Der BSW-Politiker und frühere Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine sieht sich massiver Kritik ausgesetzt. Am Dienstag hat er über Instagram ein sogenanntes Sharepic veröffentlicht (verlinkt auf https://www.instagram.com/p/DT-qOkRDV-F/?igsh=MWhqYnZjbngwaHQ3ZA%3D%3D) . „Der Russenhass ist ebenso verwerflich wie der Antisemitismus“, erklärt er darauf. „Die Deutschen haben zur Nazizeit nicht nur 6 Millionen Juden ermordet, sondern auch 25 Millionen Bürger der Sowjetunion“, schreibt der Ehemann von Sahra Wagenknecht dazu. „So richtig es ist, niemals Waffen zu liefern, mit denen wieder Juden ermordet werden können, so geschichtsvergessen und skrupellos ist es, Waffen zu liefern, mit denen wieder Russen ermordet werden.“ Zudem äußerte er erneut seine Ablehnung gegen die militärische Unterstützung Israels. „Der Höhepunkt der moralischen Verwahrlosung der deutschen Politik ist es, Israel Waffen zu liefern und dadurch den Völkermord an den Palästinensern zu unterstützen“, erklärt Lafontaine. Mit seinem Post bewarb der ehemalige SPD-Vorsitzende seinen Gastbeitrag „Russenhass ist deutsche Staatstradition“, der am Montag im politischen Blog „NachDenkSeiten“ (verlinkt auf https://www.nachdenkseiten.de/?p=145361) erschienen war. Zuvor hatte ihn bereits die Schweizer Zeitung „Die Weltwoche“ (verlinkt auf https://weltwoche.ch/daily/russenhass-ist-deutsche-staatstradition/) veröffentlicht, dessen Chefredakteur Roger Köppel immer (verlinkt auf https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/roger-koeppels-weltwoche-publiziert-russische-propaganda-110445951.html) wieder (verlinkt auf https://fairmedia.ch/2025/04/16/die-weltwoche-bedient-sich-konstant-bei-russischen-propagandaplattformen/) der Verbreitung russischer Propaganda beschuldigt wird. „Wahlweise gelten Juden oder Russen als Verursacher allen Übels auf der Welt“, schreibt Lafontaine einleitend in seinem Gastbeitrag. Schon Adolf Hitler habe die Slawen im Vorfeld seines Vernichtungskrieges als „rassisch minderwertig“ bezeichnet. Der „Antislawismus“ der Nationalsozialisten sei anschließend von den US-Amerikanern im Kampf gegen den Kommunismus aufgegriffen worden. Hierzulande sei der Kalte Krieg durch die von „Feindseligkeit und Hass gegen Russland“ geprägte westdeutsche Nachkriegspolitik befeuert worden. Bis heute pflegten CDU-Politiker wie Friedrich Merz, Johann Wadephul oder Roderich Kiesewetter den „Russenhass“. „Putins ausgestreckte Hand wurde nicht ergriffen“ Mit seiner Rede im Bundestag im Herbst 2001 habe Wladimir Putin „für gute Nachbarschaft und Freundschaft“ geworben, insistiert Lafontaine. „Seine ausgestreckte Hand wurde nicht ergriffen. Stattdessen wurden Zug um Zug auf Betreiben der amerikanischen Rüstungsindustrie und der Neokonservativen in Washington die ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes in die Nato aufgenommen.“ Im nun in der Ukraine stattfindenden „Stellvertreterkrieg“ müsste die deutsche Regierung als Vermittler auftreten, fordert der frühere SPD-Vorsitzende. „Sie müsste die Lehre aus der eigenen Geschichte ziehen und erkennen: Judenhass und Russenhass haben dieselben Wurzeln“, schildert Lafontaine. „An erster Stelle steht die Projektion, eigene unerwünschte Gefühle werden auf Juden oder Russen übertragen. Wahlweise wurden oder werden Juden oder Russen als Verursacher allen Übels auf der Welt angesehen. Und selbstverständlich streben sie nach Weltherrschaft. Der verschwörungsideologische Kern dieser Dämonisierung ist unübersehbar. Der so entstandene Hass ist stabil und rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich.