Welt 30.01.2026
13:06 Uhr

„Gerade unsere Glaubwürdigkeit passt denen gar nicht, die uns am liebsten abschaffen würden“


ZDF-Moderatorin Marietta Slomka sieht die Entwicklungen der Medien in den USA als Warnsignal für Deutschland. Das Gegengewicht zum Populismus sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der nach wie vor stark ist.

„Gerade unsere Glaubwürdigkeit passt denen gar nicht, die uns am liebsten abschaffen würden“

Ihr Debüt als „heute journal“-Moderatorin hat sich am Donnerstag zum 25. Mal gejährt. Anlässlich dessen hat die ZDF-Journalistin Marietta Slomka gegenüber der Deutschen Presse-Agentur vor US-ähnlichen Verhältnissen in der deutschen Medienlandschaft gewarnt. „In den USA sagt es sehr viel über die politische Haltung aus, ob man CNN oder Fox News schaut. Diese Form der Fragmentierung halte ich für hochproblematisch“, sagte die 56-Jährige. „Ich hoffe sehr, dass wir uns in Deutschland nicht in diese Richtung bewegen.“ Das sei eine Sorge, die sie wirklich habe. Der Sender Fox News in den USA gilt als rechtskonservativ und ist der Lieblingssender von US-Präsident Donald Trump. CNN dagegen steht Trump kritisch gegenüber. Slomka betonte vor diesem Hintergrund, dass sie es für einen großen Wert halte, dass es in Deutschland – zum Beispiel mit dem „heute journal“ – immer noch Formate gebe, die nicht in eine bestimmte politische Bubble sendeten, sondern ein sehr breites Publikum erreichten. „Mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Meinungen und Erwartungen“, so Slomka. Zugleich schilderte sie ein bestimmtes gesellschaftliches Klima. „Wir erleben eine starke Polarisierung der Gesellschaft, die durch Clickbaiting, Emotionalisierung und Personalisierung ständig befeuert wird“, sagte Slomka. „Und das auch ganz bewusst, gerade von populistischen Kräften.“ „Wir leben in digitalen Welten, in der Sie jede Form von Kampagne machen können“ In einem weiteren Interview mit dem Branchendienst DWDL (verlinkt auf https://www.dwdl.de/interviews/105311/ohne_diese_reichweite_waeren_wir_als_zielscheibe_nicht_so_interessant/?utm_source=&utm_medium=&utm_campaign=&utm_term=) betonte sie die Bedeutung davon, sich auf gemeinsame Fakten einigen zu können. „Daher sollten wir glücklich sein, in Deutschland einen nach wie vor starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu haben.“ Zugleich hob sie den Druck hervor, unter dem der ÖRR stehe. „Natürlich spüren wir das“, versicherte Slomka. „Das liegt auch daran, dass wir in digitalen Welten leben, in der Sie jede Form von Kampagne machen können, und in der Fehler, die natürlich auch bei uns passieren, direkt zu allgemeinen Verdammungen oder Zuschreibungen aufgebauscht werden.“ Die Angriffe gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk skizzierte die ZDF-Journalistin als Resultat des Erfolgs und der programmatischen Qualität. „Gerade unsere hohe Reichweite und die Glaubwürdigkeit, die wir oder auch die ‚Tagesschau‘ glücklicherweise immer noch haben, passt denen, die uns am liebsten abschaffen würden, natürlich gar nicht“, gab sie DWDL zu Protokoll. „Von denen werden wir deshalb auch besonders hart attackiert. Hätten wir diese Reichweite nicht, wären wir als Zielscheibe vielleicht gar nicht so interessant.“