Welt 18.01.2026
02:30 Uhr

Fünf Millionen Kopien auf Papier pro Jahr – Justizministerin will Führungszeugnis online ausstellen


Fünf Millionen Führungszeugnisse werden in Deutschland pro Jahr ausgestellt – auf Papier. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will künftig eine digitale Variante anbieten. Für betroffene Bürger aber gibt es eine entscheidende Hürde.

Fünf Millionen Kopien auf Papier pro Jahr – Justizministerin will Führungszeugnis online ausstellen

Ist jemand vorbestraft? Das Führungszeugnis gibt darüber Auskunft – bald auch in elektronischer Form, wie Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe ankündigte. „Bislang gibt es das Führungszeugnis ausschließlich in Papier, und es wird per Brief aus Bonn quer durch die Republik versandt“, sagte Hubig. „Künftig können Bürgerinnen und Bürger ihr Führungszeugnis digital beantragen und erhalten es auch digital - schnell, unkompliziert und als PDF in einem sicheren Verfahren über das BundID-Konto.“ Genau das dürfte für viele die entscheidende Hürde sein. Das BundID-Konto für staatliche Leistungen gibt es bereits seit 2019. Der Start verlief schleppend, erst im vergangenen Jahr knackte das Angebot die Zahl von fünf Millionen registrierten Bürgern. Um alle Funktionen des Kontos nutzen zu können, ist ein Zugang mit einem Personalausweis mit Online-Funktion erforderlich. Seit 2017 werden neue Personalausweise immer mit der sogenannten eID-Funktion ausgeliefert, die mittels einer Ausweis-App des Bundes und einem NFC-fähigen Smartphone (trifft auf die meisten neueren Geräte zu) genutzt werden kann. Allerdings muss sie per PIN aktiviert werden. Liegt die PIN nicht vor, muss sie bei der Ausweisbehörde vor Ort oder postalisch beantragt werden. Laut Funke soll ein entsprechender Gesetzentwurf für das digitale Führungszeugnis in der neuen Woche vom Kabinett beschlossen und noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Das polizeiliche Führungszeugnis gibt Auskunft darüber, ob eine Person vorbestraft ist. Die Vorlage ist für verschiedene berufliche und ehrenamtliche Tätigkeiten etwa im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit erforderlich. Es wird vom Bundesamt für Justiz (BfJ) ausgestellt. Die Behörden in Deutschland stellen nach Angaben der Mediengruppe jedes Jahr rund fünf Millionen Führungszeugnisse aus. Nach dem Personalausweis und der Geburtsurkunde wird das Dokument demnach am häufigsten bei der Verwaltung nachgefragt. Auch das „erweiterte Führungszeugnis“ sowie das „Europäische Führungszeugnis“ sollen digitalisiert werden.