Welt 07.02.2026
11:09 Uhr

Fall Marius – „Wann ist es endlich genug?“, ärgert sich Prinzessin Ingrid Alexandra im Internet


Kronprinz Haakon hält zu Ziehsohn Marius Borg Høiby, der wegen Vergewaltigung vor Gericht steht. Nun äußert sich auch die Halbschwester des Angeklagten. Ingrid Alexandra scheint eine Verschwörung zu wittern – zum Erstaunen der Norweger.

Fall Marius – „Wann ist es endlich genug?“, ärgert sich Prinzessin Ingrid Alexandra im Internet

In der wohl schwersten Krise des norwegischen Königshauses in jüngerer Zeit will Kronprinz Haakon für seine Familie da sein. Während Kronprinzessin Mette-Marit (52) wegen ihrer Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein massiv unter Druck steht, muss sich ihr ältester Sohn Marius Borg Høiby wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten. „Wenn so viel gleichzeitig passiert wie gerade in unserer Familie, dann versuche ich, richtig zu priorisieren“, sagte der künftige norwegische König, 52, dem Fernsehsender NRK. „Das Wichtigste für mich war in den letzten Tagen, mich um meine Familie zu kümmern.“ Weiter erklärte Haakon zu seinem 29 Jahre alten Ziehsohn: „Wir unterstützen Marius in der Situation, in der er ist. Wir kümmern uns um die anderen Kinder, auch auf sie müssen wir aufpassen. Und ich muss mich um die Kronprinzessin kümmern. Und zum Glück kümmert sie sich auch um mich.“ Zuvor hatte Mette-Marit am Freitag schriftlich um Verzeihung für ihren Kontakt zu Epstein gebeten. Vielen Norwegern reicht das aber nicht aus. Haakon nahm seine Frau in Schutz: „Sie versteht, dass viele gerne von ihr hören wollen“, sagte er NRK. „Sie will gerne erzählen. Aber gerade schafft sie das nicht.“ Er bestärke sie darin, sich erst einmal zu erholen, bevor sie an die Öffentlichkeit gehe: „Ich sage zu ihr, dass sie das nicht darf. Sie braucht Zeit, um sich zu sammeln.“ Die Kronprinzessin ist nicht nur wegen der Skandale angeschlagen. Mette-Marit ist schwer krank und braucht eine neue Lunge. In den sozialen Medien stießen die Äußerungen des Kronprinzen auf ein geteiltes Echo. Viele Nutzer merkten negativ an, dass Haakon kein Wort über die mutmaßlichen Opfer verlor und sich rein auf die Probleme der Königsfamilie zu fokussieren scheine. Zudem kursiert aktuell auch ein Statement, das Prinzessin Ingrid Alexandra zugeschrieben wird, der Halbschwester von Marius Borg Høiby. „Ich werde verrückt. Wann ist es genug?“ Auch über diese Äußerung zeigten sich viele Norweger in den sozialen Medien verwundert. Über die Kontroverse berichtete zunächst die norwegische Zeitung NRK und (verlinkt auf https://www.nrk.no/norge/ingrid-alexandra-pa-lukket-instagram-konto_-_nar-er-det-nok__-1.17757109) zitierte dazu aus einem privaten Instagram-Post der Prinzessin, die auf dem Netzwerk nicht unter Klarnamen unterwegs ist. In dem sechs Seiten langen Beitrag, der ursprünglich nur 800 Abonnenten erreichte, aber dann den Medien zugespielt wurde, scheint die Prinzessin Kritik an Ermittlern und Medien zu üben, zudem klagt sie über ihre eigene Belastung. Der Beitrag – auch „Bild“ berichtete (verlinkt auf https://www.bild.de/unterhaltung/royals-adel/ingrid-alexandra-wut-posting-der-prinzessin-6985a44e6f96ea68700148f2) und schrieb von einem „Wut-Posting“ – erschien bereits am vergangenen Donnerstag. Darin beklagt die junge Frau unter anderem die ihrer Meinung nach persönlichen Angriffe an ihre Familie: „Es geht (...) nicht um Marius, nicht um Mama oder Papa oder Magnus ( ihren Bruder, d. Red ). Es geht um persönliche Angriffe. Das kann jeden treffen. Aber es trifft oft uns. Ich habe mich entschieden, es hier zu posten. Weil ich am Verzweifeln bin. Wann ist es endlich genug?“. Dokumentiert wird der Text aktuell in mehreren norwegischen Medien. (verlinkt auf https://www.vg.no/rampelys/i/43z9Ea/nrk-prinsesse-ingrid-alexandra-ut-mot-pressen-i-instagram-innlegg-naa-er-det-nok) Die 22-Jährige schreibt weiter, es gehe nicht um die Vorfälle ( ihr Halbbruder ist unter anderem der Vergewaltigung angeklagt ) oder einzelne Personen, sondern um die Berichterstattung. Unter anderem übt sie in ihren Text Medienkritik: „Das ( also ihr eigener Beitrag, d. Red. ) wird jetzt nicht den VG-Test bestehen. Da hätte man ihn auseinandergenommen und gegen mich verwendet.“ Damit spricht Ingrid Alexandra offenbar die norwegische Zeitung „VG“ an („Verdens Gang“, zu Deutsch: „Der Lauf der Welt“), die über den Skandal im Königshaus berichtete und immer wieder exklusive Recherchen zu dem mutmaßlichen Missbrauchsfall veröffentlicht hatte. Ingrid Alexander startet außerdem noch eine Art Gedankenspiel, das anzudeuten scheint, dass sie von der Unschuld ihres Bruders ausgeht. Sie spricht in ihrem Text fiktiv mit einem erfundenen Gegenüber, der eines Mordes beschuldigt wird, ohne dass es Beweise gibt. Die Vergangenheit der Person löst in ihrem Gedankenspiel dann ein großes Medieninteresse und zahlreiche unfaire Berichte aus. Kein Kommentar vom Palast zu dem Posting Auch hier teilt die Prinzessin wieder gegen das ihr (offenbar besonders verhasste) Medium „VG“ aus: „Stell dir vor, ich sage dir, dass du jemanden getötet hast. Was sagst du dann? Vielleicht, dass du niemanden getötet hast. Dann schreibt „VG“: „... verteidigt sich gegen den Sturm in der Presse: „Ich habe niemanden getötet“. Die Prinzessin schließt den Text mit den Worten: „Es ist wichtig, keine Behauptungen aufzustellen, für die man keine Grundlage hat.“ Im Fall von Marius Borg Høiby haben die norwegischen Ermittler Video- und Tonaufnahmen vorgelegt, es gibt Zeugen und mehrere mutmaßlich Opfer. Das norwegische Königshaus wollte sich auf Anfrage von NRK nicht zu dem Beitrag äußern. Die 22-jährige Prinzessin studiert Sozialwissenschaften mit einem besonderen Fokus auf internationale Beziehungen und politische Ökonomie in Sydney.