Welt 15.01.2026
06:24 Uhr

„Glaube, die Ukraine ist weniger bereit, einen Deal zu machen“, sagt Trump über den Friedensprozess


In einem Interview hat sich US-Präsident Trump über die Bereitschaft Russlands und der Ukraine zu einem „Deal“ geäußert. Die größere Bereitschaft sieht er bei Russlands Machthaber Putin. Dazu, ob Trump den ukrainischen Präsidenten demnächst in Davos treffen werde, machte er nur vage Angaben.

„Glaube, die Ukraine ist weniger bereit, einen Deal zu machen“, sagt Trump über den Friedensprozess

US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als Hindernis bei den Friedensverhandlungen mit Russland genannt, das die Ukraine seit 2022 mit einem flächendeckenden Angriffskrieg überzieht. Die Aussagen fielen in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters (verlinkt auf https://www.reuters.com/world/europe/trump-says-zelenskiy-not-putin-is-holding-up-ukraine-peace-deal-2026-01-15/) . Über den russischen Präsidenten Wladimir Putin (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6966aa989f36d5bf769faab2/olaf-scholz-ich-bin-davon-ueberzeugt-dass-putin-seinen-angriff-zwei-jahre-vorher-fest-geplant-hatte.html) sagte Trump demnach: „Ich glaube, er ist bereit, einen Deal zu machen.“ Über die Ukraine sagte er dagegen: „Ich glaube, die Ukraine ist weniger bereit, einen Deal zu machen.“ Auf die Frage der Reporter der Agentur, warum die von den USA geführten Verhandlungen den größten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg noch nicht beenden konnten, habe Trump nur geantwortet: „Selenskyj“. Trump hatte im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft versprochen, den Ukraine-Krieg sofort nach Amtsantritt zu beenden. Trumps Aussagen im Interview deuteten der Agentur zufolge auf erneut aufkommende Unzufriedenheit Trumps mit dem ukrainischen Staatschef hin. Die beiden Präsidenten haben seit Langem ein wechselhaftes Verhältnis, obwohl sich ihre Beziehungen im ersten Amtsjahr Trumps wieder verbessert zu haben scheinen, berichtet Reuters. Auf die Frage, warum er glaube, dass Selenskyj die Verhandlungen hinauszögere, ging Trump laut der Agentur im Interview nicht näher ein und sagte nur: „Ich glaube einfach, dass es ihm schwerfällt, sich dazu durchzuringen.“ Eine zentrale und bislang ungeklärte Frage des Friedensprozesses betrifft den Umgang mit Russlands Forderungen nach Gebietsabtretungen durch die Ukraine sowie den Umgang mit bereits annektierten Gebieten. Selenskyj hat öffentlich jegliche territorialen Zugeständnisse an Moskau ausgeschlossen und erklärt, Kiew habe gemäß der Verfassung des Landes kein Recht, Land abzutreten. Geklärt ist bereits unter anderem, dass europäische Länder aus der sogenannten Koalition der Willigen (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article696116ae8605767e8f930fcf/koalition-der-willigen-wenig-qualitative-verbesserungen-das-ringen-um-eine-friedenstruppe-fuer-die-ukraine.html) bereit wären, nach einem Waffenstillstand einen Frieden in der Ukraine abzusichern. Wie ein solcher erreicht werden kann, ohne Putins umfassende Annexions-Forderungen zu erfüllen, ist bislang unklar. Die Ukraine und ihre Verbündeten sorgen sich, dass Russland nach einer Annexion der vom Kreml geforderten Gebiete diese als Basis für einen weiteren umfassenden Angriff auf die Ukraine nützen könnte und die Ukraine dabei noch verletzlicher dastünde als zu Beginn der Vollinvasion 2022. Der amerikanische und der ukrainische Präsident könnten in der vorletzten Januarwoche beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos erneut aufeinandertreffen. Gefragt, ob Trump Selenskyj dort zu einem Gespräch treffen werde, gab Trump zu verstehen, dass dafür noch keine konkreten Pläne vorliegen. „Ich würde ihn treffen – wenn er dort ist“, sagte Trump. „Ich werde dort sein.“