“ Lafontaine nimmt „mit verquerer Hirnakrobatik seinen liebsten Terrorstaat in Schutz“ Mit seinem Gastbeitrag stieß Lafontaine auf beträchtliche Kritik. „Ich hätte ja nicht gedacht, dass es von Seiten des BSW noch viel ekliger geht, aber ich habe mich geirrt“, kommentierte der Redaktionsleiter und Host des Politikformats „Die da oben!“ auf X (verlinkt auf https://x.com/JanSchipmann/status/2016607980922294610) . „Während den Holocaust-Opfern gedacht wird, lenkt Lafontaine von den Verbrechen ab und versucht, mit verquerer Hirnakrobatik seinen liebsten Terrorstaat in Schutz zu nehmen.“ Der FDP-Vorsitzende Christian Dürr charakterisierte die Aussagen des BSW-Politikers als neuen Tiefpunkt. Es sei „nicht nur geschmacklos, sondern schlicht widerlich“, die Unterstützung des Staates Israel als „Höhepunkt moralischer Verwahrlosung“ zu bezeichnen. Scharfe Kritik schlug Lafontaine auch in seiner saarländischen Heimat entgegen. „Wer einen solchen Vergleich am heutigen Tag macht, der sucht nach medialer Aufmerksamkeit“, beanstandete der CDU-Abgeordnete Raphael Schäfer. „Wir alle wissen, wo sozusagen das BSW sich aktuell befindet, nämlich im freien Flug nach unten. Das heißt, Herr Lafontaine missbraucht den heutigen Tag, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und das ist in ganz scharfen Worten zurückzuweisen.“ Auch für Christoph Schaufert, stellvertretender AfD-Fraktionsvorsitzender, verbot sich die gezogene Parallele. „Die Verbrechen, die damals geschehen sind, sind einzigartig und können und dürfen niemals als Vergleiche für jetzt und heute herangezogen werden.“ „Ich erlebe in Deutschland in der demokratischen Mitte keinen Russenhass, keinen Hass auf andere Völker. Ich erlebe, dass die Taten von Putin verabscheut werden“, konterte auch der frühere Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). Dessen Parteikollege und aktueller Antisemitismusbeauftragter der saarländischen Landesregierung, Roland Rixecker, erklärte am Rande einer Gedenkveranstaltung am Dienstag: „Die Äußerung, dass Russenhass genauso schwer wiegt wie Antisemitismus und genauso verwerflich ist, ist völlig inakzeptabel, und vor allem im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt am Abend vor dem Holocaust-Gedenktag ist es nur beschämend und peinlich.“ Laut Rixecker setze der einstige SPD-Vorsitzende die berechtigte Kritik an der russischen Invasion mit dem Holocaust gleich. Lafontaine wies den Vorwurf seines früheren Parteikollegen im Saarländischen Rundfunk zurück (verlinkt auf https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/oskar_lafontaine_holocaust-gedenktag_facebook-post_hass_russland_kritik_100.html) . „Es geht nicht um Gleichsetzen“, betonte er, „es geht darum, dass wir auf der einen Seite verpflichtet sind gegenüber Israel, weil sechs Millionen Juden ermordet worden sind. Wir sind aber auch verpflichtet gegenüber Russland, weil zwölf Millionen Russen ermordet worden sind, teilweise grausam verbrannt oder sie mussten sich ihr Grab selber schaufeln.“ Am Mittwoch hat Lafontaine in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram noch einmal nachgelegt und dabei sowohl Rixecker als auch den Saarländischen Rundfunk ins Visier genommen. Den Vorwurf des Antisemitismusbeauftragten, er setze die Kritik am Vorgehen der russischen Regierung mit der Shoa gleich, bezeichnete der BSW-Politiker als „abenteuerliche Unterstellung“. Weder die Landtagsfraktionen von SPD und CDU noch die „Empörten“ der Landesrundfunkanstalt hätten sich inhaltlich zu seinem Text geäußert. Stattdessen konzentrierten sie sich auf das Datum der Veröffentlichung. „Dieser Bericht des Saarländischen Rundfunks ist ein Paradebeispiel eines unseriösen Journalismus, der zum Sprachrohr der Regierungsparteien geworden ist und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer mehr in Misskredit bringt“, beanstandete Lafontaine.