Welt 10.02.2026
21:55 Uhr

Estland eröffnet 20 Kilometer lange „Eisstraße“ für Autos über zugefrorenes Meer


Weil der Fährverkehr zwischen zweier Inseln durch das Winterwetter eingeschränkt ist, macht Estland aus der Not eine Tugend. Nun kann man mit dem Auto über das zugefrorene Meer fahren

Estland eröffnet 20 Kilometer lange „Eisstraße“ für Autos über zugefrorenes Meer

Wegen der frostigen Temperaturen im Norden Europas gibt es in Estland derzeit eine mit dem Auto befahrbare „Eisstraße“, die die beiden Hauptinseln des Baltenstaats miteinander verbindet. Die ungewöhnliche 20 Kilometer lange Straße auf dem zugefrorenen Meer zwischen den Inseln Saaremaa und Hiiumaa im Westen Estlands wurde am Sonntag offiziell eröffnet. Über Wochen waren die Temperaturen auf minus zehn Grad Celsius gesunken, deshalb war der Fährverkehr eingeschränkt. Einwohner der kleineren Insel Hiiumaa fahren zum Einkaufen, Kaffee trinken oder für den Schulunterricht ihrer Kinder nach Saaremaa. Über die größere Insel Saaremaa haben sie auch eine Verbindung zum estnischen Festland. „Eisstraße“ muss geprüft und gewartet werden Zwar sei die „Eisstraße“ aus einer Notwendigkeit heraus eröffnet worden, sagte der Bürgermeister von Hiiumaa, Hergo Tasuja, der Nachrichtenagentur AP. Doch sei sie auch „Teil unserer Kultur“. Bei der „Straße“ handelt es sich im Grunde um einen markierten Korridor auf dem zugefrorenen Meer. Experten haben festgestellt, dass die Eisschicht in diesem Abschnitt dick genug ist, um das Gewicht von Autos aushalten zu können. Doch die Wartung der „Eisstraße“ sei nicht einfach, sagte Marek Koppel von der estnischen Baufirma Verston Eesti, die für die Verwaltung zuständig ist. Arbeiter müssten alle 100 Meter die Eisdicke messen, um festzustellen, an welchen Stellen das Eis mehr als 24 Zentimeter dick sei. Das sei die Mindestdicke, damit eine Fahrt sicher sei. Zudem glätte die Firma poröse Stellen im Eis. Die Witterungsverhältnisse und die Festigkeit des Eises würden rund um die Uhr überwacht und die Strecke entsprechend angepasst. Fahrzeuge, die für die „Eisstraße“ zugelassen sind, dürfen maximal 2,5 Tonnen wiegen und dürfen entweder nur unter 20 km/h fahren oder zwischen 40 und 70 km/h - alles dazwischen kann ein Vibrieren auslösen, das das Eis beschädigen kann. Zudem dürfen Autos auf der „Eisstraße“ nicht anhalten und müssen einen Sicherheitsabstand zu anderen Wagen einhalten. Passagiere dürfen keine Sitzgurte tragen und Autotüren müssen leicht zu öffnen sein, damit der Ausstieg in Notfällen schnell möglich ist. „Die Straße war ziemlich gut, sie war leicht zu befahren“, sagte Alexei Ulyvanov aus dem nahegelegenen Tallinn, der zu den Inseln fuhr, um seinen Kindern nach eigenen Angaben zu demonstrieren, „dass es möglich ist, ein Auto über das Meer zu fahren“. Die letzte „Eisstraße“ zwischen den beiden estnischen Inseln gab es Tasuja zufolge vor etwa acht Jahren. In der Zwischenzeit seien die Winter zu warm gewesen. Die Firma Verston Eesti hat von den Behörden den Auftrag bekommen, in dieser Woche zwei weitere „Eisstraßen“ zu eröffnen. Diesmal soll das estnische Festland mit zwei kleineren Inseln verbunden werden.