Mindestens 39 Menschen sind im Süden Spaniens bei einem schweren Eisenbahnunglück ums Leben gekommen. Dutzende weitere seien verletzt worden, 15 davon schwer, sagte Andalusiens Regionalpräsident Juanma Moreno in den frühen Morgenstunden. Er schloss nicht aus, dass in den „Trümmerhaufen aus Metall“ weitere Leichen liegen könnten. Nach ersten Berichten war zunächst von 24 Toten die Rede. Bei dem Unfall unweit der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba kollidierten zwei Hochgeschwindigkeitszüge, nachdem einer von ihnen entgleist war. Zahlreiche Fahrgäste waren demnach noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Die regionale Leiterin des Zivilschutzes, María Belén Moya Rojas, sagte dem Sender Canal Sur, der Unfall habe sich in einem schwer zugänglichen Gebiet ereignet. Anwohner hätten Decken und Wasser zur Unglücksstelle gebracht, um den Betroffenen zu helfen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: „Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Chaos, offene Brüche. Alles andere als schön.“ Zug kracht in Waggons eines zuvor entgleisten Zuges Nach bisherigen Erkenntnissen entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug der Gesellschaft Iryo, mehrheitlich im Besitz der italienischen Trenitalia, gegen 19:40 Uhr auf dem Weg von Málaga nach Madrid mit mehr als 300 Passagieren an Bord. Dann kollidierte er mit einem Zug der spanischen Gesellschaft Renfe auf dem Weg von Madrid in Richtung Huelva mit 200 Passagieren. Nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente entgleiste der hintere Teil des ersten Zuges und prallte gegen die vordere Spitze des zweiten Zuges, wodurch die ersten beiden Waggons aus den Schienen geschleudert wurden und eine vier Meter tiefe Böschung hinunterstürzten. „Der Aufprall war heftig und schleuderte die ersten beiden Waggons des Renfe-Zuges aus den Gleisen“, schrieb Puente auf X. Puente sagte auf einer Pressekonferenz, die Ursachen des Unfalls seien noch unbekannt. Er bezeichnete den Vorfall als „wirklich seltsam“, da er sich auf einem ebenen Streckenabschnitt ereignet habe, der erst im Mai instand gesetzt worden war. Laut Puente war der entgleiste Zug weniger als vier Jahre alt. „Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil“, sagte er. Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. Fahrgast: „Es fühlte sich wie ein Erdbeben an“ Salvador Jiménez, Journalist des spanischen Senders RTVE, der in einem der Züge unterwegs war, sagte der Nachrichtenagentur AP am Telefon: „Es fühlte sich wie ein Erdbeben an, und der Zug war tatsächlich entgleist.“ Er erklärte, dass Fahrgäste Notfallhämmer genutzt hätten, um Fenster einzuschlagen, und dass einige unverletzt entkommen konnten. Videos von der Unglücksstelle zeigen Menschen, die aus Fenstern kletterten, während die Waggons schräg lagen. Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Zug erlebte. „Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.“ In sozialen Medien verbreiteten Fahrgäste Fotos und Videos aus einem der Unglückszüge. „Wir sind auf der Rückfahrt von Córdoba, als der Zug entgleist ist. Uns in unserem Waggon geht es gut, aber wir wissen nicht, wie es den Fahrgästen in den anderen Waggons geht. Es gibt Rauch, und sie rufen nach einem Arzt“, schrieb ein Fahrgast auf X und teilte mehrere Videos. Zu sehen ist in einem weiteren Video auch, wie ein Iryo-Mitarbeiter die Fahrgäste um Ruhe und Kooperation bittet und sie auffordert, ihren Platz einzunehmen und sich erkundigt, wer Hilfe benötigt. Nach Verlassen des Zuges filmte der Fahrgast auch, wie der letzte Waggon des Iryo-Zuges umgekippt auf der Seite liegt. „Wir sind im Iryo-Zug von Córdoba nach Madrid. Ungefähr zehn Minuten nach der Abfahrt fing der Zug heftig an zu rütteln und entgleiste ab Waggon 6 rückwärts. Der Strom fiel aus. Wir sind in Waggon 5. Zum Glück scheint es allen gut zu gehen“, schrieb eine weitere Iryo-Kundin und teilte ein Foto, das den Übergang zu einem der entgleisten Waggons zeigt. Sanchez: „Land steht an Ihrer Seite“ Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einem „Abend tiefer Trauer aufgrund des tragischen Zugunglücks“. Er sprach den Familien und Angehörigen sein Beileid aus. „Keine Worte können solch großes Leid lindern, aber ich möchte Ihnen versichern, dass das ganze Land in dieser schweren Zeit an Ihrer Seite steht“, schrieb er auf X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. „In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken“, schrieb sie auf X auf Spanisch. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien ist unterbrochen und bleibt nach Angaben des Schienennetzbetreibers ADIF auch am Montag ausgesetzt.