte. Riesentalent Aicher hat noch weitere Medaillenchancen Aicher gilt schon seit mehreren Jahren als die größte Zukunftshoffnung im deutschen Alpin-Team. Bei den Weltmeisterschaften vor fünf Jahren war sie – ebenfalls in Cortina d'Ampezzo – ohne jegliche Weltcup-Erfahrung erstmals auf der großen Ski-Bühne aufgetaucht und hatte prompt zu Bronze im Teamwettbewerb beigetragen. Seitdem entwickelte sich die Allrounderin kontinuierlich weiter. Den kompletten Medaillenspiegel finden Sie hier. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69834e3cd23aaa4b0d2d7d6c/olympia-2026-hier-finden-sie-den-medaillenspiegel-der-winterspiele.html) 2022 holte sie bereits eine Olympia-Medaille: Silber mit der Mannschaft. Im vergangenen März folgten die ersten beiden Weltcupsiege, in der laufenden Saison schon zwei weitere. Ihr skifahrerisches Gespür ist außergewöhnlich, ihre Vielseitigkeit eine Seltenheit in der heutigen Zeit. Aicher, aktuell Dritte im Gesamtweltcup, lässt die Deutschen wieder von großen Ski-Zeiten träumen. Und sie bringt auch mental das Zeug dafür mit. „Emma ist einfach ein Wettkampftyp. Sie hat hier auf den Punkt die Leistung gebracht – sensationell“, sagte Andreas Ertl, DSV-Sportdirektor Alpin. „Ihre Stärke ist zudem ja, dass sie alle vier Disziplinen fahren kann, dementsprechend geht es hier für sie weiter.“ Aicher hat bei den Winterspielen in den Dolomiten noch mehrere Medaillenchancen: in der Team-Kombination, im Super-G sowie im Slalom. „Emma“, sagte Weikert, „ist schon jetzt ein echter Star auf der olympischen Bühne.“