Im Prozess um die Entführung der beiden jüngsten Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block hat es am 29. Verhandlungstag eine überraschende Wendung gegeben: Ausgerechnet die unter dem Alias „Olga“ bekannt gewordene Frau, nach der in dem Komplex lange gefahndet wurde und die nach Überzeugung der Ermittler zum mutmaßlichen Entführer-Team gehören soll, ist inzwischen von der Staatsanwaltschaft Hamburg vernommen worden. Das teilte die Vorsitzende Richterin zu Beginn des Prozesstages mit – für alle Beteiligten offensichtlich eine Nachricht mit Sprengkraft. Demnach wurde „Olga“ gleich zweimal befragt, am 8. und am 12. Januar. Ein schriftliches Vernehmungsprotokoll liege allerdings noch nicht vor, weitere Details wurden in der Verhandlung zunächst nicht bekannt. Damit bleibt offen, ob und in welchem Umfang die Frau belastende Aussagen gemacht hat – und gegen wen. Klar ist jedoch: Sollte die mutmaßliche Schlüsselfigur aus dem Umfeld der israelischen Sicherheitsfirma substanzielle Angaben zum Auftrag, zur Vorbereitung oder zu internen Abläufen gemacht haben, könnte dies die Beweisaufnahme in entscheidenden Punkten verändern. Nach Darstellung der Anklage war „Olga“ „die rechte Hand“ des Chefs jener israelischen Sicherheitsfirma, die die Entführung ausgeführt haben soll (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/plus6929bab0e9b1296b9ef97020/fall-block-israeli-belastet-in-aussage-bislang-kaum-bekannten-strippenzieher.html) . In den Monaten, in denen sich die Israelis in Hamburg aufhielten, soll sie zudem eine besonders enge Beziehung zu Christina Block aufgebaut haben – als Vertraute im direkten Umfeld der Unternehmerin. Genau diese Nähe macht die Personalie so brisant: „Olga“ gilt nach Auffassung der Ermittler nicht als Randfigur, sondern als eine Person, die sowohl in die mutmaßliche Planung als auch in die praktischen Vorbereitungen eingebunden gewesen sein könnte. Zwei Mitarbeiter des „Grand Elysée“ als Zeugen Kern des Verfahrens bleibt der Vorwurf, Christina Block habe die Entführung ihrer Kinder – eines damals zehn Jahre alten Jungen und eines 13-jährigen Mädchens – in der Silvesternacht 2023/24 beauftragt. Die Kinder sollen am Wohnort ihres Vaters in Dänemark von der Sicherheitsfirma abgeholt, gegen den Willen des Vaters nach Deutschland gebracht und dort vorübergehend versteckt worden sein. Block bestreitet die Tat. Sie hält dagegen, die Israelis seien lediglich zur Überprüfung der Cybersicherheit des zur Block-Gruppe gehörenden Luxushotels „Grand Elysée“ engagiert worden. Die Rückholaktion habe die Firma – so Blocks Darstellung – ohne ihren Auftrag, also eigenmächtig, durchgeführt. Neben Christina Block stehen sechs weitere Angeklagte vor Gericht. Unter ihnen ist auch ihr Lebensgefährte Gerhard Delling, der frühere Sportmoderator, dem die Staatsanwaltschaft Beihilfe vorwirft. Auch Delling weist alle Vorwürfe zurück. Am aktuellen Prozesstag sollten zudem zwei Mitarbeiter des „Grand Elysée“ (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article696500fdd57b0276d945ab46/prozess-in-hamburg-doris-white-und-george-smith-angestellte-sollen-ueber-vorgaenge-im-block-hotel-aussagen.html) als Zeugen gehört werden. Hintergrund: Das Hotel soll nach Überzeugung der Anklage über Monate als eine Art Basis gedient haben – dort sollen die mutmaßlichen Entführer gewohnt, Abläufe besprochen und die Tat vorbereitet haben. Laut Staatsanwaltschaft seien dabei Kosten von rund 220.000 Euro entstanden, die nicht beglichen worden seien. Einer der Zeugen ist demnach ein ehemaliger leitender Angestellter des Hauses, der zweite arbeitet weiter im Hotel. Das Gericht will über deren Beobachtungen vor der Entführung zusätzliche Erkenntnisse gewinnen.